Textilsauna treibt nur Angstschweiß

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Die neuen Sauna-Pläne der Verwaltung treiben den Münsterer Dampfbadfreunden im Hallenbad schon den Angstschweiß auf die Stirn.

Münster - Was die sogenannten Bäderstrategen in Münster den Kommunalpolitikern so alles zur Rettung des defizitären Hallenbades vorgeschlagen haben, lässt vor allem der Gruppe der Saunagänger den Angstschweiß auf die Stirn treiben - auch ohne Aufguss. Von Thomas Meier

Vor allem das von den Experten vorgeschlagene „Alleinstellungsmerkmal Textilsauna“ für Münsters Bad lässt zudem die Zornesröte in den Gesichtern der schweißtreibenden Gemeinschaft dunkler werden. „Was für ein Quatsch. Wenn die Gemeindevertreter solch einen Unsinn beschließen sollten, wird hier bald kein Mensch mehr auftauchen, anstatt die Besucherfrequenz zu erhöhen“, sagt Helmut Sturm, einer von rund 40 eifrigen Sauna-Nutzern, die sich an den drei wöchentlichen Öffnungstagen im Heißluftbad einfinden. Textilsauna ist ihnen nicht nur ein Begriff, mit dem sie wenig anfangen können, sie sehen in solch einer Einführung auch den Untergang ihrer erwärmenden Körperkultur. Ganz ohne Hitzewallung luden sie unsere Zeitung in die kleine, aber feine Saunalandschaft Münsters ein, um kühl und trocken ihre Bedenken zum Einsparvorhaben vorzubringen, das ihrer Meinung nach „nur nach hinten losgehen“ könne.

Nur acht Besucher am Tag

Zum Sachstand: Die lange Zeit privat betriebene Sauna im kommunalen Hallenbad wurde im Jahr 2010 von 1 938 Personen frequentiert, was bei 245 Öffnungstagen einem Schnitt von acht Gästen pro Tag entspricht. Diese Zahl, Grundlage für Berechnungen auch der von der Kommune eingeschalteten Unternehmerberater, wird von den Saunagängern nicht bezweifelt. Aber: „2010 war das schlechteste Jahr, Zuvor lief die Sauna besser, und jetzt ist der Besucherandrang an manchen Tagen schon fast zu viel“, sagen Dauersaunierer. Nachdem der Pächter das Handtuch geworfen habe, weil er wegen vieler baulicher Unzulänglichkeiten auf keinen grünen Zweig mehr habe kommen können, sei der Besuch rapide bergab gegangen. „Es gab Tage, da waren ich und die Aufgussmeisterin allein hier“, erinnert sich ein weiblicher Stammgast. Die Frau aus Kleestadt sagt aber auch: „Seit die Gemeinde im vergangenen September die Saunameisterin hier zu Betreuung des Betriebes von einer Fremdfirma angemietet hat, läuft der Betrieb bestens. Ständig werden es mehr Fans, die den Weg hierher finden; viele von früher, aber auch viele neue.“ Und im Kreise der badebemantelten Entrüsteten nicken viele, die schon seit vier Jahren den Saunabereich aufsuchen.

„Es ist nicht möglich, aus der Sauna eine im regionalen Markt wettbewerbsfähige Saunaanlage zu machen. Hierzu wäre eine markante Vergrößerung erforderlich, für die keine Flächen vorhanden sind.“ So erklären es Bädersanierer den Politikern. Neben einer Komplettstilllegung schlagen die Unternehmensberater deshalb verschiedene Nutzungsvarianten vor, darunter eine Textilsauna, die als „integraler Bestandteil des Bades in Badekleidung genutzt werden“ könne. Ergo: Alle Badebesucher sollen auch in den Genuss der Saunalandschaft kommen.

Klar gegen Textilsauna

Es graust dem Stammpublikum bei dem Gedanken: „Dann kommt keiner mehr von uns“, ist sich Lothar Hennecke aus Roßdorf sicher, und wieder nicken alle. Gegen einen Textilsauna-Tag in der Woche habe man ja nichts, den könne die Gemeinde ja mal probeweise einführen um zu schauen, ob dann wirklich mehr Leute zum Schwitzen kämen. Aber am Frauensauna-Montag oder den beiden Gemischtsauna-Tagen Donnerstag und Freitag solle man bitte nicht rütteln.

Aus vielen Gründen nicht: Saunieren in Kleidung sei nicht empfehlenswert. Enge Kleidung schränke die Blutzirkulation unnötig ein. Die notwendige Körperkühlung durch Schwitzen werde durch Textilien behindert, und schließlich sei das feuchtwarme Klima in der Badebekleidung ja auch ein idealer Tummelplatz und Nährboden für Bakterien.

Und außerdem: Wenn dann Krethi und Plethi aus dem Badebereich in die Sauna kämen, brächten sie in ihrer Badekleidung ja auch das Chlorwasser mit in die Saunakammer. Das verdampfende Schwimmbeckenwasser führe dann ruckzuck zu Atemwegsreizungen, so die Befürchtungen.

Und überhaupt: Dann kämen ja auch die Kinder in die Schwitzkammern und Ruheräume - mit Entspannen sei dann sicher Schluss. Die entstehende Unruhe konterkariere die Saunaidee an sich, ist sich die schwitzige Gemeinschaft sicher.

Aufgussmeistern wird wohl eingespart

Und die Befürchtungen gehen noch weiter. Wenn jeder Badebesucher als Extra-Schmankerl auch noch saunieren gehen könne, trage sich der Betrieb doch erst recht nicht mehr, denn dann würde niemand mehr die Saunagebühr entrichten. Und wenn die Gemeinde beabsichtige, die Temperaturen in einer Textilsauna zu drosseln, sie nur noch Wärmekammern anbiete, in denen nicht mal mehr ein Aufguss möglich sei („schon wegen der Verletzungsgefahr“), dann solle man das Ganze auch bitte nicht mehr Sauna nennen, denn damit habe das textilverbrämte verbleibende Etwas nichts mehr mit Sauna am Badetuche.

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Nächste erschaudern lassende Vermutung: Die Aufgussmeisterin werde wohl auch eingespart. Weil im Ausschuss schon von „mehr Reinigungskräften“ gesprochen wurde, befürchten die Stammschwitzer, künftig solle wohl die Putzfrau die Hitzestaus regeln. „Das ist alles Mist im Ansatz“, sagt ein Münsterer, der den Politikern unterstellt, nicht zu wissen, worum es im Hallenbad, insbesondere im Saunabereich geht.

Die doch sehr von den neuesten Entwicklungen betroffene Saunagemeinde sucht über unsere Zeitung die Öffentlichkeit, wird auch noch einen Brief an die Kommunalpolitiker richten und hofft auf ein Einsehen. Interessierte können sich wenden an Helmut Sturm, 06071 /38052, oder Lothar Hennecke, 0176/ 83034924.

Am kommenden Montag (30. Januar) um 19 Uhr beginnt im Rathaus die öffentliche Gemeindevertretersitzung, in der über die Zukunft des Bades entschieden werden soll.

Quelle: op-online.de

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