Wer sponsert das Frauenhaus?

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Sozialpädagogin Ruth Waage (links) sucht dringend nach Sponsoren für das Frauenhaus im Landkreis. Vom Land gibt es keine Gelder mehr.

Münster ‐ Dass es ein Frauenhaus im Landkreis Darmstadt-Dieburg gibt, scheint auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Ist es aber doch, denn die Mittel der Initiative sind knapp. Von Jasmin Frank

Seit der „Operation sichere Zukunft“ der hessischen Landesregierung im Jahr 2003, bei der massiv im Sozialetat gestrichen wurde, gibt das Land Hessen der Einrichtung keine Gelder mehr. Zuvor war es Hauptträger gewesen. Das Frauenhaus, das vom Verein „Frauen helfen Frauen“ gegründet wurde, wird nun vom Landkreis unterstützt, ist aber sehr auf Spenden angewiesen, auch, weil der Verein noch eine Beratungsstelle für Frauen in Dieburg betreibt.

„Wir suchen dringend Sponsoren, die den Frauen helfen. Wir mussten durch die Sparmaßnahmen drei Mitarbeiterinnen entlassen und bieten nur noch 20 statt 32 Plätze im Haus an. Und die sind so gut wie immer belegt“, erzählt Diplom-Sozialpädagogin Ruth Waage. Sie betreut mit ihrer Kollegin Marion Riegel die zahlreichen Frauen, die zum Großteil mit ihren Kindern hier Unterschlupf suchen, denn häusliche Gewalt findet auch in kleinen Orten und nicht nur in der Großstadt statt.

„Wir hatten im vergangenen Jahr insgesamt fast hundert Personen hier. Die Frauen und auch ihre Kinder erleben nicht nur körperliche Aggression wie Schläge, sondern auch sexuelle Gewalt. Sie sind häufig völlig verängstigt und wissen nicht wohin. Hier finden sie erst einmal Sicherheit“, so Riegel. Die Fachfrau weiß, dass Frauen sich oft selbst keine Hilfe holen können, weil sie von ihren Männern ohne Kommunikationsmittel eingesperrt werden. Andere geben sich selbst die Schuld an ihrer misslichen Lage. „Sind die Frauen erst einmal hier, haben sie Zeit, zur Ruhe zu kommen. Wir erledigen dann erst mal alles Administrative, denn viele kommen ja aus einer akuten Krisensituation und haben keine Papiere bei sich. Dann geht es weiter mit Wohnungs- und Arbeitssuche, denn das Ziel ist ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben“, informieren die beiden Betreuerinnen.

„Ich habe gelernt, alles zu ertragen.“

Eine Frau, die den Absprung geschafft hat, ist bereit, über ihr Martyrium zu sprechen. Da sie aber noch heute vor ihrem Exmann Angst hat, will sie anonym bleiben. „Ich war vorbelastet. Mein Vater hat mich und meine beiden Brüder extrem geschlagen und misshandelt. Ich habe gelernt, alles zu ertragen“, berichtet die zierliche Frau. Sie ist attraktiv und wirkt sehr selbstbewusst, „aber“, lacht sie, „das ist alles nur Fassade. Ich bin sehr schüchtern.“

Diese äußere Hülle hat sie in zwei Ehen nicht geschützt. Zunächst wurde sie von dem einem Mann 20 Jahre lang psychisch zutiefst gedemütigt. „Damals habe ich den Absprung aber noch selbst geschafft. Ich bin raus da und habe meine Töchter mitgenommen“, erzählt sie. Dann traf sie ihren letzten Mann, der sie zunächst auf Händen trug. „Als wir dann geheiratet haben, habe ich das ganze Geld verdient und ihn und seine Familie stark unterstützt. Trotzdem waren sie immer gegen mich, haben mich bedroht, bestohlen und erniedrigt. Ich wollte da auch weg, aber wegen des vielen Stresses habe ich Krebs bekommen. Ich konnte nicht mehr arbeiten und war dann für die anderen ein Schmarotzer“, berichtet die Frau. Durch die Krankheit kam sie auch in eine Therapie. Nachdem die Familie ihres Mannes mehrfach handgreiflich geworden war, haben ihr andere Personen aus der Therapiegruppe geholfen. „Wir haben alles zusammengepackt und sind dann schnell hierher, ins Frauenhaus. Die erste Zeit habe ich wie in Watte gepackt gelebt. Aber dann habe ich mich aufgerafft und mir eine Wohnung gesucht. Nun habe ich auch meine Haustiere wieder bei mir“, berichtet sie.

Informationen über das Frauenhaus und die Beratungsstelle bekommt man auf der Internetseite des Frauenhauses. Wer helfen möchte, kann auf das Konto des Vereins Kontonummer 33032830, Bankleitzahl 50852651 bei der Sparkasse Dieburg spenden.

Stolz ist sie auch darauf, dass sie dem Frauenhaus ihren Aufenthalt bezahlen konnte, was von den Schützlingen gewünscht wird, wenn sie etwas beitragen können. „Ich habe mein Leben wieder in der Hand. Jetzt geht es mir gut“, erzählt die ehemalige Bewohnerin, die auch ihre Krebserkrankung überwunden hat. Solche Erfolgsbeispiele hätten die Mitarbeiterinnen gerne mehr. „Das Schlimmste für uns ist, wenn wir Frauen aus Platzgründen abweisen müssen. Sie können dann zwar irgendwo anders in Hessen Unterschlupf finden, aber die räumliche Nähe ist eben doch sehr wichtig. Wir brauchen einfach mehr Geld für mehr Plätze und auch für mehr Angebote für die hilfsbedürftigen Frauen und Kinder“, so Ruth Waage.

Quelle: op-online.de

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