Auf Teppichen unterwegs mit den Kunst-Nomaden

Erst leckeres Essen aus Persien, dann Iran-Bericht

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Eine lange Schlange bildete sich am Buffet, jeder wollte von den Köstlichkeiten probieren.

Altheim - Über das „Global Nomadic Art Project Iran“ berichtete der in Altheim lebende Holzbildhauer Roger Rigorth, der mit acht weiteren renommierten Künstlern im Dezember das Land bereiste und das Projekt näher kennenlernte. Von Peter Panknin 

In diesem Jahr wird es auch in Deutschland Einzug halten. Der Veranstaltungsbeginn war für 18 Uhr angesagt, Thema war der Bericht eines in Altheim lebenden Künstlers über eine Reise in den Iran. Wer da nun glaubte, gegen 20 Uhr wäre alles vorbei, hat die Intuitionen der Mitglieder des ARThauses unterschätzt.

Zahlreich waren Gäste erschienen, und auch weit nach 18 Uhr kamen immer noch einige. Nur wenige zog es gleich in den Vortragsraum ins Obergeschoss des alten Rathauses, die meisten blieben erstmal unten. Grund dafür waren die Düfte, die sich über das Erdgeschoss erstreckten und neugierig machten.

Im Nebenzimmer dampften Töpfe vor sich hin und verbreiteten die appetitanregenden Gerüche. Emsige Frauen und Männer waren damit beschäftigt, ein Buffet herzurichten. Roger Rigorth klärte bei seiner Begrüßung auf: „Heute Abend gibt es etwas zu sehen, etwas zu hören, und es gibt was auf den Teller“.

Ein bekannter Kunstschaffender, der in Urberach lebt, hat nicht nur mit dem Bild einer alten iranischen Ortschaft zur Gestaltung des Abends beigetragen. Selbst im Iran, nach eigener Auskunft „in Persien“ geboren, hat Arastou Azar zusammen mit seinen Freunden vom Rödermarker Verein „Alle für Alle“ in mehrstündiger Arbeit typisch persische Speisen für die Gäste gekocht. Die Gerichte wurden ergänzt durch aromatischen Tee, der stilgerecht aus silbernem Samowar floss. Speis’ und Trank waren kostenfrei und erfuhren großen Zuspruch. Wer wollte. konnte eine Spende in ein Gefäß aus Messing stecken das irgendwie an Aladins Wunderlampe erinnerte.

Der ehemalige Sitzungssaal war zum Vortrag komplett mit Zuhörern gefüllt und vielen Teppichen ausgelegt. Kissen erleichterten das Sitzen auf dem Fußboden. Nur die in der letzten Reihe Sitzenden hatten Stühle, der besseren Übersicht wegen. Mit bewegenden Worten und vielen Gesten erläuterte Roger Rigorth die Zusammensetzung der internationalen Künstlergruppe und stellte die Frage, ob Künstler auch Nomaden sein können. Er beantwortete sie gleich selbst. Künstler seien wie Nomaden umherziehende Menschen, die auf der Suche nach Neuem sind.

Mit Kunst und Natur verbundene Menschen treffen sich seit 2011 jährlich irgendwo auf der Welt, um das Zusammenwirken von menschlichen und kulturell bedingten Bedürfnissen auf die jeweilige Umwelt künstlerisch darzustellen. Korea, Südaustralien und Südafrika waren bisherige Stationen der Projektreisen.

Im vergangenen Jahr waren die Kunst-Nomaden im Iran unterwegs. Während der Reise von der Küste am Persischen Golf (Qeshm Island) über Hormoz, Isfahan und Kashan Richtung Teheran wurden eintägige Workshops durchgeführt, die jeweils ein Thema für alle Teilnehmer hatten. Es durften keinerlei Hilfsmittel mitgebracht werden, nur vor Ort Vorgefundenes kam zur Anwendung.

Die gewaltigen Unterschiede zu gewohnten Lebensstandards, die krassen Gegensätze von Meer und Wüste, von hohen Temperaturen an der Küste und Kälte im Inland sowie karge Landschaften und grüne Oasen beeindruckten die teilnehmenden Künstler sehr

Schmuckstück im Kaukasus - Georgiens Hauptstadt Tiflis

Dem gelernten Holzbildhauer Rigorth waren die emotionalen Regungen anzumerken, als er über den Bau von Schiffen, die komplett aus Holz gefertigt werden, berichtete. Direkt neben der „Werft“ am Strand befand sich auch der Schiffsfriedhof, „Geburt“ und „Sterben“ nebeneinander. In seinem gekonnten Vortrag schilderte er seine Schwierigkeiten und die Herausforderungen, der er sich angesichts der vorgefundenen Natur gegenüber sah, Ideen zu bekommen und diese auch andäquat umzusetzen.

Eingestreute Fragen an die Zuhörer, kleine Anekdoten über Mitreisende und beeindruckende Fotos machten den Vortrag spannend und abwechslungsreich. Eindrücke über Musik, die selten zu hören war, kamen dabei vor, ebenso Berichte über beobachtetes Zusammenleben von Jung und Alt. Ein kurzer Film über den Reiseverlauf, aufgenommen von einem mitreisenden Kameramann, wurde zum Abschluss gezeigt. In diesem Jahr wird sich das Projektteam in Deutschland aufhalten, und es ist nicht ausgeschlossen, dass es einen Workshop der internationalen Künstlergruppe in oder um Altheim herum geben wird.

Quelle: op-online.de

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