Teils widersprüchliche Aussagen im Prozess gegen fünf Angeklagte

Spielhallenräuber wollten das schnelle Geld

Darmstadt/Münster/Groß-Zimmern – Weil sie bei drei Überfällen insgesamt rund 6 000 Euro erbeutet haben stehen seit gestern fünf Jugendliche und junge Erwachsene wegen des Verdachts der besonders schweren räuberischen Erpressung vor dem Darmstädter Landgericht. Von Lars Herd

Bei vier der Angeklagten ist die Beteiligung unbestritten, der fünfte wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Aus Geldnot haben sich die Angeklagten aus Groß-Umstadt, Groß-Zimmern und Münster dazu entschlossen, einen Getränkemarkt in Reinheim zu überfallen. Dieser Tat folgten noch zwei weitere Überfälle auf Spielhallen in Eppertshausen und Groß-Zimmern. Der Groß-Zimmner war jedoch nur im ersten Fall im Getränkemarkt dabei, in den Spielhallen kam dafür ein Michelstädter hinzu. Dass diese vier Personen an den jeweiligen Überfällen beteiligt waren, ist unbestritten, alle haben die Tat bereits. Der Münsterer kundschaftete jeweils die Örtlichkeiten aus und wartete dann im Fluchtwagen. Die anderen bedrohten die jeweiligen Angestellten mit einem Schlagstock und einer Schreckschusswaffe, um an das Geld zu kommen.

Bei der Aufklärung des Überfalls auf den Getränkemarkt in Reinheim gestaltete sich die Sache allerdings etwas komplizierter. Die drei Beteiligten beschuldigen auch den zum Tatzeitpunkt anwesenden Kassierer des Marktes, dass dieser eingeweiht gewesen sein soll. Doch der bestreitet die Vorwürfe vehement. Der Groß-Zimmner und er kennen sich aus einem Wohnheim für Strafanfällige. Dort habe sich der Kassierer immer wieder über die Sicherheitsmängel im Getränkemarkt „ausgekotzt“, berichtet er. Und immer wieder hätten ihn Mitbewohner „zum Spaß“ angesprochen, dann würden sie ihn mal überfallen – einer davon war der Groß-Zimmerner. Da sie anschließend meist gelacht hätten, habe der Kassierer die „Spaßdrohungen“ nicht ernst genommen.

In einer von Richter Jens Aßling verlesenen Aussage des Kassierers bei der Polizei, hätten die anderen auch einmal gefragt, was er machen würde, wenn ihn jemand überfalle. Er berichtet, er hätte daraufhin gesagt, er würde natürlich das Geld aushändigen. Eine Woche vor dem Überfall sollen der Groß-Umstädter und der der Groß-Zimmner bei ihm vor dem Getränkemarkt aufgetaucht sein. Gemeinsam hätten sie geraucht und miteinander geredet. Während die beiden behaupten, sie hätten gemeinsam über die Sicherheitsmaßnahmen im Markt und den besten Zeitpunkt für den Überfall gesprochen, spricht der Ober-Ramstädter hingegen von Smalltalk.

Richter Aßling sagte, er sehe keinen Grund, ihm zu glauben. „Wieso sollten die anderen Sie in die Pfanne hauen wollen?“ Der Richter empfahl ihm indirekt, ein Geständnis abzulegen. Zwar würde er dann nicht straffrei aus dem Prozess gehen, aber eine mildere Strafe bekommen.

Nach der Mittagspause rief Aßling noch einige Zeugen auf. Unter anderem die Mitarbeiter der Spielhallen, die von ihrer traumatisierenden Erfahrungen berichteten. Eine von ihnen ist mittlerweile berufsunfähig und kann nicht mehr arbeiten gehen.

Heute wird die Verhandlung um 9 Uhr fortgesetzt. Womöglich fällt auch schon das Urteil.

Quelle: op-online.de

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