Rätselraten um einen Freund

+
Ein zeitgenössisches Bühnenstück zum Nachdenken brachte die Theater AG der Aue-Schule auf die Bühne.

Münster - Jan prügelt sich. Besitzt sogar eine „Knarre“. Ist Wochen lang verschollen. Kurzum: ein Mysterium. Von Ursula Friedrich

Das Geheimnis um den seltsamen Freund (gespielt von Vicky Seber) zu lüften, ist Aufgabe von Chris (alias Paul Galli/Sabine Weißgerber) und der rote Faden in der Neuinszenierung des „Aue-Theaters“.

An zwei Abenden brachte die Theater-AG der Gesamtschule ihre Inszenierung „Wer bist du nur?“ auf die Bühne der Münsterer Kulturhalle. Ein zeitgenössisches Bühnenstück zum Nachdenken, das Probleme junger Menschen, aber auch gesellschaftliche Verfehlungen bis hin zur Kriminalität vergegenwärtigt.

„Die Schüler wollten bereits vor zwei Jahren ein Stück zum Thema Freundschaft zeigen“, sagte Ina Annett Keppel, Leiterin der Theater-AG an der Schule auf der Aue, „das war ihnen eine Herzensangelegenheit.“ Nach der Inszenierung von „Romeo und Julia“ im Vorjahr, entschied sich das 14-köpfige Ensemble für die tragische Geschichte des zwölfjährigen Jan, der sich zu guter Letzt als Mädchen entpuppt. Während sich die Nebel um sein/ihr Geheimnis lüften, versagt Freund Chris als Retter. Jan ist Opfer einer Pädophilengruppe und wird ermordet.

Zusammenspiel dreier AGs

Trotz der Tragik der Inszenierung ist im Ensemble nach der Premiere Hochstimmung. „Das Aue-Theater ist einfach das beste“, schwärmt Andrew Klinker, im Stück Chris´ Vater. Ihm droht das „Aus“ im Ensemble, wenn er nach der Gesamtschulzeit auf eine weiterführende Schule wechselt. Alle Darsteller sind 14 oder 15 Jahre alt, besuchen das 7., 8. oder 9. Schuljahr. Die Karriere in darstellender Kunst können bereits die jüngsten Schüler starten. Diese Chance biete sich in der „Etüdengruppe“, so Theaterpädagogin Keppel, wo Grundlagen vermittelt werden und ein kleines bühnenreifes Stück einstudiert wird. Die „alten Hasen“ in der Theater-AG haben also eine solide Ausbildung genossen und gelernt, in völlig neue Charaktere zu schlüpfen. „Das finde ich auch so interessant, jemand ganz anderes zu sein“, meint Vicky, „im Stück spiele ich einen Jungen, der sich prügelt.“

Nicht im Rampenlicht, jedoch ebenso elementar für die Inszenierung, war die Mitwirkung weiterer Schüler. „Das hier ist das Zusammenspiel dreier AGs“, betont Ina Keppel. 21 Schüler haben in der Bühnenbild-AG für die Dekoration und entsprechende Requisiten gesorgt. Die Technik-AG, eine reine Männerdomäne, ist mit sieben Schülern Garant für Licht, Ton und Musikeffekte. Obwohl das Zusammenspiel aller drei AGs erst mit der Öffnung der Kulturhalle eine Woche zuvor in die heiße Phase ging, lief alles reibungslos. Nach zwei gelungenen Inszenierungen und vielen langen Probennachmittagen ist Euphorie im Team, das Publikum pfeift und klatscht begeistert: Der Aufwand hat sich gelohnt.

Quelle: op-online.de

Kommentare