In China wäre das verboten

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Schon vor dem Aktionstag am Samstag wurde am Münsterer Rathausplatz die Tibetflagge gehisst. In China steht bereits deren Besitz unter Strafe.

Münster - Am Rathausplatz weht die Flagge von Tibet. Am Samstagvormittag machte ein Dutzend Menschen auf die Lage im besetzten Land aufmerksam und setzte damit ein Zeichen nicht nur gegen die Verletzung der Menschenrechte dort, sondern weltweit. Von Jens Dörr

Münster beteiligte sich erstmals am Aktionstag „Eine Flagge für Tibet“, der jährlich am 10. März stattfindet. Für die SPD-Fraktion hatte Hülya Lehr den Antrag zur Teilnahme gestellt, dem die Gemeindevertretung Ende Januar einstimmig ihren Segen gegeben hatte.

Eigentlich hätte die Flagge am Samstag offiziell durch Bürgermeister Walter Blank gehisst werden sollen. Der war am geplanten Termin allerdings verhindert. Als die Teilnehmer des bundesweiten Aktionstags – nicht nur SPD-Vertreter – zum Rathaus kamen, wehte die Flagge bereits im Wind. Sie war vorab hochgezogen worden.

Wichtiger als der Zeitpunkt der Hissung war indes die Botschaft, die die Teilnehmer der Handlung unterstrichen: Solidarität und zugleich das Erkennen von Verantwortung für die unterdrückten Völker der Welt. Die Verletzung von Menschenrechten dürfe auf keinen Fall als „Normalzustand“ angesehen werden, stellte SPD-Gemeindevertreterin Hülya Lehr heraus. Angesichts solcher grundlegender wie richtiger Aussagen wurde es zur Randnotiz, dass die Aktionistin am Abend zuvor zur Zweiten Vorsitzenden des SPD-Ortsverbands und damit zur Stellvertreterin des weiter amtierenden Vorsitzenden Gerald Frank gewählt worden war.

Kein Recht auf Selbstbestimmung

Der Aktionstag sei „keine Modeerscheinung“, stellte Lehr außerdem klar. Die seit Jahren weltweit stetig wachsende Zahl von Teilnehmern des Aktionstags „Eine Flagge für Tibet“ zeige das und verweise zugleich darauf, dass die Tibet-Frage international nach wie vor als offene Frage angesehen werde.

Chinas Beteuerungen, in Tibet stehe alles zum Besten, würden weiterhin sehr kritisch gesehen. Selbstmorde tibetischer Mönche verdeutlichten regelmäßig die Verzweiflung - das Recht auf Selbstbestimmung bleibe dem tibetischen Volk weiterhin verwehrt. Unvermindert würden die tibetische Kultur, die Religion und die nationale Identität zerstört.

Mit der kleinen Veranstaltung am Samstag, bei der auch zum Gedenken die Namen der Opfer der Zwickauer Terrorzelle verlesen wurden, stand Münster am Wochenende in einer Reihe von mehr als 1150 Städten, Gemeinden und Landkreisen in ganz Deutschland, die zum Aktionstag die Tibet-Flagge hissten. Den Tibetern selbst ist das nicht möglich - schon der Besitz der Flagge steht in China unter Strafe.

Quelle: op-online.de

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