Münster

Tipps vom Experten für die „Schwalben“-Jagd

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„Wir wollen auf dem aktuellen Stand bleiben und Regelkenntnisse vermitteln“, erklärt Manuel Tauber.

Bis Freitagabend hatten sie Schonfrist, jetzt gehen sie wieder auf Schwalben-Jagd: die deutschen Fußball-Schiedsrichter.

Münster (jd) - Konzentrierte sich die Aufregung rund um die Unparteiischen zuletzt auf die Handball-Kollegen, die besonders bei den Spielen der deutschen Mannschaft in der Kritik standen, wurde es schon beim Auftaktspiel des Hamburger SV gegen Bayern München wieder hektisch: Ein Bayern-Tor nicht anerkannt, 1:0-Sieg für die Hamburger.

Weil die Schiedsrichter gerade in den unteren Klassen noch ungeschützter den Aggressionen von Spielern, Funktionären und auch Zuschauern ausgesetzt sind als in der Bundesliga, wollen die Männer in Schwarz durch eine gute eigene Leistung und souveränes Auftreten möglichst wenig Angriffsfläche bieten – wozu Treffen wie das beim SV etwas beitragen sollen. „Wir wollen auf dem aktuellen Stand bleiben und Regelkenntnisse vermitteln“, erklärt Manuel Tauber. Mit erst 22 Jahren ist der junge Mann aus Gundernhausen bereits Lehrwart des Fußballkreises Dieburg und derart regelfest und wortgewandt, dass er den teils doppelt oder dreimal so alten Schiedsrichter-Kollegen Vorträge über Abseits, Vorteilsanwendung oder die Ahndung von Unsportlichkeiten hält.

Am Freitagabend ist Tauber aber nur Zuhörer. Die monatliche Sitzung der Schiedsrichter aus dem Fußballkreis Dieburg macht einen Abstecher nach Münster – 100 Unparteiische sind ins Vereinsheim des SV an den Mäusberg gekommen. Zuvor tagten 30 Jungschiedsrichter unter 18 Jahren. „Unsere jüngsten sind 14 Jahre alt, auch der SV Münsterhat mit Christian Frühwein und Onur Sahin talentierten Nachwuchs zu bieten“, sagt Tauber. Wie auch der erfahrene Kreisschiedsrichter-Obmann Friedrich Keller ist der Kreislehrwart im Anschluss ganz Ohr, denn Peter Unsleber, Hessenliga-Schiedsrichter vom SV Darmstadt 98 referiert.

„Aufgabe der Schiedsrichter ist es, den Regeln Geltung zu verschaffen“, erläutert Unsleber, Regionalbeauftragter für das Lehrwesen, zu Beginn. Dass das wenig originell ist, weiß Unsleber, streicht es dennoch demonstrativ heraus. Denn in seinem anschließenden, hochinteressanten Vortrag zum Thema „Persönliche Strafen“, hält er auch das eine oder andere Gegenbeispiel parat.

„Bevor das Spiel beginnt, haben 80 Prozent der Schiedsrichter schon die erste Pflichtverwarnung versäumt“, sagt Unsleber den staunenden Schiedsrichtern. Mit „Pflichtverwarnung“ meint er die Gelbe Karte, die laut Regelwerk für das Anbringen von Markierungen im Torraum durch den Torhüter gezeigt werden muss. In der Praxis sei es allerdings unrealistisch, schon vor dem Anpfiff einen Spieler für etwas zu verwarnen, was der Schiedsrichter unter Umständen noch nicht einmal mitbekommt.

„Die Strafgewalt des Schiedsrichters beginnt mit dem Betreten des Platzes“, stellt Unsleber zudem einen Punkt heraus, der manchmal etwas unklar ist. „Werden wir in der Kabine schon bei der Passkontrolle von einem Spieler aufs Übelste beleidigt, müssen wir ihn trotzdem mitspielen lassen.“ Allerdings werde man in einem solchen Fall anschließend auf dem Spielfeld sicher besonders genau schauen, wie sich dieser Spieler verhalte, fügt Referent Unsleber augenzwinkernd hinzu.

Quelle: op-online.de

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