Mit Stoff-Koala nach Australien

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In der musikalischen Familie Müller wird auch getanzt, da darf ein Ballerina-Teddy nicht fehlen.

Münster ‐ Teddybären soweit das Auge reicht: große und kleine, wuschelige weiche und spröde kurzhaarige, blaue, weiße und braune; für jeden Geschmack ist etwas dabei. „Mich hat das Teddy-Virus infiziert“, lacht Theresia Müller, die sogar an ihrer Kette einen Teddybärenanhänger trägt. Von Jasmin Frank

Genäht hat sie schon immer gerne, ganz gleich ob Gardinen oder Fastnachtskostüme. Zu den plüschigen Tieren kam sie über eine Freundin. „Wir haben damals zusammen verschiedene Kreativkurse besucht, mal Ikebana, mal Töpfern. Als sie von Teddybären erzählte, fand ich das zunächst gar nicht so spannend, habe mich aber dann doch begeistern lassen“, erzählt sie schmunzelnd. Mittlerweile hat sie an die 400 Exemplare angefertigt, die sie auch auf der Ausstellung „Kunst zwischen der Kerb“ bereits seit zehn Jahren ausstellt.

Diese Inuit-Familie hat Theresia Müller auf einer Grönland-Kreuzfahrt genäht.

Die meisten davon zieren ihr Zuhause. „Mein Mann hat sich nie über die Bäreninvasion geärgert. Er hat einfach den nächsten Schrank angeschafft und schon ging es weiter“, lacht die Münstererin, die gemeinsam mit ihrem Mann Manfred, einem Dieburger, begeistert an der dortigen Fastnacht teilnimmt. Ihm hat sie auch viele kreative Ideen zu verdanken, spielt er doch als Musiker auf Kreuzfahrten auf und nimmt seine Frau dazu immer mit. Und die hat immer eines im Gepäck: Nadel, Faden und flauschiges Bärenfell. So entstand schon eine wunderschöne und aufwändig gearbeitet Inuit-Familie. „Es war einfach unglaublich, durch die traumhafte Kulisse Grönlands zu reisen und dabei die Inuitbären zu nähen. Allerdings war es auch viel Arbeit, denn die Schuhe und Jacken habe ich nicht separat angefertigt und dann angezogen, sondern sie sind direkt aufgenäht“, verrät die zweifache Mutter und Großmutter.

Überhaupt ist ihr die Qualität ihrer Bären sehr wichtig, sie fährt selbst auf Messen und kauft dort die Stoffe nach ihren ganz eigenen Kriterien ein: „Ich fasse sie an, streiche darüber und fühle, ob sich das Fell weich und griffig anfühlt. Dann erst schaue ich sie mir genauer an. Am liebsten verwende ich Mohair, das ist besonders weich.“ Wenn ab und an jemand bei der Hobbykünstlerin einen Bären ordert, macht sie gleich drei Exemplare, damit der Besteller eine größere Auswahl hat.

Streicheln und Sprechen

„Besonders wichtig ist das Gesicht und das entsteht nach Tageslaune. Mal schaut es ein bisschen strenger, mal ist es richtig freundlich“, verrät sie. Ein Bär schaut besonders freundlich: Ein rotblonder, gelockter Meister Petz mit einem weißen samtweichen Fleck auf der Stirn lächelt dem Betrachter entgegen. „Er ist für ein Kinderbuch gedacht, bei dem es um einen Bären geht, der Wünsche erfüllen kann, wenn man über den weißen Fleck streicht“, freut sich Müller.

Sie streichelt ihre Sammlung nicht nur, sie spricht auch gerne mal mit den Bären, schließlich hat sie auch mindestens zehn Stunden an jedem der kuscheligen Freunde gearbeitet. Dabei sind auch ganz besondere Exemplare entstanden, wie eine schmucke und grazile Teddy-Ballerina, die nicht nur der Tanzleidenschaft ihres Sohnes Michael gewidmet war, sondern auch dem Ausstellungsthema der letztjährigen „Kunst zwischen der Kerb“: dem Fünf-Uhr-Tanztee.

Als nächstes Sonderstück soll ein Koalabär entstehen, denn einen Kontinent hat die reisefreudige Künstlerin noch nicht gesehen: Australien. „Das ist schon noch ein Traum von mir, nach Australien zu fahren und dort einen kleinen Koala zu nähen und ihm einen Eukalyptusbusch zu zeigen“, lacht Müller. Doch bevor es in die weite Ferne geht, hat sie schon mal ein Probeexemplar angefertigt, damit unterwegs auch wirklich alle Nähte sitzen.

Quelle: op-online.de

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