Tolle Tüte ausgetüftelt

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Jan Lucas Hoppe, Chemielehrerin Heike Gondolf, Philipp Huther und Christian Giebisch (von links) freuen sich über ihren zweiten Preis, den sie beim Regionalentscheid Hessen Süd bei Jugend forscht erreicht haben. Ausgetüftelt haben sie eine biologisch komplett abbaubare Einwickelfolie für Fast-Food-Produkte.

Münster ‐ Meist sind es Kleinigkeiten, die Großes reifen lassen. Im Falle der frisch gekürten Jung-Forscher Christian Giebisch, Jan Lucas Hoppe und Philipp Huther war es eine kleine Pappschachtel, die den heute 15 und 16 Jahre alten Schülern vor drei Jahren auf dem Hof ihrer Schule auf der Aue vor die Füße klatschte. Von Thomas Meier

Eklig anzusehen war sie, geronnener Käse troff vom Rand auf den Boden, ein Spritzer ausgequetschter Ketchup färbte den Asphalt rot. Doch das war es nicht allein: „Als wir uns umschauten, entdeckten wir schnell einen ganzen Berg von langlebigem Verpackungsmüll an und um unsere Schule herum. Wir liegen hier nämlich genau zwischen zwei Fast-Food-Restaurants, die von vielen Schulkameraden aufgesucht werden. Und da bleibt eine Menge an Müll bei uns hängen“, berichten die Entwickler einer biologisch komplett abbaubaren Stärkefolie als Einwickelverpackung für Hamburger und Co.

Für das Ergebnis ihrer dreijährigen Forschungsbemühungen innerhalb der Naturwissenschafts-AG ihrer Schule wurden die Tüftler jetzt beim Regionalentscheid Hessen Süd von Jugend forscht in Darmstadt mit dem zweiten Preis in der Sparte Chemie und einem Sonderpreis Umwelt ausgezeichnet. Dotiert war die Auszeichnung mit 135 Euro. Und die gedenken die mit wissenschaftlichem Lorbeer Überschütteten „eventuell in Cheeseburger“ umzusetzen.

Viel Freude bereiteten die Freizeit-Wissenschaftler freilich ihren Pädagogen, allen voran Chemielehrerin Heike Gondolf, Leiterin der schulischen naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft. Mit ihr und ihrem Vater Wolfgang Gondolf, als Chemiker einst Ausbilder bei Merck in Darmstadt tätig gewesen, suchten die Nachwuchs-Forscher nach der leicht verrottbaren Hülle fürs schnelle Bratklopse-Essen.

Auch in ihrer Freizeit forschten sie

Umweltfreundlich sollte die Folie sein, mit Lebensmittelfarbe einfärbbar, reißfest aber elastisch genug, um eine kleine Tüte daraus zu kleben, beständig gegen Öl musste sie sein und dann auch noch kostengünstig in der Herstellung - „sonst würde uns die Erfindung ja keiner abnehmen“, so die Entwickler.

Die eineinhalb AG-Stunden pro Woche reichten den Tüftlern nicht, auch in ihrer Freizeit forschten sie. Da wurden Ausstreich- und Schweißversuche unternommen, experimentiert mit Kartoffelstärke, Natronlauge und Glycerin, Erlenmeyerkolben, Gasbrenner, Gummistopfen und Pipetten kamen zum Einsatz, bis das Werk kurz vor Abgabetermin gerade noch rechtzeitig gelungen war.

Es folgten lange Wochen gespannten Wartens, bis schließlich die Einladung ins Fraunhofer-Institut Darmstadt zur feierlichen Preisverleihung im Schulsekretariat landete. In der Heinerstadt nahmen sie ihren Preis stolz entgegen, und zwar mit Abstand als jüngste aller Regionalentscheid-Teilnehmer. Denn die Konkurrenz der heutigen Zehntklässler an der Mittelstufe der Aue-Schule kamen samt und sonders aus den Oberstufen. Der pädagogische Leiter der Aue-Schule, Karl-Heinz Nissen, betont stolz: „Unsere Jungs haben sich durchgesetzt.“ 22 Arbeiten wurden für den Regionalentscheid Hessen Süd eingereicht, zwei für Biologie, vier in Chemie, vier in Mathematik, ebenso viele für Physik und acht im Bereich Technik.

Rektorin weiß Sponsoring von Firmen zu schätzen

Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt ist ebenfalls begeistert vom Erfolg der jungen Schüler, auch wenn sie weiß: „Jetzt gehen die Jungs auf weiterführende Schulen ab. Die profitieren dann von deren Forscherdrang.“ Doch sieht sie ihre Schule auf dem richtigen Weg. Dankbar ist sie für die Unterstützung durch den Kreis, der in den vergangenen Jahren für den naturwissenschaftlichen Bereich Einrichtung, Laborgeräte und Innenausstattung spendierte. Und sie weiß das Sponsoring privater Firmen zu schätzen, gerade Merck habe die Schule viele Glasgerätschaften für den Chemie-Bereich zu verdanken.

Ihrem Forscherdrang treu zu bleiben gedenken die Aue-Schüler auch nach ihrem Weggang. Womöglich gar zusammen, denn die drei gehen im kommenden Schuljahr gemeinsam auf die Alfred-Delp-Schule nach Dieburg. „Bis zum Abitur haben wir ja noch drei Jahre Zeit, etwas Neues auszutüfteln“, lachen sie verschmitzt.

Quelle: op-online.de

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