„Spectaculum“ studiert neues Lustspiel ein

Neun Frauen zeigen „Die Leiche im Schrank“

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Noch hängt die „Leiche“ am Schrank und ist somit sicht- und fotografierbar.

Münster - Die nur aus Frauen bestehende Theatergruppe „Spectaculum“ probt derzeit eifrig für ihr neues Stück. Zu sehen ist „Die Leiche im Schrank“ Ende November in der Kulturhalle. Von Peter Panknin

Um halb neun Uhr am Abend ist es jetzt schon relativ dunkel, ein Zeichen dafür, dass es auf den Herbst zugeht. Obwohl alle Kinder bereits schon lange aus dem evangelischen Kindergarten am Walter-Kolb-Platz abgeholt worden waren, brannte noch Licht in scheinbar allen Räumen des Hortes, die Tür war aber verschlossen. Was erwartete den späten Besucher? Das Schild an der Tür mit der Aufschrift „Die Leiche im Schrank“ verhieß zunächst mal nichts Gutes. Nach zaghaftem Klingeln kam tatsächlich jemand, um zu öffnen – es gab wohl nichts zu verbergen. Ganz im Gegenteil, man erwartete den Besucher, um etwas zu zeigen. Des Rätsels Lösung: „man“ waren acht Frauen, dem Kindergarten- und auch dem Schulalter offensichtlich entwachsen, die sich getroffen hatten, um für ihr neues Lustspiel zu proben.

Mit Lustspiel ist natürlich ein Theaterstück gemeint. Unter dem Namen „Spectaculum“ tritt diese Truppe seit vielen Jahren zur Freude der immer zahlreichen Zuschauer aus Münster und Umgebung mit einem Stück in der Kulturhalle Münster auf. Das Besondere daran: alle Rollen, auch die maskulinen, werden von Frauen übernommen. Beim neuen Lustspiel gilt es, fünf männliche und vier weibliche Personen darzustellen, also neun Schauspielerinnen werden gebraucht. Es waren aber nur acht anwesend. Doch eine Leiche im Schrank? Natürlich nicht, eine Mitspielerin war noch im Urlaub und wird bald an den Proben teilnehmen, damit bis November alles klappt, wie es soll. Bei den Sprechproben merkt man nur an den Texten, dass auch männliche Rollen zu besetzen sind. Erst später, wenn Kostüme für eine optisch unterschiedliche Erscheinung der Protagonisten sorgen, wird erkennbar, wer wen darstellt.

Worum geht es bei dem neuen Stück? So kriminell, wie der Titel „Die Leiche im Schrank“ zunächst anmutet, wird es wohl nicht werden, aber spannungsreiche Verwicklungen und heiteres Chaos sind garantiert: Johann Bloedt, Fotograf, bekommt Besuch von seiner verheirateten Geliebten Nicola. Johann wird dargestellt von Brigitte Wagner, Dorle Schreiber verkörpert die sehr nervöse Nicola, die glaubt, von ihrem Mann verfolgt zu werden. Wie im richtigen Leben gibt es auch eine Nachbarin, Simone (Uli Korb), die die traute Zweisamkeit des Paares dauernd stört. Und dann kommt Nicolas Ehemann (Petra Braun) tatsächlich. Um Nicolas Anwesenheit bei Johann harmlos erscheinen zu lassen, muss Simone dessen Ehefrau spielen. Anfangs klappt es auch, bis Arno (Birgit Osinski), Bekannter von Simone und seines Zeichens Einbrecher, in Johanns Wohnung erscheint. Damit nicht genug, es erscheint ein Ehepaar (Anneliese Kreher / Inge Fiedler) um sich fotografieren zu lassen. Mit der unerwarteten vorzeitigen Heimkehr von Simones Ehemann (Jasmina Osinski) nimmt das Chaos seinen Lauf und Johanns Nerven sind scheinbar am Ende. Da es eine Leiche zu geben scheint, kommt in dem Stück natürlich auch eine Kriminalerin vor, Oberkommissarin Gloria Heimann, die von Apollonia Korb verkörpert wird. Ganz ohne Mann geht es auch nicht, denn die Darstellerinnen haben sich das Stück nicht selbst ausgedacht, sondern Rückgriff beim Autor Walter G. Pfaus genommen.

Maskenbildner: Verwandlung mit Silikon und Perücke

Die zu Beginn des Probenbesuches gestellte Standard-Frage „Warum macht ihr immer nur Komödien?“ wurde erwartungsgemäß mit der Standard-Antwort versehen: „Weil es uns Spaß macht“. Etwas ernsthafter wurde ergänzt: „Schuster, bleib bei deinem Leisten. Dramaturgisch anspruchsvollere Stücke sind nicht unser Metier, dafür braucht es ernsthaftere Schauspieler als wir es sind. Wir lieben halt den Spaß, und deshalb mag uns auch das Publikum.“ Viel Vergnügen gab es bereits bei der Probe, als Fotograf Johann sich „berufstypisch“ zur Aufnahme aufstellte und dabei ziemlich verrenkte, um ein „gutes Bild“ zu bekommen. Die „Leiche im Schrank“ ließ sich auch nur unter viel Gelächter einigermaßen fotogen an der Schranktür ablichten.

Quelle: op-online.de

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