Spielzeugbörse in Münster

Aussortierte Lego-Ritter

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Was früher Matchbox Autos waren, sind heute Spiele am PC. Das zeigt sich auf einer Spielzeugbörse. „Playmobil – zeitlos“ Das Ende der Kinderzeit zeigt sich auf dem Spielzeugbasar: Diese Burg stand bei Niklas Klingsporn zum Verkauf.

Münster - Am Stand von Karin Klingsporn und ihrem Sohn Niklas fällt das viele Lego auf – und hier vor allem die Weltraumgleiter von Star Wars - Krieg der Sterne. „Das war nicht billig“, sagt die 48-Jährige und deutet auf ein Flugschiff, das einst 100 Euro gekostet hat. Von Michael Just

29 Euro soll es aus zweiter Hand auf der Börse jetzt noch bringen. Um faire Preis zu bekommen haben Mutter und Sohn extra eine Liste zusammengestellt, die den derzeitigen Wiederverkaufswert der einzelnen Sachen im Internet zeigt. Die will man den „Ein-Euro-Jägern“ unter die Nase halten. „Mit Lego spiele ich kaum noch“, sagt der 14-Jährige. Eher seien Fußball und die X-Box angesagt. Die Spielekonsole besitzen auch viele seiner Freunde: „Früher haben wir Lego zusammengespielt, jetzt sind wir zur Spielbox gewechselt“, erklärt der Schüler. Wie er zurückblickt, habe Lego aber seine Kindheitsjahre bestimmt – trotz Computerspiele, die er ebenfalls als Alternative hatte. Das war ganz im Interesse der Mutter: „Ich habe es jahrelang forciert, dass meine beiden Söhne mit Lego groß werden. Das gehört einfach zur Entwicklung“, ist sich Karin Klingsporn sicher.

Die 48-Jährige selbst hat in ihrer Kindheit den Beginn des Barbie-Zeitalters miterlebt. Genau eine Barbie und einen Ken hätte es damals aus Kostengründen für die meisten Mädchen gegeben. Das dazugehörige Haus habe man selbst gebaut. Daneben wurde im Freien Räuber und Gendarm gespielt. Die Münsterin hat ihre Kinder immer dazu angehalten, möglichst oft im Freien zu spielen. Für Computer und TV gab es Zeitbeschränkungen, für deren Einhaltung schon mal der Wecker gestellt wurde.

Renovierung der Gersprenzhalle

Zwei Jahre lang gab es keine Spielzeugbörse wegen der Renovierung der Gersprenzhalle statt. Nun konnte der evangelische Kindergarten, der die Börse im Wechsel mit den anderen Kindergärten der Gemeinde veranstaltet, zur 17. Neuauflage einladen. Mit 81 Ständen hätte die Halle durchaus noch Platz für ein weitere Tapeziertische gehabt.

Gegenüber den Klingsporns steht der 16-jährige Pascal Kreher und versucht mit Mutter und Schwester seine Auslagen an die Kundschaft zu bringen. Auf dem Tisch steht ein ganzer Karton mit Spielen für die Playstation. Sportgames wie Fifa-Fußball, NBA-Basketball oder Skispringen gibt es zu günstigen Preisen. „Die Technik geht weiter, deshalb muss man stets aktualisieren“, sagt der Schüler zum Abverkauf der einstigen Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke. Ganz früher spielte er zuerst mit Matchbox-Autos, dann waren Kartenspiele und auch Skat in den Schulpausen mit den Freunden gefragt. Mit der Schwester ging es bei Monopoly-Banking um Sieg und Ehre.

Laut Mutter Karin hält sich die Zeit ihres Sohnes vorm Computer oder an der Spielekonsole glücklicherweise in Grenzen. Eineinhalb Stunden am Tag sieht sie als vertretbar, am Wochenende darf"s etwas mehr sein. „Was ist schlimmer: TV oder Computer?“, führt die 47-Jährige eine Frage an, die sich viele Eltern heute stellen würden. Die Zeit vorm Computer sieht sie als besser, erst recht im Hinblick darauf, dass im Privatfernsehen reichlich Unsinn über die Mattscheibe flimmert. Dazu müsse der Junior jetzt ohnehin Bewerbungen für ein Praktikum schreiben.

Gummi-Twist, Romme, Mikado und Monopoly

Auch bei ihr fällt der Blick zurück, mit was sie in ihrer Kindheit gespielt hat: Gummi-Twist, Romme, Mikado und Monopoly seien die Renner gewesen. „Wir haben ganze Monopoly-Sessions gemacht. Abends musste die Mutter alles liegen lassen, dass wir am nächsten Tag weiterspielen konnten“, erzählt Kreher. Dazu habe es das „Elektro-Lotto“ gegeben, das zur damaligen Zeit faszinierende Töne von sich gab. „Jede Zeit hat ihre Spiele“, meint Kreher. Als sie aufwuchs, gehörte sie zur ersten Playmobil-Generation. Playmobil sieht sie als eine Erfindung, die wohl zeitlos bleiben wird: „Damit können Kinder ihren Alltag nachspielen und das verarbeiten, was sie erlebt haben.“ Das ist ihrer Meinung nach auf dem Rechner kaum möglich.

In ihre Jugendzeit fiel auch der Commodore C-64 und die Spiele-Klassiker Tetris und Pac-Man. Kürzlich musste sie schmunzeln, als ihr Junior mit einer Handy-App ankam, bei der es um das Erraten von Geräuschen geht. Hier war auch Pac-Man dabei, den die 47-Jährige sofort erkannte. „Woher weißt du das?“, zeigte sich der Sohnemann ob der sofortigen Antwort der Mama überrascht. Der 16-Jährige lernte kurz darauf, dass der gefräßige Nimmersatt, der von Gespenstern verfolgt wird, 1980 auf den Markt kam, in der Folge das bekannteste Video-Spiel aller Zeiten wurde und für immer in den Köpfen der damaligen Generation bleiben wird.

Quelle: op-online.de

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