Hessen-Forst erwirbt von der Gemeinde Münster eine Fläche westlich der „Muna“

Streit um 62 Hektar Wald

Münster - Der Verkauf von Gemeindewald an Hessen-Forst beschäftigte die Gemüter der Gemeindevertretung zum Jahresende. Das betreffende Areal liegt zwischen Messel und Münster und grenzt an das ehemalige Muna-Areal an.

„Bürgermeister, SPD und Alma verkaufen das Vermögen der Gemeinde – und das auch noch ohne Sinn und Verstand.“ Heftige Worte, mit denen der CDU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schrod seine Rede gegen den Verkauf von 62 Hektar Gemeindewald an den Landesbetrieb HessenForst überschrieben hat. Letztlich wurde die CDU allerdings von der „Regierungskoalition“ aus SPD und Alma überstimmt – wohl auch deshalb weil die 700.000 Euro Verkaufserlös in Münster dringend für unabweisbare Infrastrukturprojekte gebraucht werden. Schrod machte ein Rechenbeispiel auf, nach dem in den kommenden 60 Jahren – Forstleute jedenfalls denken in solchen Zeiträumen – der so genannte „Barwert“ aus Aufwendungen und Erträgen für dieses relativ entlegene Waldstück positiv ist. Hessen-Forst verfolge mit dem Ankauf wirtschaftliche Interessen, und die Gemeinde habe das Nachsehen.

Das Waldstück unweit des ehemaligen Munitionsdepots sei zudem in der jüngeren Vergangenheit aufwändig entmunitioniert worden und verdiene jetzt eine weitere Aufwertung für Naturschutz und Naherholung. Statt dessen werde es kurzfristigen finanziellen Interessen geopfert, die aus der verfehlten Haushaltspolitik des SPD-Bürgermeisters Gerald Frank resultierten. Einer der Zuschauer verfolgte diese Ausführungen sehr genau – und gelegentlich auch mit konsterniertem Gesichtsausdruck. Helmut Seitel, Direktor des für dieses Waldstück zuständigen Forstamts Dieburg, hat es wohl weh getan, dass dem Landesbetrieb reine Profitinteressen jenseits des Naturschutzes unterstellt wurden. Gerade die Forstleute sind ja seit Jahrhunderten Gralshüter der Nachhaltigkeit, deren Grundgedanke in der Forstwirtschaft besonders deutlich nachzuvollziehen ist: Schlage nicht mehr Holz als nachwächst.

Was also genau will HessenForst mit diesem Waldstück, einem Stück Altheimer Wald unweit der Grube Messel? „Nix“, lautet Seitels ein wenig auf Verblüffung abzielende Antwort im Gespräch mit der Presse. „Nix“ bedeutet erst einmal, dass sich grundsätzlich in der Pflege und Bewirtschaftung dieser 62 Hektar nichts ändert, weil die Fläche auch bisher schon durch Hessen-Forst beförstert worden ist. Und der große Reibach sei dort auch nicht zu machen, auf den tonig-sandigen Böden, die an vielen Stellen auch noch sehr feucht seien. Der vorhandene Fichtenbestand sei eine Fehlbestockung und langfristig nicht zu halten, die Gegend sei eher ein Standort für Buchen und Eichen. Eigentlich komme das Land Hessen der Gemeinde mit dem Ankauf entgegen, zumal aus dem ursprünglichen Angebot von einem Euro pro Quadratmeter durch die Einschaltung eines Gutachters 1,13 Euro geworden sind.

Pflanzen und Tiere: Aus dem Wald in die eigene Küche

Richtig sei, dass 3,2 Hektar in dieser Gegend – zum Teil das fragliche Waldstück – gerade entmunitioniert worden sind. Dabei habe man sage und schreibe 21 Tonnen Munition und Geschossteile geborgen, 18.000 Geschosse, zum Teil Panzergranaten, 5 000 Zünder, sogar Minen. Die Entmunitionierung um das ehemalige Waffenlager Muna sei inzwischen zu 96 Prozent abgeschlossen. An den aktuellen Funden sei aber auch abzulesen, wie viele Metallsplitter in den Altholzbeständen stecken, was eine forstwirtschaftliche Verwertung weitgehend ausschließt, weil kein Forstarbeiter da die Kettensäge in Anschlag bringt.

Dem Land Hessen gehe es grundsätzlich eher darum, den Waldbestand in Landesbesitz konstant zu halten. Durch Siedlungsentwicklung sowie Straßenbau gehe ja jedes Jahr etwas verloren. Das Geschäft mit der Gemeinde Münster reihe sich ein in ähnliche Transaktionen mit den Städten Babenhausen und Reinheim sowie der Gemeinde Groß-Zimmern. Und mit der Gemeinde Münster habe es Gespräche über das nun veräußerte Waldstück bereits zu einer Zeit gegeben, in der Gerald Frank noch gar nicht Bürgermeister war. (sr)

Quelle: op-online.de

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