Theater um die Eltern-Trennung

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Klappt die Geisterbeschwörung? Szene aus den Stück „Traumpaar“, das das Aue-Theater nun in der Kulturhalle aufführte.

Münster Der 15-jährige Ricky ist verzweifelt: Er bekommt die gegenseitigen Anfeindungen seiner Eltern mit, die sich trennen wollen. „Ob ich bei dir bleibe, weiß ich nicht. Ich will nicht so werden wie du, so kalt und berechnend!“, ruft er seinem Vater zu. Von Michael Just

Doch auch mit der Mutter gibt es Probleme: Die möchte ihn zukünftig allenfalls am Wochenende sehen, da er nicht in die Lebensplanungen mit ihrem neuen Partner passt. Was machen Kinder durch, wenn sich die Eltern trennen? Dieses aktuelle wie tiefgreifende Problematik thematisierte die Theater AG der Schule auf der Aue in ihrem aktuellen Stück „Traumpaar“ von Zoran Drvenkar. Am Freitag war die Premiere in der Kulturhalle, am Samstag folgte der Aufführung zweiter Teil. Ein Jahr lang hatten die zehn Jung-Schauspieler ihre Rollen gelernt, weitere 27 Schüler waren im Gesamtprojekt beteiligt, etwa in der Bühnenbild-AG oder der Theater-Technik.

„Die Geschichte war für uns interessant. Im Gegensatz zu vorherigen Produktionen haben wir sie vielfältig medial unterstützt, zum Beispiel mit einem Beamer, Musikeinspielungen oder einer Pianistin“, erzählt Lehrer Andreas von der Heyden, der das Aue-Theater 2005 mitbegründet und seitdem von Musical bis Shakespeare schon vieles einstudiert hat. Die größte Herausforderung kam diesmal auf Hauptdarsteller Marek Frank zu: Neben reichlich Text musste er das Stottern lernen, um das Leid von Ricky zu untermalen. Im Stück baute er zudem ein Liebesverhältnis zu einer weiblichen Schaufensterpuppe auf, mit der er sein Leben und seine Gefühle bespricht. Die Beziehung wird dramaturgisch dadurch gesteigert, dass ihm die Puppe (gespielt von Michelle Bornhöft) antwortet und so ein Dialoge entsteht.

Bei „Traumpaar“ wagten sich die Schüler an einen schwierigen Stoff heran, dem sämtliche Darsteller reichlich Einfühlungsvermögen entgegenbrachten. Mittels einer direkten Jugendsprache oder beim Geisterbeschwören schafften sie es, die unbeschwerte wie experimentelle Phase der Pubertät kurzweilig und sehr realitätsbezogen darzustellen und parallel die Zuschauer am Leid teilhaben zu lassen, das eine Scheidung über die Kinder als auch die Eltern bringt.

Lediglich Paul Gally als Familienvater passte nicht ganz in die Szenerie, da man ihm aufgrund seiner überaus jugendlichen Frisur die Vaterrolle optisch nur schwer abnehmen wollte. Ein dickes Lob verdiente sich Marek Frank als seelisch verletzter Ricky und Sophia da Costa Araujo als seine Schwester Natalie. Fast volljährig begegnet sie ihren Eltern auf Augenhöhe und offenbart, dass eine Scheidung von Vater und Mutter im besten Fall auch einen Reifungsprozess bei den Kindern auslösen kann. Mit der Trennung von ihrem Freund erfährt sie selbst, was es bedeutet, wenn es zwischen zwei Menschen aus ist.

Und der Schluss? Ein Zurück und damit ein Happy End gibt es für Eltern und Kinder nicht, dafür aber ein bemerkenswertes Statement über die Liebe sowie die unerwartete Botschaft, dass eine Scheidung akzeptiert werden muss und nicht automatisch verurteilt werden sollte. Laut dem Autor haben die Betroffenen – wie alle Menschen – ein Recht auf Autonomie, Individualität und Selbstbestimmung.

Quelle: op-online.de

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