Storchenfest

Viele Löcher fürs Getier gebohrt

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Nabu-Ortsgruppe informiert auf seinem traditionellen Storchenfest über lokalen Naturschutz und lehrt den Nistkastenbau. So werden Nisthilfen gebaut – Praktisch ging’s beim Nabu-Storchenfest zu.

Münster - Vier Storchenpaare brüten vor den Toren der Gemeinde: Drei an der Gersprenz, eines im Schutzgebiet „Auf dem Sand“. Sie sind der ganze Stolz des Naturschutzbundes Münster, dessen wichtigstes Fest so zurecht den Adebar im Namen trägt. Von Michael Just 

Nun war die Bevölkerung zur jüngsten Auflage des Storchenfestes ins Gersprenzstadion eingeladen. Vor den Anlagen wurden Festzeltgarnituren und eine Grillstation platziert, dazu wartete eine Verkaufsecke für Nisthilfen, wo die quaderförmigen Steinkauzröhren ins Auge sprangen. Informativ zeigte ein Stand, was der Müll derzeit in den Weltmeeren anrichtet. Eine Spiel- und Bastelecke für Kinder sowie eine Zuckerwatte-Maschine fehlten ebenfalls nicht, denn die Naturfüchse sind eine gewichtige Säule des Vereins. Nach 2013 fand das Fest zum zweiten Mal im Gersprenzstadion statt. Davor wurde im Werlacher Weg gefeiert. Der neue Platz zeigt sich für die Veranstaltung als prädestiniert: Einem Zufluchtsort gleich liegt er im Grünen, jeglicher Lärm ist fern. Sonnenschein sorgte für beachtliche Besucherzahlen: Den ganzen Tag strömten die Menschen, so dass Vorsitzender Dieter Günther noch Brötchen holen musste. Nahezu jeder kam umweltbewusst mit dem Radel, wovon eine beeindruckende Drahteselreihe von fast 100 Metern zeugte.

300 Mitglieder gehören zum Nabu Münster, 15 davon sind echte Aktivposten. „Die Pflege der Schutzgebiete ist derzeit unsere Hauptaufgabe“, berichtet zweiter Vorsitzender Matthias Kisling, der federführend mithalf, den „Münsterer Urwald am Erlenbach“ zu schaffen. Beim Nachwuchs blickt Leiterin Hildegard Jakob derzeit auf ein Dutzend Schüler, die regelmäßig die Gruppenstunden wahrnehmen. Zu ihnen gehört die achtjährige Michelle. „Ich bin gerne in der Natur“, sagt sie. Besonders spannend fand sie kürzlich das Beobachten von Libellenlarven im Wasser. Hildegard Jakob gilt als Mutter der Naturfüchse. Für das Fest organisierte sie eine kleine Rallye, auf der das Naturwissen gefestigt werden sollte. Jakob muss erfahren, dass Kinder im Verein nicht mehr leicht bei der Stange zu halten sind.

Nicht jedes Holz eignet sich für ein Insektenhotel

Trotz ihres Engagement stand sie plötzlich fast alleine da. „Dann kam zum Glück wieder ein Schub neuer Kinder. Dabei hat uns das letzte Storchenfest und eine Aktion mit der Bücherei geholfen“, erzählt sie. Mit ihrem Lebensgefährten Rudi Heckwolf zählt sie zu den Engagierten im Verein. Der 73-Jährige bastelt Nistkästen oder Insektenhotels und verkauft sie für die Vereinskasse. Wie er erzählt, lassen sich nicht alle Holzarten für Insektenhotels verwenden: „Es darf kein Holz sein, das harzt. Sonst bleiben die Insekten kleben.“ Bei seiner Arbeit ist Ausdauer gefragt: So hat eine Holzplatte fast 500 Löcher für die kleinen Krabbler, wofür lange gebohrt werden muss.

Mit dem Akkuschrauber in der Hand durften sich die Kinder beim Fest am Bau von Nisthilfen versuchen. Derweil erläuterte zweiter Vorsitzender Matthias Kisling, warum der Weißstorch ein Sympathieträger ist: „Das Aussehen trägt dazu bei, außerdem gehört er schon immer zu den bedrohten Arten.“ Über Meister Adebar lassen sich in Münster viele Geschichten erzählen. Lange Zeit gehörte er zum Ortsbild, bis er nach dem Krieg verschwand. In der Folge klaffte eine Lücke von fast 50 Jahren. Dann kam der große Vogel mit roten Beinen und klapperndem Schnabel wieder zurück. Das war 2000.

Quelle: op-online.de

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