Trubel im Kreistierheim über die Feiertage

Auch Exoten sind willkommen

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Für eine Runde Ballspielen ist Mischlingsrüde Kaspar, hier mit Tierpflegerin Jacqueline Lehmann, immer zu begeistern. (Bild vergrößern)

Münster - Wessen Herz für Tiere schlägt, der kennt weder Feiertage noch Schlechtwetterperioden. Das Team des Kreistierheims war über Weihnachten kräftig auf Achse. Von Ursula Friedrich 

Zu den üblichen Pflichten gesellten sich weitere Aufgaben, denn für manch einen Hund oder Katze wurde das Weihnachtsfest zur bösen Überraschung. „Benno war mehrere Stunden an einen Baum angebunden“, erzählt Ursula Schuster, seit Oktober 2011 Leiterin des Kreistierheims. Kurz vor dem Heiligen Abend hatte der Besitzer offenkundig beschlossen, sich von seinem altdeutschen Hütehund zu trennen.

An diesem Tag wendete sich auch das Schicksal von Kaspar. Der muntere Collie-Schäferhund-Huskie-Mischling ist Opfer der Scheidung seiner Zweibeiner – und landete ebenfalls im Tierheim. Wie alle Tiere hier, ob Nager, Katze oder Sittich, könnte er eine ganz eigene Geschichte erzählen. „Kaspar saß schon in Berlin im Tierheim“, weiß Ursula Schuster, „er wurde nur draußen gehalten und kannte keine geschlossenen Räume.“ Ein Tellerchen Plätzchen vor ihr trägt der Weihnachtszeit Rechnung, ansonsten geht es turbulent zu. Ein Kater wird angeliefert, „wir haben ihn Percy getauft“, erklären die Finder. Mit einem Chiplesegerät ist die Familie des registrierten Katers im Nu ausgemacht. Im Telefonat mit der besorgten Katzenbesitzerin wird ein Abholtermin ausgemacht und aus Percy, dem Entlaufenen, Tarzan, der Wiedergefundene.

Hauptaufgabe des Kreistierheims ist es, entlaufene, ausgesetzte oder beschlagnahmte Tiere aufzunehmen. „Aber es werden auch Tiere abgegeben, weil die Besitzer mit der Haltung überfordert sind“, erklärt sie. Einige sind auch als Persionstier zu Gast, während die Familie in Winterurlaub ist. Für 13 Kommunen ist Ursula Schuster mit einer weiteren Vollzeitkraft, einer Halbtagskraft und einem Ein-Euro-Jobber zuständig. In ihrer Obhut werden Tiere auch medizinisch versorgt, oft liebevoll aufgepäppelt und mit viel Herz gepflegt. Einige Hunde werden in Pflegestellen bei ehrenamtlichen Tierfreunden betreut. Ein Glücksfall. Hier gelang es, eine im Mai in Babenhausen beschlagnahmte Antikdogge neu zu integrieren. Die Pflegefamilie verliebte sich in das 60 Kilogramm schwere, jedoch lammfromme Hundeungetüm und wird es behalten. Überwiegend Kleintiere, Vögel und Nager, ein paar Reptilien, daneben 20 Katzen und zwölf Hunde leben derzeit im Kreistierheim. Die Pfleger versuchen Caruso, ein weißes Kanarienhähnchen, aus seiner Einsamkeit zu erlösen – ohne Erfolg. Männliche Kollegen mag er nicht, von einem Weibchen wurde er sprichwörtlich gerupft.

150 Kleinnager, 20 Vögel, eine Bartagame, 100 Hunde und 150 Katzen landeten 2013 im Tierheim und wurden größtenteils wieder vermittelt. Der spektakulärste Fund sorgt noch heute für Gesprächsstoff. Ein hochgiftiger Dickschwanzskorpion wurde in Rödermark an einem Altglascontainer ausgesetzt – direkt neben einem Kinderspielplatz. Den todbringenden Exoten konnte Ursula Schuster gut vermitteln – an einen passionierten Gifttierexperten in Offenbach. Die 1,20 Meter lange Königsnatter, die vor sechs Wochen gefunden wurde, hat ebenfalls einen neuen Besitzer. Geblieben ist ihr Frühstück: zwei putzige Mäuse, inzwischen handzahm, und auf Suche nach einer neuen Bleibe.

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Ein fröhlicher Boxer-Pointer-Welpe hielt die Ordnungshüter in Groß-Zimmern auf Trab, die versuchten, die entlaufene Frohnatur einzufangen. Balou, zehn Monate jung, eroberte bereits die Herzen von Hundefreunden, die ihn abholen werden, „sobald die Eigentumsverhältnisse geklärt sind“, so die Leitung. Ursula Schuster, gelernte Zootierpflegerin, beharrt jedoch auf ihrer Philosophie: „An Weihnachten werden keine Tiere an neue Familien abgegeben.“ Ein Tier sei kein Weihnachtsgeschenk, sondern ein Lebewesen, dessen Anschaffung mit vielen Verpflichtungen und Verantwortung einhergeht. ‹ Wer auf der Suche nach einem neuen Familienmitglied ist, kann zu den Vermittlungszeiten Montag, Mittwoch und Freitag, sowie an Wochenenden zwischen 14 und 17 Uhr im Kreistierheim Münster, Munastraße 2, vorbeischauen. Mehr Infos auch per Telefon unter 06071/3944390.

Quelle: op-online.de

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