Traum von der Insel

+
So könnte das Krippenhaus aussehen: Mit dem Anbau erhöht sich die Nutzfläche auf 400 Quadratmeter.

Münster ‐ Ein bisschen wie Aschenputtel zwischen ihren herausgeputzten Stiefschwestern wirkt der Rohbau mit der aufgemalten Hausnummer zwei neben seinen schnieken Nachbarn am Helgolandring. Geht es nach der Gemeindeverwaltung sind die Tage seines Außenseiterdaseins gezählt. Von Jenny Westphal

Seit beinahe drei Jahren wartet das Gebäude auf einen Käufer, der es nach seinen Vorstellungen vollendet. Nun hat die Verwaltung dem Parlament vorgeschlagen, den Rohbau zu kaufen, der auf einem Grundstück, das der Gemeinde gehört, errichtet ist. Ein Krippenhaus für 20 Kleinkinder soll dort einziehen.

Weitere so genannte U3-Betreuungsplätze braucht die Gemeinde dringend. Die Abteilung für Soziales, Sport und Kultur hat einen Bedarf von 57 Plätzen bis 2012 errechnet. Aktuell können etwas mehr als 20 Knirpse unter drei Jahren in der Kita Im Rüssel und bei den Blumenkindern betreut werden. 20 weitere Namen stehen bereits auf der Warteliste. Und auch, wenn die Geburtenraten in Münster sinken, geht Sozialarbeiter Ulrich Lenz von einer kontinuierlich steigenden Nachfrage nach Krippenplätzen aus. Ein möglicher Name für das Haus kursiert bereits in der Verwaltung: Kinderinsel. „Weil es doch im Inselgebiet steht“, ergänzt Michael Krauß, Fachbereichsleiter für Soziales, Sport und Kultur.

Bullaugen-Fenster fluten die Räume mit Licht

Ursprünglich hatte die Verwaltung bereits mit dem Bauunternehmer ausgehandelt, dass dieser den gewünschten Anbau für zwei jeweils 44 Quadratmeter große Betreuungsräume hochzieht und das gesamte Gebäude bezugsfertig ausbaut. Gegen diese Vorgehensweise hat das Revisionsamt vergaberechtliche Bedenken angemeldet und die Gemeinde dazu angehalten, den bestehenden Rohbau zu erwerben und anschließend den Auftrag für An-, Um- und Ausbau auszuschreiben.

Lesen Sie dazu außerdem: „Nachwuchs bleibt in Münster

Nach den Plänen der Verwaltung würden im von Tageslicht erhellten Keller Personalräume, Abstellkammer und Waschraum mit Waschmaschinen unterkommen. Im Erdgeschoss zeigen die Pläne des Bauamtes eine große Diele mit Garderobe für die Kinder, das Büro der Krippen-Leitung mit Durchblick auf einen der beiden im Anbau untergebrachten Betreuungsräume. Diese sind mit Wickeltischen und Waschbecken ausgestattet. Bullaugen-Fenster fluten die Räume mit Licht. „Sie erinnern an ein Schiff. Wir dachten, dass passt ins Inselgebiet“, erzählt Krauß. Eine kindgerechte, klettertaugliche Treppe führt von den Betreuungsräumen ins Obergeschoss, wo neben Schlafraum, Kinderbad und Wickelraum noch reichlich Platz für ein weiteres Spielzimmer ist. „Für die Kinder, die nicht schlafen wollen“, erklärt Krauß. Übrig bleibt ein Mehrzweckraum im Dachgeschoss des Vorderhauses, dessen Verwendung noch offen ist. Das Kreisjugendamt hat die Planung der Verwaltung von Anfang an begleitet – und für gut befunden, wie Ulrich Lenz nicht ohne Stolz verkündet.

Rund 500.000 Euro kostet Projekt

Rund eine halbe Million Euro kalkuliert die Verwaltung für das komplette Projekt. Ein Neubau auf dem ursprünglich für eine Kita vorgesehenen Grundstück hinter dem Rohbau liefe preislich aufs Gleiche hinaus, erläutert Bürgermeister Walter Blank (CDU). Das haben Vergleiche mit Schaafheim und Eppertshausen gezeigt. „Ich finde immer noch, dass unsere Idee eine gute Sache ist“, sagt der Verwaltungschef. Am Montag, 23. November, stellt er die Pläne dem Bauausschuss vor, der über die beiden Alternativen beraten wird, um dem Parlament eine Empfehlung auszusprechen über Ankauf des Rohbaus oder Neubau. Geben die Gemeindevertreter rasch grünes Licht, könnten bereits im September 2010 die ersten Krippenkinder in das Haus am Helgolandring einziehen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare