Schule wird zur „sturmfreien Bude“

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Vom Winde verweht: Nicole Haus und Lisanne Mehlhorn eilten geschwind aus der Aue-Schule - die lästige Französisch-Arbeit erst mal hinter sich lassend.

Münster/Eppertshausen - Wohl den Schulleitungen, deren Sekretariate besetzt waren und deren Mitarbeiter in die Mails schauten. Denn über eine solche elektronische Post kam gestern vormittag um 9.33 Uhr das „Unwetter“ zunächst eher unscheinbar in die Schulen des Kreises geflattert. Von Thomas Meier

In der Betreffzeile kündigte sich jedoch das windige Unheil schon an: „Vorzeitige Beendigung des Unterrichts aufgrund der Wetterlage“, hieß es da, und weiter: „. . . aufgrund der aktuellen Sturmwarnung für den frühen Nachmittag bitte ich Sie, den Unterricht am heutigen Tag bis spätestens um 11 Uhr zu beenden. “ Das Staatliche Schulamt hatte gesprochen, die Ruhe vor dem noch nirgends zu spürenden Sturm vorbei. Das große Organisieren hatte begonnen.  Die Telefone liefen heiß, denn so einfach können schutzbefohlene Kinder nicht nach Hause entlassen werden.

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An Münsters Schule auf der Aue lief alles generalstabsmäßig ab, berichtete Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt. Sie informierte die Lehrerschaft, die organisierten in den Klassen 5 bis 7 Betreuungsteams. Das heißt, diejenigen Schüler, die nicht allein nach Hause gehen konnten, weil ihre Eltern nicht da waren oder aus sonstigen Gründen, schlossen sich Klassenkameraden an. Niemand blieb alleine, das war ganz wichtig. „Für die Achtklässler und aufwärts brauchten wir uns keine Gedanken machen, die können sich schon allein organisieren“, weiß die Schulleiterin.

Ein viel größeres Problem wurde dank des Einsatzes vom Busunternehmen Winzenhöhler auch schnell bewältigt: Der Transport der weiter entfernt von der kooperativen Gesamtschule wohnenden Schüler. „Schnell, unbürokratisch, sehr pünktlich - da hat alles geklappt wie am Schnürchen. Das lief super“, so die Direktorin.

Doch was für die großen Schüler nur ein kleines Problem darstellen sollte, wuchs sich für die Betreuer kleiner Schüler schnell aus. Denn hier kann man nicht auf Selbstorganisation bauen. Vor allem, wenn man eine ganz besondere Schulform ist wie die Mira-Lobe-Schule in Eppertshausen. In diese Sprachheilschule kommen Kinder mit Förderbedarf aus dem östlichen Landkreis. Allein fünf Buslinien galt es hier innerhalb nicht einmal eineinhalb Stunden zu organisieren, um die 115 Schüler vor dem angekündigten großen Sturm wohlbehütet heim zu geleiten.

„Fast so gut wie hitzefrei“

Auch Schulleiterin Jutta Meier ist voll des Lobes über das Busunternehmen, in diesem Falle Jungermann. Seine Fahrer sowie zwei Taxi-Zubringer sorgten schnell und unbürokratisch für den Sondertransfer. Allerdings: „Ohne den unermüdlichen Einsatz unserer Sekretärin und aller Lehrerinnen, die mit ihren Privathandys die Eltern oder Angehörige vom Notstand informierten, hätten wir das blitzschnell auftretende Problem nicht stemmen können.“

Nicht nur diese beiden Schulen bewältigten diesen vormittäglichen, vom Staatlichen Schulamt vorsorglich inszenierten „Sturm im Wasserglas“.

„Der Landkreis Darmstadt-Dieburg hat als Schulträger umgehend nach Eingang der Weisung aus dem Schulamt Kontakt mit dem Nahverkehrsverband Dadina aufgenommen, um den Schülertransport kurzfristig und flexibel zu organisieren“, hieß es aus dem Pressebüro des Kreises. Es sei nur vereinzelt zu Beschwerden gekommen. Und: „Im Rahmen dessen, was uns so kurzfristig an Organisation möglich ist, haben wir das im Griff.“

Und weil eben vor allem die Schulen alles im Griff hatten, kam die zweite elektronische Post betreffs „Unterrichtsende wegen des Sturms“ meist zu spät: „Aufgrund der verlässlichen Unterrichtszeiten im Grundschulbereich liegt die Entscheidung über die Beendigung des Unterrichts bei der Schulleiterin/beim Schulleiter“, heißt es um 10.32 Uhr, also 28 Minuten vor dem angeordneten Schulschluss. Als schon die gesamte Maschinerie auf Hochtouren lief, kam die Einlassung, es sei „abzuwägen, die Schüler dem geringsten Gefährdungspotenzial auszusetzen“. Dabei sei die aktuelle Sturmwarnung des Deutschen Wetterdienstes, beginnend ab 13.30 Uhr, der Heimweg der Schüler sowie die Möglichkeit der Betreuung durch die Erziehungsberechtigten zu berücksichtigen, hieß es aus dem Staatlichen Schulamt. Zu einem Zeitpunkt, da die Masse der Schüler bereits auf den Heimweg gebracht worden war.

Und die meisten der frühzeitig aus der Schule entlassenen Pennäler freute dies auch: „Fast so gut wie ein Hitzefrei. Nur ein bisschen verregnet eben“, sagten etwa Lisanne und Nicole, Zehntklässlerinnen der Aue-Schule, die so nochmal um ihre Französisch-Arbeit kamen.

Quelle: op-online.de

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