Studie für etwas, das so keiner will

+

Münster - „Die Machbarkeitsstudie zu einem „Sportpark Münster“, die in der jüngsten Gemeindevertretersitzung präsentiert wurde, schien zu einer Beerdigung erster Klasse zu werden“, befindet hierzu die SPD, bekennend: „Totgesagte leben bekanntlich länger“.

Sie begrüßt die Installation einer Projektgruppe und übt Kritik daran, vor der Sitzung unzureichend über die Eckdaten des Sportanlagen-Projektes informiert worden zu sein.

SVM-Vorsitzender Martin Peußer habe schnell geschaltet und unmittelbar nach der Sitzung mit allen Fraktionen ein Treffen im Vereinsheim am Mäusberg vereinbart, loben die Genossen das Verhalten des Vereinsmannes, der auch finanzpolitischer Sprecher der CDU im Gemeindeparlament ist. Nun werde sich eine Projektgruppe mit Vertretern der betroffenen Vereine und aller Fraktionen des Themas „Sportpark Münster“ noch einmal annehmen, um eine finanzierbare Konzeption zu erarbeiten. Offen bleibe die Standortfrage. „Das Neubaugebiet an der Altheimer Straße dürfte aber aus dem Rennen sein“, sagt der Fraktionsvorsitzende Gerald Frank.

Viel Ärger und Verdruss

Für viel Ärger und Verdruss quer durch alle Fraktionen und bei den Vereinen hätte gesorgt, dass die Zahlen erst mit der Parlamentssitzung verkündet wurden, erinnert Frank, der als erster das Wort ergriff, um dies zu bemängeln: „Bei solchen Dingen gehört einfach eine intensive Vorbereitung im Vorfeld dazu, um die Studie kritisch und fundiert zu hinterfragen.“ Aber auch so sei nicht zu verhehlen, dass die Erlöse einer Erschließung des Areals am Mäusberg klein gerechnet und die Kosten für ein Sportzentrum hochgerechnet worden seien.

Einige Ungereimtheiten summierten sich. So beispielsweise, dass die Erschließungskosten voll zulasten der Gemeinde gerechnet wurden, statt eine Kostenbeteiligung der Investoren zu veranschlagen. Frank sagt: „Auf der Ausgabenseite finden sich in der Studie Positionen, auf die durchaus verzichtet werden kann, wie eine Soccer-Halle oder zwei Wohnungen für Platzwarte. Diese wären sicherlich als erstes dem Rotstift zum Opfer gefallen, wenn man mit den Vereinen kommuniziert hätte, um die horrend hohe Investitionssumme auf ein realistisches Maß zu drosseln.“

Extrem überteuert gerechnetes Projekt

So aber seien insbesondere die Vertreter des SV Münster angesichts des in der Gemeindevertretersitzung präsentierten und aus ihrer Sicht extrem überteuert gerechneten Projekts kalt erwischt worden. Sie würden sich unverschuldet massiver Fragen und Kritik in der Öffentlichkeit ausgesetzt sehen, erklären die Genossen. Eigentlich habe der SVM nur einen Zuschuss für den Bau eines Kunstrasenplatzes beantragen wollen. In der Diskussion mit den Parteien habe der Verein immer betont, dass er bereit sei, den Mäusberg für eine städtebauliche Weiterentwicklung der Gemeinde aufzugeben, wenn dafür in absehbarer Zeit an anderer Stelle ein gleichwertiges Sportgelände, das die Möglichkeit zur Weiterentwicklung bietet, zur Verfügung stehe.

„Wir haben eine Machbarkeitsstudie, die sagt, dass etwas nicht machbar ist, was ohnehin keiner so wollte“, sagte Frank. Doch diese Fehlplanung hätte seines Erachtens vermieden werden können.

Erstellung der Studie

Mit Schreiben vom 31. März hatte Frank noch beim Bürgermeister angeregt, vor Erstellung der Studie die beteiligten Vereine und jeweils einen Vertreter der Fraktionen und die Projektentwickler zusammenzubringen, „damit kein wichtiger Aspekt und keine wertvolle Idee verloren geht“. Der Bürgermeister habe mit Schreiben vom 10. April dankend abgelehnt: „Der Gemeindevorstand hat sich dafür ausgesprochen, dass zum jetzigen Zeitpunkt und über das bisher mit den Vereinen und Fraktionen geführte Gespräch hinaus eine weitere Beteiligung vor den ersten Ergebnissen der Machbarkeitsstudie nicht sinnvoll ist.“

Die Praxis dürfte Frank zufolge den Rathaus-Chef widerlegt haben. „Wir hätten keine Studie über ein Wolkenkuckucksheim, sondern ein realistisches Konzept für ein Sportzentrum bekommen“, ist sich Frank sicher, „so haben wir eine Studie, deren einziger Nutzen darin besteht, dass sie dem Mäusberg eine gute Vermarktbarkeit bescheinigt. Viel Geld für wenig Erkenntnis.“

tm

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare