Wo Teig kneten richtig Spaß bringt

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So eine echte Bäckerei ist doch bei der Plätzchenproduktion etwas ganz anderes als eine Küche...

Münster-Altheim - „Mmh, hier riecht es aber gut!“ Der Duft von frischgebackenem Brot zog in die kleinen Näschen von 20 Kindern der Krokodilgruppe aus dem Evangelischen Kindergarten Altheim, als diese erwartungsvoll die Bäckerei Giegerich in Münster stürmten. Von Ellen Jöckel

Plätzchenbacken in einer richtigen Bäckerei: Das ist schon etwas anderes als zuhause in der Küche.

In der Backstube hatte Bäckermeister Joachim Giegerich mit Sohn Jörg noch einige Laibe aus dem glühenden Ofen gezogen, um sich nun voll und ganz den kleinen Weihnachtsbäckern widmen zu können. „Wir haben uns auf den Besuch eingestellt und schon vorgebacken“, verrät Joachim Giegerich, während er die Zutaten für den Gewürzmürbeteig in eine riesige Rührschüssel gibt. Während Sohn Jörg das Rühren der Maschine überlässt, dürfen die kleinen Naseweise tief in die Schüssel blicken und raten, was alles in den Plätzchenteig hineingehört.

„Zucker“, kommt es prompt. Aber auch die anderen Zutaten sind zumindest den Größeren unter den Kindergartenkindern bekannt. Kein Wunder, haben doch die meisten nach eigener Bekundung bereits zuhause fleißig Adventsgebäck produziert.

Auf einer langen Arbeitsfläche rollen die beiden Bäcker professionell in gleicher Dicke den 5,5 Kilogramm schweren Teig aus. Wie es sich gehört, werden noch schnell weiße Kappen an alle kleinen Bäcker verteilt. „Jetzt sind wir richtige Bäcker“, schwärmt die fünfjährige Alina-Ruth. Dann kann es losgehen: Fleißig wie die Wichtelmännchen stechen die Knirpse Herzen, Engel, Tannenbäume und Sterne aus, pinseln satt das Eigelb darauf und streuen nicht zu knapp leckere Schokostreusel und bunte Zuckerperlen auf die Kekse.

Dass einiges daneben geht, stört wenig, auch nicht, dass die Kleidung bald so weißgestäubt ist, wie die Schürzen der Bäckermeister.

„Alles Handarbeit"

Schon bald werden die ersten gefüllten Bleche in den heißen Ofen geschoben. Während ein himmlisch süßer Duft durch die Backstube zieht, schauen die kleinen Plätzchenbäcker staunend dabei zu, wie Jörg Giegerich mit der großen Ausrollmaschine den Teig für die Nougat- und Schokohörnchen vorbereitet.

„Wir arbeiten noch wie früher. Hier hat sich nicht viel verändert, nachdem ich den Betrieb von meinem Vater übernommen habe“, erzählt Bäcker Giegerich senior. Der Betrieb, der bereits seit 1908 existiert, sei neben einer anderen die einzige Bäckerei in Münster, in der noch selbst gebacken werde. Auch sie bekämen den Druck der Konkurrenz zu spüren, die industriell hergestellte Backwaren in den großen Märkten vertreiben. „Zu uns kommen die Leute aber aus dem gesamten Umkreis, weil sie keine Nullachtfünfzehn-Ware haben möchten“, betont Giegerich. In ihrer Bäckerei werde der Sauerteig immer wieder neu von Hand angesetzt. Besonders beliebt sei ihr Bauernbrot, das es immer dienstags und freitags zu erstehen gebe. „Das Rezept ist geheim“, meint der Meister augenzwinkernd.

Besonders das Weihnachtsgebäck verlangt den beiden Bäckersleuten viel Mühe und Arbeit ab. „Das ist alles Handarbeit“, versichert Giegerich.

Bereits vor vier Jahren besuchte die Krokodilgruppe die Bäckerei. Mit von der Partie war damals schon Erzieherin Ulrike Kneisel, die sich aufs Neue begeistert: Die Kinder bekämen einen Einblick ins Bäckerhandwerk und trainierten ihre Handfertigkeit: „Beim Kneten, Pinseln und Streuen wird die Feinmotorik geschult. Außerdem bekommen die Kinder den gesamten Prozess des Backens mit. Sie sehen, was man braucht, um einen Teig herzustellen und wie er verarbeitet werden muss. Heute gibt es ja den fertigen Teig aus dem Supermarkt. Da geht solches Wissen schnell verloren“, gibt die Pädagogin zu bedenken.

Nach dem erlebnisreichen Vormittag durften die kleinen Weihnachtsbäcker freilich ihre zuckersüße Handarbeit mit in den Kindergarten nehmen.

Quelle: op-online.de

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