Wo die Frauen echte Kerle spielen

Mit Leidenschaft und Herzblut probt derzeit die Frauen-Theatergruppe „Spectaculum“ das aktuelle Stück „Dem Himmel sei Dank“, das am 16. und 17. November in der Kulturhalle Münster aufgeführt wird. Die zwölfköpfige Laienspieltruppe besteht aus Mitgliedern aus Münster, Dieburg, Groß-Zimmern und Radheim. - Foto: Emmerich

Münster - Die Theatergruppe „Spectaculum“ aus Münster begeistert bereits seit 17 Jahren die Zuschauer mit ihren ausgewählten Bühnenstücken und ihrer großen Spielfreude. Von Martina Emmerich

Zurzeit probt die Laienschauspielgruppe ihr neues Stück „Dem Himmel sei Dank“, das am 16. und 17. November in der Kulturhalle Münster aufgeführt wird. Die zwölfköpfige Theatergruppe „Spectaculum“, die aus Mitgliedern aus Münster, Dieburg, Groß-Zimmern und Radheim besteht, hat im evangelischen Kindergarten Münster ihre Wiege.

Ursprünglich von den beiden Erzieherinnen Brigitte Wagner und Jasmin Weber sowie den beiden Müttern Inge Fiedler und Christiane Otten gegründet, um zum Sommerfest des Kindergartens ein Theaterspiel aufzuführen, hat sich mittlerweile ein festes und eingespieltes Team zusammengefunden. Jedes Jahr wird ein Stück geprobt und aufgeführt. Noch gut können sich die Begründerinnen an ihr erstes Theater erinnern: „Wir haben damals ’Der Hahn im Korb’ von Kurt Götz in der Kirche uraufgeführt“, sagt Jasmin Weber, die zusammen mit ihren Kolleginnen jedes Jahr im Internet nach geeigneten Bühnenwerken sucht. „Meistens werden dann verschiedene Exemplare bestellt. Wichtige Voraussetzung ist hierbei jedoch, dass die Theaterstücke lustig sind und zur Anzahl der Schauspieler passen.“

Eine besondere Herausforderung für „Spectaculum“ sind die Männerrollen. Denn in der Münsterer Theatergruppe gab es zunächst nur wenige und mittlerweile gar keine Männer mehr, die auf der Bühne mitwirken wollen. Dennoch können sie auf tatkräftige Hilfe bauen: „Unsere Männer und Kinder unterstützen uns gerne als Cateringteam oder Bühnenarbeiter und haben uns 16 verschiedene Bühnenelemente gebaut, die wir immer wieder einsetzen können“, berichtet Brigitte Wagner, die zusammen mit Inge Fiedler, Dorle Schreiber, Andrea Kreher und Birgit Osinski sich gekonnt und mit einem Augenzwinkern in die männlichen Bühnenparts hineinversetzt. Dabei müssen die Akteurinnen sowohl stimmlich und auch figürlich „ihren Mann stehen“, was nicht immer einfach ist. Inge Fiedler, die in dem aktuellen Stück den Messner Johannes Höll spielt und schon öfters in Männerrollen zu sehen war, übte gemeinsam mit ihrem Mann die Rolle. „Meine Kolleginnen sagten, dass ich mich zu weiblich bewegte. Also musste mein Mann mir zeigen, wie richtige Kerle sich bewegen und sich hinsetzen. Bei den Trainingsstunden haben wir uns sehr amüsiert und uns beide an das bekannte Theaterstück ,Ein Käfig voller Narren‘ erinnert gefühlt“, schmunzelt sie, während ihre Mitspielerin Dorle Schreiber wegen ihrer knabenhaften Frisur von den Besuchern oftmals für ihren Sohn gehalten wurde. Sie stört das nicht, im Gegenteil, sie amüsiert es vielmehr, dass sie ihre männlichen Rollen so authentisch spielen kann. Für den letzten Schliff sorgt dann noch Christiane Otten, die neben ihrer aktuellen Rolle als Handarbeitslehrerin Heidemarie Rosenfeld für das Schminken der Männercharaktere zuständig ist.

Proben seit den Osterferien

In dem Lustspiel „Dem Himmel sei Dank“, das Bernd Gumbold in drei Akten konzipiert hat, sind in diesem Jahr elf Schauspielerinnen auf der Bühne zu sehen. Die Hauptrolle des Pfarrers Alfons Teufel, der mit nicht gerade alltäglichen Mitteln versucht, Geld für die Kirchenrenovierung aufzutreiben, hat Brigitte Wagner übernommen. „Ich habe mich vor allem im Fernsehen mit verschiedenen Pfarrerrollen vertraut gemacht und werde in meine Figur auch eine persönliche Note hineinbringen“, erklärt die Laienschauspielerin, die bisher immer Männer gespielt hat.

Die Pfarrhaushälterin Hermine, gespielt von Anneliese Kreher, die übrigens im echten Leben Küsterin in der katholischen Kirche ist, versucht, ihren Pfarrer auf den rechten Weg zu bringen. „Mit Pfarrern kenne ich mich aus“, sagt die spielfreudige Aktrice mit einem Augenzwinkern, deren Gegenspielerin die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elfriede Engel (gespielt von Erzieherin Gaby Peußer) ist. Sie plant eine Zukunft im Kloster für ihre Nichte Uschi. Diese Rolle wird von der 20-jährigen Julia Kreher übernommen, die durch ihre Mutter Andrea mit „Spectaculum“ groß geworden ist und nun erstmals mit auf der Bühne steht.

Seit den Osterferien proben die Laienschauspielerinnen einmal in der Woche im evangelischen Kindergarten in Münster. Eine Woche vor dem Auftritt wechseln sie dann auf die Bühne in die Kulturhalle. Als Souffleuse steht den Frauen in diesem Jahr erstmals Renate Fröhlich zur Seite. Für die Zusammenstellung eines stimmigen Bühnenbildes sind alle gemeinsam zuständig. „Es wird der Wohnbereich des Pfarrers sein“, verrät Ulrike Korb, die bereits zum sechsten Mal mit „Spectaculum“ auf der Bühne steht.

Karten für „Dem Himmel sei Dank“ gibt es im Vorverkauf für sieben Euro (Abendkasse acht) in Münster im „Kaisersaal“, bei der Metzgerei Löbig und bei Schreibwaren Haus, in Dieburg in der Geschäftsstelle des Dieburger Anzeigers, Mühlgasse 3, und der Bücherinsel am Markt.

Bei der Aufführung am 16. und 17. November ab 20 Uhr in der Münsterer Kulturhalle dürfen sich die Besucher auf kurzweilige Stunden freuen und miterleben, welche Geldquellen Pfarrer Alfons Teufel und seine Mitstreiter erschließen und zu welchen Verwicklungen seine Machenschaften führen. Der Erlös der Theateraufführungen wird wie jedes Jahr einem gemeinnützigen Projekt zugute kommen. Bisher unterstützt die Gruppe unter anderen das Kreistierheim Münster. Darüber hinaus beteiligte sich die Theatergruppe „Spectaculum“ finanziell bei der Realisierung verschiedener Kindergartenprojekte.

Quelle: op-online.de

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