Striptease im Schuhkarton

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Zum Schmuselied „Je t‘aime... moi non plus“ legt Muttersöhnchen Wolfi (Dorle Schreiber, links) für seine Angebetete Jule (Christiane Otten, rechts) einen Striptease hin. Mutter Klara Kleinschmid (Anneliese Kreher, Mitte) ist entsetzt.

Münster ‐ „Das ist das lustigste Stück, das wir bis jetzt gespielt haben“, findet Christiane Otten von der Münsterer Theatergruppe „Spectaculum“.  Von Ellen Jöckel

„Wir mussten sogar noch am Ende der halbjährigen Probenzeit immer wieder herzlich lachen.“ Gut gelaunt und vollkommen ruhig steht sie während der Pause der Premiere des Dreiakters „Alles nach Plan“ von Erich Koch am Freitagabend im Make-up-Raum hinter der Bühne der Kulturhalle. Sie war schon dabei, als die Laienschauspielgruppe vor 15 Jahren gegründet wurde und ist neben der Schauspielerei auch für die Maskerade verantwortlich.

Bei der 13. Aufführung der rein weiblichen Truppe ist bei den Darstellerinnen gelassene Routine eingekehrt. Fröhlich plaudernd warten sie hinter der Bühne auf ihren nächsten Einsatz. Auch im zweiten und dritten Akt geht es wieder richtig zur Sache: Bei einem zweistündigen Stück mit sieben Rollen ist jede Person permanent im Einsatz. Wie jedes Jahr schlüpfen die Frauen auch in Männerrollen. „Die Besetzung hat dieses Mal perfekt gepasst“, meint Christiane Otten, die Jule, eine ständig verliebte Ex-Arbeitskollegin des pensionierten Polizeibeamten Erich Kleinschmid verkörpert.

Ländliches Stück

Bestätigt bekommt sie ihre Einschätzung vom begeisterten Publikum, welches das skurril überzeichnete Geschehen auf der Bühne mit viel Zwischenapplaus und lauten Lachern kommentiert. „Das Stück ist sehr ländlich. Es passt richtig gut nach Münster! Mir gefällt‘s“, sagt Irmgard Lenz aus Münster in der Pause. Sie und ihr Gatte Heinz-Kurt besuchen bereits seit einigen Jahren die Aufführungen der Theatergruppe „Spectaculum“. „Mir gefällt Anneliese Kreher in der Rolle der Klara besonders gut. Sie kommt sehr authentisch rüber“, meint Gisa Enders aus Dieburg.

Anneliese Kreher spricht alle Rollen, die sie spielt, in Münsterer Mundart und hat in „Alles nach Plan“ den Part der treuherzig-dämlichen Klara Kleinschmid übernommen. „In diesem Haus darf nichts passieren, was vorher nicht geplant war“, sagt Klara zur geschwätzigen Nachbarin Frau Nebelhorn (Inge Fiedler) und schiebt ihr zwei Schuhkartons hin, in die alle Gäste des Hauses Kleinschmid auf Anweisung ihres Gatten Erich einzusteigen haben.

Kleinkariertes Pantoffelregiment

So bleibt der Boden länger sauber und Klara kann sich, so die Idee ihres Mannes, ausgiebiger der Bügelwäsche widmen. Erich Kleinschmids kleinkariertes Pantoffelregiment gerät völlig aus den Fugen, nachdem er bei seiner Pensionierung etwas zu tief ins Schnapsglas geschaut hat. Brigitte Wagner verkörpert überzeugend den spießbürgerlich-derben Erich, der ebenfalls breitestes Minsderer Platt schwätzt. Selbst sein Sohn Wolfi, der bis jetzt noch den Rockzipfel seiner Mutter fest umklammert hatte, bekommt angeregt durch Jule Frühlingsgefühle.

 Zum Song „Je t‘aime... moi non plus“ legt Wolfi, dargestellt von Dorle Schreiber, einen zum Schießen komischen Striptease hin, bei dem er sogar die langen Baumwollunterhosen fallen lässt. Seine Schwester Mona (Ulrike Korb) ist dagegen viel offener für Liebschaften aller Art und kann ebenfalls den Reizen Jules nicht widerstehen.

Die wohl aktionsreichste Rolle hat Andrea Kreher übernommen: Als Gelegenheitsschauspieler und „Saufbruder“ Jupp Koslowsky ist ihr nach einem Banküberfall die Polizei auf den Fersen. Später stellt sich heraus, dass Koslowskys Zwillingsbruder der Übeltäter war. Aber auch den anderen Darstellerinnen wird bei der Komödie viel abverlangt: Klara muss zur Strafe Liegestützen machen, weil sie den Haushaltszeitplan hinterherhinkt, Frau Nebelhorn bekommt eine heftige Ohrfeige ab, Erich und Klara müssen einen Schlag mit dem Hammer einstecken.

Am Ende hat sich der Einsatz gelohnt: Das Publikum bedankt sich bei den Schauspielerinnen sowie den Souff-leusen Gabi Preußer und Jasmin Weber mit minutenlangem Beifall.

Quelle: op-online.de

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