Neue und alte Vorwürfe

Anzeigen gegen Tierheimleitung

+
Vermittlung für die Katz? Im Kreistierheim Münster soll derzeit allerdings vor allem die Hundevermittlung unter der Zucht der Leiterin Ursula Schuster leiden.

Münster - Im Sommer 2013 berichtete unsere Zeitung über eine Vielzahl an Vorwürfen gegen das Tierheim in Münster, dass ein Dutzend Kommunen des Ostkreises Darmstadt-Dieburg finanzieren. Von Jens Dörr 

Insbesondere Leiterin Ursula Schuster stand damals in der Kritik – wegen angeblich intransparentem Umgang mit Spendengeldern, rüdem Umgang mit Tieren und Mitarbeitern sowie der von ihr nebenbei auf dem Gelände betriebenen Hundezucht. Nun sind neue und alte Vorwürfe laut geworden, Staatsanwaltschaft und Veterinär-amt eingeschaltet.

Lesen Sie dazu auch: Leiterin: „Persönlicher Rachefeldzug“ Tierschützer erwägen Anzeige „Nager verfüttert statt vermittelt“ In einer Aussprache im Spätsommer, an der auch der Kreistierheim-Vorstand um die Bürgermeister Walter Blank (Münster, Vorsitzender) und Carsten Helfmann (Eppertshausen, Stellvertreter) teilnahmen, war damals noch eine Gruppe aus Tierschützern und ehemaligen Mitarbeitern von ihrem Vorschlag abgerückt, den Rücktritt Schusters aus ihrem Amt zu fordern. Der Vorstand sah seinerseits die meisten Vorwürfe als widerlegt oder nicht dramatisch an, betrachtete sie wie Schuster selbst teils auch als persönlichen Rachefeldzug unzufriedener früherer Mitarbeiter. Schuster blieb Leiterin. Nun gibt es - von damals nicht involvierten Personen - erneut Vorwürfe. Hinzu kommen die Anzeigen bei Veterinäramt und Staatsanwaltschaft.

Hundezucht statt Vermittlung?

Während die Inhalte der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt nur teilweise direkten Einfluss auf den Betrieb des Tierheims haben, ist das bei den Schreiben ans Veterinäramt vollumfänglich der Fall. So beklagt etwa die Dieburgerin Renate Diehl mit ihrem Mann Missstände: „Ich kritisiere unter anderem den schlechten Zustand vieler Hunde im Tierheim. Vor allem aber bin ich der Meinung, dass es dort zu viele Zuchthunde der Leiterin gibt – und dass die eigentliche Aufgabe, die Vermittlung der Tierheim-Hunde, stark behindert.“ Diehl half früher selbst ehrenamtlich in Münster mit und organisierte auch immer wieder Sachspenden.

In die gleiche Kerbe schlägt Andrea Frölich aus Lindenfels, die sich mit weiteren Tierfreunden aus dem Raum Münster zuletzt intensiv mit der Arbeit der temporären Herberge für Hunde, Katzen und Nager beschäftigt hat. „Unsere Gruppe besteht ausschließlich aus Leuten, die keine ehemaligen Mitarbeiter des Kreistierheims sind“, betont sie. Persönliche Reibereien im Verhältnis mit Leiterin Schuster spielten keine Rolle. Hauptproblem sei: „Die eigentlich zu vermittelnden Hunde werden von der Leiterin schlechtgemacht. Stattdessen präsentiert sie ihre selbst gezüchteten Welpen unter dem Hinweis, die seien doch viel süßer.“

Online-Petition mit 900 Unterschriften

Dergestalt lautet auch die Anklage, die Frölich in einer Online-Petition mit dem Titel „Abschaffung der Hundezucht/Hundevermehrung im Kreistierheim Münster“ formuliert hat. Die Zeichnungsfrist ist inzwischen beendet, 900 Menschen haben ihre Unterstützung kundgetan. Frölichs Forderung: „Die Zucht gehört nicht ins Tierheim - und diese Leiterin nicht in ihren Job.“ Die Zielsetzungen des Tierheims sowie der privaten Zucht Schusters seien miteinander nicht zu vereinbaren. Die immer wieder durch den Tierheim-Trägerverein und auch Schuster selbst betonte strikte Trennung zwischen beidem gebe es nicht, was Frölich neben niedergeschriebenen Zeugenaussagen auch in diversen Bildaufnahmen belegt sehen will. Zudem sei beides zeitlich nicht unter einen Hut zu bringen.

Beim Vorstand des Kreistierheims weiß man von den Anschuldigungen der Tierschützer gegenüber dem Veterinäramt und der Petition nichts. Schuster selbst habe noch am Donnerstag der Vorwoche in einer Vorstandssitzung nichts Derartiges berichtet, teilt Vorstandsmitglied Carsten Helfmann mit. Schuster selbst soll sich gemäß interner Sprachregelung nicht gegenüber der Presse äußern, einzig der Vorstand gebe zum Kreistierheim Auskunft.

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Helfmann verweist weiterhin ans Veterinäramt, das selbst nichts sagen darf. Über Kreispressesprecher Frank Horneff lässt das Amt aber mitteilen, seit Ende Januar nicht mehr vor Ort gewesen zu sein. Bislang seien auch keine Anordnungen oder Aussagen über eine mögliche Schließung getroffen worden. Das wollen mehrere Tierschützer unabhängig voneinander gehört haben. Sie wüssten zudem sicher, dass es in der Vorwoche einen Besuch des Amts in Münster gegeben habe – was dieses allerdings bestreitet.

Zu den Anzeigen mehrerer Tierfreunde beim Veterinäramt bezog das Amt keine Stellung. Es ließ sich aber unter anderem per Versand eines Zeugenfragebogens nähere Details benennen. Man werde nun abwarten, wie auf die gelieferten schriftlichen Stellungnahmen reagiert werde, teilen die Tierschützer mit. Dann erst sei der nächste Schritt absehbar.

Quelle: op-online.de

Kommentare