Münsterer Julian Dörr zum vierten Mal dabei

„Traffic Jam“-Festival: Musik-Spektakel im „Grenzgebiet“

+
Sich über die Köpfe des Publikums tragen lassen – das werden einige Besucher des „Traffic Jam“-Festivals auch in diesem Jahr wieder tun. Musikalisch gibt es eine leichte Neuausrichtung.

Dieburg/Münster -  Am 21. und 22. Juli werden im Dieburger Industriegebiet täglich bis zu 3 000 Besucher erwartet. Die Fäden des „Traffic Jam“-Festivals hält ein Münsterer in der Hand. Von Jens Dörr 

Wenn am 21. und 22. Juli der Verein „Schallkultur“ zum 18. Mal das Metal-, Punk- und Alternative-Festival „Traffic Jam“ („Verkehrsstau“) auf dem Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker veranstaltet, dann handelt es sich auf den ersten Blick um eine „Dieburger“ Veranstaltung: „Schallkultur“ ist ein Dieburger Verein, das Festivalgelände liegt auf Dieburger Gemarkung. Und doch steckt auch viel Münster im „Traffic Jam“ – nicht nur ob der Tatsache, dass die beiden Nachbarkommunen mittlerweile durch die Ausdehnung des Dieburger Industriegebiets miteinander verwachsen sind und das Musikevent in eben diesem „Grenzgebiet“ stattfindet. Viele Münsterer wirken bei „Schallkultur“ oder bringen sich losgelöst vom Verein als Helfer beim Festival ein. Das war schon in den Anfängen vor zwei Jahrzehnten so und ist bis heute so geblieben. Mit Julian Dörr ist ein Münsterer seit einiger Zeit sogar Vereinsvorsitzender. Auch bei der 18. Auflage des Spektakels laufen bei dem 35-Jährigen die Fäden zusammen.

Selbst herausheben würde sich Julian Dörr, den in Münster viele auch als selbstständigen Fotografen sowie als Fraktionsmitglied der ALMA in der Gemeindevertretung kennen, freilich nicht. Er versteht sich als Teamplayer – schon seit seiner Wahl zum ersten Mann bei „Schallkultur“ im Frühjahr 2014. Im vergangenen Jahr stellte sich Dörr für eine weitere zweijährige Amtszeit zur Verfügung, wurde wiedergewählt. Auch vor dem vierten Festival unter seiner Federführung ist er noch motiviert, wie er in diesen Tagen sagt: „Kurz vorher gibt’s zwar immer mal Sachen, über die man sich ärgert – da fragt man sich schon, warum man das wieder macht“, sagt Dörr. „Am Wochenende selbst ist das aber vergessen. Dann und auch später, wenn alles auf dem Gelände aufgeräumt und die letzte Rechnung bezahlt ist, ist man aber super happy.“ Ein Gefühl, das für zahllose Stunden ehrenamtlichen Einsatzes für zwei ausgelassene Tage entschädigt.

Der Münsterer Julian Dörr steht als „Schallkultur“-Vorsitzender zum vierten Mal an der Spitze des „Traffic Jam“-Festivals.

Denn Geld verdient „Schallkultur“ mit dem „Traffic Jam“ nicht, stemmt das Großereignis mit bis zu 3 000 Musikfans pro Tag komplett ohne hauptamtliche Kraft. Gesamtplanung, Sponsorensuche, Standbetreiber-Akquise, das Buchen der Bands und weite Teile des Auf- und Abbaus sowie der Durchführung des Festivals (mit Kasse, Backstage-Verpflegung, Fahrdienst für die Bands und vielem mehr) übernehmen die meist zwischen Anfang 20- und Mitte 30-Jährigen selbst. Lediglich in Sachen Sicherheit und Aufbau der Hauptbühne sowie bei komplexen technischen Herausforderungen setzen die „Traffic Jam“-Macher teils auf externe Dienstleister.

Inwieweit nach der Terrorwarnung und zeitweiligen Unterbrechung des Mega-Festivals „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring in der Eifel auch beim Sicherheitskonzept für das „Traffic Jam“ nachgearbeitet werde, kann Dörr derzeit noch nicht sicher sagen. Massive Umwälzungen gegenüber dem Vorjahr sind aber weder diesbezüglich noch in Sachen Infrastruktur zu erwarten. Erneut wird es nur noch einen Campingplatz direkt auf dem Völker-Gelände geben und keinen zweiten mehr wie einst auf den sich nordwestlich anschließenden Feldern. Dieser nun einzige Campingplatz in Hörweite zur Bühne wurde 2016 so vergrößert, dass dort mehr als 1 000 Personen in Zelten nächtigen können. Etwa jeder zweite „Traffic Jam“-Besucher hat nicht nur ein Festival-, sondern auch ein Campingticket. Bislang sei der Vorverkauf im Schnitt der vergangenen Jahre verlaufen, ohne Ausreißer nach oben oder unten.

Fotos zum Traffic Jam 2016 in Dieburg

Musikalisch gesehen hat „Schallkultur“ bislang 20 Bands bekanntgegeben, verspricht sogar noch weitere. Als Schnäppchen mutet da das Zwei-Tage-Ticket für 32 Euro (mit Campen 42 Euro) an, zumal durchaus die ein oder andere Szenegröße auf die Bühne kommt. „Wir haben das Line-Up etwas geändert“, skizziert Julian Dörr eine leichte Modifizierung der künstlerischen Ausrichtung. „Wir wollen wieder ein Stück zu den Ursprüngen zurück.“ Was meint: Zuletzt entwickelte sich das „Traffic Jam“ fast nur noch gen ganz harter Gangart. Dies mildere man nun etwas ab. „So kommt zum Beispiel die Band Royal Republic, die von Radio Bob derzeit hoch- und runtergespielt wird und die im Grunde rockige Radiomusik machen.“ Zeichen der Andeutung einer Neuausrichtung ist auch die Ska-Band Sondaschule, die indes früher schon einmal in Dieburg spielte. „Das ist im Grunde eine Partyband, die wahnsinnig Stimmung macht.“ Hardcore-Fans kommen nichtsdestotrotz auch beim 18. „Traffic Jam“ voll auf ihre Kosten – etwa bei Evergreen Terrace aus den Vereinigten Staaten, einem der diesjährigen Headliner.

Weitere Infos gibt es online. Tickets sind indes nicht nur online zum Selbstausdruck, sondern auch als limitierte „Hardtickets“ im echten Karten- und Festival-Design in der „Bücherinsel“ am Dieburger Marktplatz erhältlich.

Weitere Infos: www.trafficjam.de

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare