Unkalkulierbarer Solarstrom

Münster - Auf Basis einer nicht existierenden gesetzlichen Regelung kann man schwerlich kalkulieren. Diese Erkenntnis bestimmte am Montagabend die Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses. Von Thomas Meier

Der befasste sich mit der Photovoltaikanlage, die für rund 67.000 Euro aufs zu sanierende Dach der Kulturhalle gebaut werden sollte. Die CDU hatte hierzu in der vergangenen Gemeindevertretersitzung gar zusätzlich beantragt zu prüfen, ob sich nicht ein privater Investor finden lässt, dem man das Dach als Standort für seine Anlage verpachten könne. Doch in Ermangelung an Pachtinteressenten für solche Verstromung und weil derzeit niemand weiß, mit wieviel Geld einmal die Umwandlung von Sonnenenergie in Strom vergütet werden soll, sahen sich die Ausschussmitglieder ratlos. Denn der Bund will die Förderung für Photovoltaik-Anlagen kürzen, die Länder in Sachen Einspeisevergütung für Solarstrom jedoch alles beim Alten lassen. Bei der letzten Sitzung im Bundesrat konnten sich beide Seiten nicht einigen. Damit landet das Gesetz über die neue Einspeisevergütung für Solarstrom im Vermittlungsausschuss.

Keine gute Ausgangslage für eine Rentabilitätsrechnung für eine Photovoltaikanlage auf dem Kulturhallen-Dach. An der versuchten sich zwar Mitarbeiterinnen der Verwaltung, doch hoben sie hervor, wie wenig aussagekräftig ihre Berechnungen angesichts der Lage sind.

In Photovoltaikanlagen investieren und diese errichten

Die Bauabteilung hat sich um Gespräche und Angebote mit Firmen, die in Photovoltaikanlagen investieren und diese auch errichten, bemüht. Es hätten auch einige Gespräche stattgefunden, berichteten die Mitarbeiterinnen. Doch trotz intensiver Bemühungen hätten sich von fünf angefragten Firmen letztlich kein Betrieb gefunden, der der Gemeinde ein wirtschaftliches Angebot über die Verpachtung der Dachfläche und eine eigene Investition einer Anlage anbieten konnte. Für eine Verpachtung habe einzig ein wenig konkretes Angebot vorgelegen über die Pacht von einem Euro pro Quadratmeter.

Für die rein investive Lösung – also die Gemeinde finanziert die 67.000 Euro selbst für eine solche Anlage – wurden immerhin drei Angebote abgegeben. Die Kosten des günstigsten Angebotes belaufen sich dabei auf rund 68.000 Euro. Doch sind auch diese Angebote schwer untereinander vergleichbar, da sie unterschiedlich konzeptioniert sind und von verschiedenen Strompreisentwicklungen ausgehen. Den Berechnungen lag jeweils eine Gesamtlaufzeit von 20 Jahren zugrunde.

Wirtschaftlichkeit derzeit nicht zu ermitteln

Nach längerer Diskussion mit Sitzungsunterbrechung empfehlen die Ausschussmitglieder der Gemeindevertretersitzung, den Beschluss zur Photovoltaikanlage aufzuheben, da die Wirtschaftlichkeit derzeit nicht zu ermitteln ist. Die Dachsanierung solle man entsprechend dem Beschluss realisieren, jedoch ohne die Anlage.

Dennoch solle der Gemeindevorstand beauftragt werden, die Dachfläche an einen Anlagen-Betreiber (so noch einer zu finden sei) zu verpachten, doch nur, wenn dadurch der Gemeinde keinerlei Kosten entstünden.

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Am 4. Juni wird der Tagesordnungspunkt die Gemeindevertreter beschäftigen. Beschlusslage ist, die Suche nach einem privaten Investor bis zum 30. Juni abzuschließen. Ist bis dahin keiner gefunden, wollte die Gemeinde die Anlage selbst bauen lassen. Doch dieser Plan ist nach heutiger Sachlage wohl ebenfalls stark ins Wanken gekommen. Die Mittel, die zum Bau in Gemeinderegie benötigt würden, müssten nicht nur von einem parlamentarischen Gremium, sondern auch vom Regierungspräsidium genehmigt werden, da Münster dem Haushaltskonsilidierungskonzept unterliegt. Hierzu auch Angemerkt

Quelle: op-online.de

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