Zum Jubeltag kämpferisch

+
Der Männerchor des Arbeitergesangverein Eintracht stimmte auf den Parteigeburtstag ein.

Münster - In diesen Tagen geht es für die SPD mal nicht primär um Umfragewerte oder Sachpolitik. Die Genossen dürfen feiern, und zwar ein ganz großes Jubiläum: Die Sozialdemokratie in Deutschland wird 150 Jahre und macht die SPD damit zur ältesten Partei im Land und in Europa. Von Michael Just

Am 23. Mai 1863 gründete sich in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein. Im Sitzungssaal des Rathauses in Münster erinnerte am Donnerstagabend der Ortsverein in einer Feierstunde an die Geburtsstunde.

Der Männerchor des Arbeitergesangverein Eintracht erhob seine Stimmen. Dazu warf Kabarettistin Marlene Schwarz, alias Herta Wacker, mit ihrem gutgläubigen und dennoch kritischen Gemüt einen Blick auf die Politik in Deutschland. Sie hatte auch ein paar gute Ratschläge parat, wie es mit der SPD wieder bergauf gehen könnte. Die Festrede hielt Uta Zapf, die seit 23 Jahren Mitglied im deutschen Bundestags den Wahlkreis Offenbach vertritt. Die erste Beigeordnete Rosemarie Lück überbrachte die Grüße des Kreises.

Der Männerchor des Arbeitergesangverein Eintracht stimmte auf den Parteigeburtstag ein.

„Einer Tradition treu zu sein, bedeutet der Flamme treu zu sein und nicht der Asche“, sagte der Münsterer SPD-Vorsitzende Gerald Frank. So habe seine Partei in 15 Jahrzehnten Geschichte geschrieben – sei aber noch lange nicht selbst Geschichte. „Das kann es noch nicht gewesen sein. Da muss und wird noch einiges folgen“, prophezeite er für die Zukunft und führte damit unfreiwillig die Ära Merkel und Blank vor Augen, die sowohl bundesweit und lokal die Genossen in die Opposition verbannt haben.

Um da wieder rauszukommen, verwunderte es nicht, dass Frank sich nicht nur an dem Mythos 150 Jahre SPD abarbeitete, sondern auch jene aktuellen Themen im Bund anführte, bei denen die SPD mehr für die Bürger „herausholt“. Laut Vorsitzendem spiele die politische Musik vor allem in den Gemeinden als kleinster Einheit einer Partei. Ein dickes Lob ging deshalb an Elke Müller, Edmund Galli sowie Angelika und Gerhard Dahms, „die seit Jahrzehnten der SPD in Münster ein Gesicht geben“, sagte Frank.

Danach gab er das Staffelholz an Uta Zapf weiter. Das Bundestagsmitglied schlug einen großen Bogen von den Anfängen ihrer Partei bis zur Gegenwart. Dabei erinnerte sie an Willy Brandt und die Gleichberechtigung der Frau, was sie mit der Forderung nach einer Quote verband.

150 Jahre Sozialdemokratie: Geschichte der SPD

150 Jahre Sozialdemokratie: Geschichte der SPD

Etwas mehr als 50 Gäste kamen zur Feierstunde. Damit hätte die Resonanz für ein solches Jubiläum größer ausfallen können. Mit der Wahl des Sitzungssaals gaben die Münsterer Genossen dem Abend ein sehr formales Flair. Auflockernd wirkte das südländische Weinangebot eines verdienten Parteimitglieds und die Verpflichtung von Kabarettistin Herta Wacker.

Wie die Brensbacherin mit viel Dialekt kritisierte, hätte man den Rotwein aus der Hartz-IV-Versorgung genommen, den Computer aber dringelassen. Nun wisse sie von Leuten, die deswegen extra einen Computerkurs machten. Fürs Image empfahl sie der SPD, beim baldigen Obama-Besuch in Berlin diesem unbemerkt einen Zettel mit „Ich bin ein Genosse“ unterzuschieben.

„Ihr müsst euch jetzt mal anstrengen und auf den Putz hauen“, gab Wacker aus. So lasse sich aus dem Namen von Peer Steinbrück mit „peer-fekt“ oder „peer-sil“ soviel draus machen. Auch Sonderangebote, wie sie Möbelhäuser zu einem runden Geburtstag anböten, seien für die SPD eine Option. In Kindergärten könne beispielsweise „bring drei - bezahl zwei“ gelten. „Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke“ gab sie zum Schluss als Weisheit aus.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare