Übung in Groß-Umstadt

Feuer auf der Geriatrie im 9. Stock

+
Dieburgs Wehr rückte hinter Atemschutz und mit der Axt zur Rettungs Eingeschlossener im neunten Stock der Klinik aus.

Groß-Umstadt - Durch den dichten Qualm ist einzig ein schweres, metallisch knarzendes Keuchen zu hören. Schwere Schritte nähern sich der massiven, geschlossenen Glastüre, hinter der zahlreiche mit Helmen und Masken Vermummte stehen, der Dinge harrend, die da kommen. Von Thomas Meier

Aus dem Nebel plötzlich helles Blinken, eine rot lackierte Axt blitzt auf, um im letzten Moment vor dem Glas, das der Beobachter schon zerbersten hört, zu erstarren. Ein Bett rollt hinterm Beilschwinger heran, geschoben von Sanitätern im Atemschutz, darauf ein lebloser Körper. Eine von zahlreichen, überaus realistischen Szenen, die sich Dienstagabend bei der Großübung am Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt abspielten. Und die eine traurige Aktualität inne hatten, denn vor nur wenigen Tagen forderte ein echter Brand an der Kreisklinik in Weilburg ein Todesopfer. Angenommen wurde für insgesamt 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Johannitern ein ausgedehnter Brand im Zimmer eines Patienten auf einer Krankenstation im neunten Stock der Hochhausklinik. Rings herum harrten zudem eingeschlossene Personen auf Rettung. Die Helfer standen unter Leitung von Kreisbrandinspektor Ralph Stühling und Kreisbrandmeister Matthias Maurer-Hardt, sie kamen von den Feuerwehren Umstadts, Dieburgs und aus Babenhausen.

Überaus realistisch gestalteten die Regisseure der Großübung im Kreiskrankenhaus die Szenarien: Mit Nebelwerfern und Dummie-Verletzten hatten die Notfallärzte und ihre Teams alle Hände und Betten voll zu tun.

Involviert waren bei dieser zweiteiligen Übung auch die krankenhausinternen Rettungsteams. Die leitenden Notärzte aller Kreiskliniken wurden gar eine Stunde vor Alarmierung der Feuerwehren auf mögliche Szenarien hin geschult. Robert Holl von der gleichnamigen Ingenieurgesellschaft für Brandschutz aus Darmstadt hatte die bestehenden Rettungs- und Notfallpläne des Kreiskrankenhaus weiterentwickelt und auf ihre erweiterten Anforderungen angepasst. Am Dienstagabend sollte nun die Theorie sich auch in der Übungspraxis bewähren.
Und so hatte bis zum Ruf der Feuerwehren der Leiter des Umstädter Krankenhaus-Notfallteams, Dr. Thorsten Findeis, mit seinen Helfern erstmal eine Feuerprobe zu bestehen. Seinem Team oblag die Soforthilfe bei gleichzeitiger Alarmierung, die um 19.11 Uhr kam. Zahlreiche Übungsbeobachter waren von Anfang bis Ende der Übung um 21.43 Uhr zugegen, viele von ihnen auch noch bei der Abschlussbesprechung bis 22.07 Uhr. Sie kamen vom Kreis, den beteiligten Wehren und den Kreiskliniken. Klemmbretter und Notizblöcke in den Händen säumten sie mit Pressevertretern die Gänge unterm Flachdach der Klinik, Assistenten videografierten und fotografierten die Abläufe.

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz 

Kreisbrandinspektor Ralph Stühling betrachtet das Ergebnis der Übung mit „gemischten Gefühlen“. Er sagt: „Übungen sind dazu da, Fehler zu erkennen.“ Und freilich machte der seit vielen Jahren an der Spitze der Kreiswehren agierende Experte Verbesserungswürdiges aus, wenngleich er auch Lob zollte. Probleme bereiten den Einsatzkräften immer wieder die Kommunikation, auch wenn sie stets moderner und komplexer wird. Stühling verdeutlicht: „Bis vor kurzem hatten wir unseren Einsatzfunk. Und damit zwei Kanäle. Heute haben wir den lange Zeit umstrittenen Digitalfunk. Und damit 300 Kanalwahlmöglichkeiten.“

Und obwohl gerade hier hätte eine Schwachstelle liegen könnte, war der Kreisbrandinspektor eben voll des Lobes übers Handling mit dem neuen Kommunikationsmedium: „Da klappte alles reibungslos.“ Etwas die Augen rollte er, als Dieburgs Feuerwehr durch eine weit geöffnete Brandschutztür eilte, vermeintliche Brandopfer zu retten, die eigentlich hätte geschlossen sein sollen. Doch war der vielen Beobachter wegen ausgerechnet diese Tür vom Rauchmelder, der fürs automatische Schließen zuständig gewesen wäre, abgeklemmt worden. So rettete Dieburgs Wehr zwar schnell die eingeschlossenen Dummies, aber eben nicht wie vorgesehen.

Übung in der Feuerhölle

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare