Sport für den modernen Großvater

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Laufen unter dem Heißluftballon macht nicht nur Spaß, sondern hält auch fit. Das wissen die Herren, die regelmäßig beim Kurs „Fit für die Enkel“ des SV Münster mitmachen.

Münster ‐ Großväter wollen nicht mit Buch und Bart im Lehnstuhl sitzen und den Enkeln von früher erzählen, sie wollen mit ihnen Fußballspielen, herumtoben und viel mit ihnen unternehmen. Damit das noch möglich ist, bietet der SV Münster die Herrengymnastik „Fit für die Enkel“ an. Von Jasmin Frank

„Hier sind natürlich nicht alle schon Opas, denn wir starten ab einem Alter von 40 plus und bieten ein Programm an, das so vielseitig ist, dass die Altersspanne nach oben kein Problem darstellt“, erzählt Trainer Heinz Kropp. Der Münsterer kommt ursprünglich aus dem Kunstturnen und hatte es zu Beginn nicht immer leicht, seine Trainingsmethoden bei den passionierten Fußballern umzusetzen. „Rückentraining war früher eben nicht jedem geläufig, und dass man Sit-Ups besser mit angestellten Beinen macht, war für manchen auch ein Novum“, erinnert er sich schmunzelnd.

Doch ganz offensichtlich macht den Männern das einstündige Training viel Spaß, die Stimmung ist bestens und es wird auch gelacht. Viele sind von Anfang an mit dabei und verpassen keine der Übungsstunden. „Seitdem ich hier mitmache, habe ich viel weniger Probleme mit meiner Hüfte. Ich habe sieben Enkel und seit einem halben Jahr auch einen Urenkel, da muss ich schon zusehen, dass ich aktiv bleibe. Außerdem freue ich mich über die Geselligkeit“, meint der 76-jährige Walter Hotz, dem man sein Alter ebenso wenig anmerkt, wie seinem rüstigen Sportsfreund Heinrich Kreher, der sogar noch ein Jahr älter ist und meint: „Ich mache hier alle Übungen mit, denn sie helfen mir im Alltag. Ich merke sofort, wenn ich mal nicht hier war, gerade die Sommerferien sind schon eine lange Pause.“

Wer kann in seine Flanke atmen?

Mehr Informationen zum Programm des SV Münster sind auf der Internetseite des Vereins zu finden.

Dem Beobachter fällt sofort auf: Die Männer sind diszipliniert bei der Sache. „Ich mache meine Übungsstunden mit möglichst hoher Qualität, das führt dazu, dass der Anspruch der Teilnehmer ebenso hoch ist. Ich muss mich also stets gut vorbereiten und mir immer wieder etwas Neues einfallen lassen“, so Kropp. Die Einheiten teilen sich in drei Themenbereiche auf. So gibt es die Kategorien Reaktion und Koordination, Körperkraft und Entspannung. „Da machen wir aber keine Meditation, sondern Atemtraining, was in reiferen Jahren wirklich wichtig ist – und wer kann schon in seine Flanke atmen?“, fragt der Fachmann verschmitzt. Zudem wird jeden Monat ein bestimmter Schwerpunkt gesetzt, sei es eine Körperregion oder ein bestimmtes Thema. „Was ist nur im Team lösbar?“, lautet daher im Januar die Frage und Kropp hat dafür ein spektakuläres Trainingsgerät mitgebracht: Einen richtigen Fallschirm. Nur wenn alle mit anpacken, bleibt der große seidige Stoff in der Luft. Die Männer bekommen dabei noch kniffelige Denksportaufgaben, denn nicht jeder darf einfach so unter dem Fallschirm hindurch laufen und sich eine neuen Platz suchen. Bei „Wer wohnt westlich der Frankfurter Straße“, verlassen nur einzelne ihren Standort, doch bei „Wer hat Verwandte in Eppertshausen“, laufen so viele der Münsterer Herren los, dass kaum jemand zum Festhalten des Fallschirms stehen bleibt. Die Verbindung zur Nachbargemeinde ist also auch beim SV eng und auch der dortige Fußballverein hat den rührigen Trainer angeheuert, um müde Männer munter zu machen.

Wer in Münster dazukommen möchte, kann gern einmal zum Schnuppern auf dem SV Gelände reinschauen. Das Training wird immer mittwochabends von 19.30 bis 20.30 Uhr abgehalten.

Quelle: op-online.de

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