Die Übung macht den Meister

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Motivationstrainer Christian Bischoff überzeugte in lässiger Haltung mit rotem Stirnband und guten Argumenten.

Münster (tm) - Beim Lehrer-Appell an die „Selbstdisziplin“ verdreht ein Schüler normalerweise die Augen. Doch jetzt kamen bei diesem Wort ganz andere Emotionen zum Vorschein.

Als Motivationstrainer Christian Bischoff das Podest der Münsterer Gersprenzhalle betrat und den 1100 Aueschülern in zwei 90-minütigen Vorträgen etwas zum Thema Lebensglück erzählte, hingen die Schüleraugen voller Begeisterung an den Lippen des ehemaligen Basketballprofis. „Selbstdisziplin“ spielt bei dessen Ausführungen die zentrale Rolle. Abends trug er auch Eltern und Lehrern seine Tipps für ein positiv gestimmtes Leben vor.

Der großgewachsene Mann, der immer mit rotem Stirnband und in Turnschuhen die Vortragsbühnen Deutschlands betritt, traf den Nerv der Heranwachsenden. Die Fünft- bis Siebtklässler faszinierte er mit einem Erlebnisbericht: „Als ich mit dem Auto morgens so durch mein Viertel fuhr, sah ich ein junges Mädchen, das Einrad fuhr. Ich sprach sie an und fragte, warum sie dieses Gefährt so gut beherrsche“, erzählte er den knapp 400 Elf- bis 13-Jährigen. Die Antwort: „Das Mädchen sagte mir, sie übe jeden Tag. Zwar nur ein paar Minuten, jedoch regelmäßig.“ Zum Training gehöre Selbstdisziplin. Und nur derjenige, der jeden Tag übe und seine Talente fördere, werde Großes erreichen, so schlussfolgerte Christian Bischoff.

Gemeinsam mit Dirk Nowitzki Basketball gespielt

Die gleiche Botschaft übermittelte er später den 14- bis 16-Jährigen aus den Klassen 8 bis 10. Da war es jedoch nicht die Einradfahrerin, sondern die Basketball-Jugendnationalmannschaft, die als Beispiel für Selbstdisziplin diente: Damals, als Bischoff gemeinsam mit Dirk Nowitzki die Bälle in die Körbe warf, sei der heutige US-Star Nowitzki zwar schon auffällig gut in Form gewesen. „Dass er es aber mal in die US-Profiliga NBA schafft, das hätte unser motziger Trainer nicht gedacht“, erinnerte sich Bischoff. Nowitzki habe jedoch ehrgeizig an seinem Talent gearbeitet, habe oft trainiert. Und sei so schließlich zu einem der besten seiner Sportart geworden.

Im Gegensatz zu einem Klassenraum, in dem die bis zu 33 Schüler häufig lieber schwatzen statt aufzupassen, war es in der Halle mucksmäuschenstill. Christian Bischoff zog mit seinen Geschichten und Gruppenübungen die jungen Leute in seinen Bann. Dies schaffte er mit minimalem Aufwand. Via Beamer ließ er Weisheiten wie „Du lebst nur einmal. Lebe auch so“, unterlegt mit verträumter Musik, an die Leinwand projizieren.

Glück als Spitze einer Erfolgspyramide

Mal war es eine Flasche Wasser, deren Inhalt das Potenzial der Schüler symbolisierte. Später hatte ein roter Plastikeimer seinen großen Auftritt, nebst einer Schöpfkelle. Mit dem dickbäuchigen Küchengerät nahm Bischoff sinnbildlich die positiven Eigenschaften seiner Zuhörer auf und gab sie in den Eimer. Bei der sich anschließenden Umarmungsrunde sollten Schüler und Lehrer aufeinander zu gehen und sich gegenseitig sagen, was sie am anderen schätzen. Sogleich lag sich die ganze Halle in den Armen.

Nach und nach dröselte der Motivationscoach seine „Erfolgspyramide“ auf, an deren Spitze das Glück thront. Angelehnt an Erklärungsmodelle, die in der Psychologie häufig von Pyramiden symbolisiert werden, verdeutlichte der erfolgreiche Basketballtrainer, dass es im Leben auf die Persönlichkeit ankommt. Darauf, seine Mitmenschen mit festem Blick anzuschauen und sich immer wieder zu sagen, dass man etwas Besonderes ist.

Begeisterte und bewegte Schüler 

Als der 28-jährige Australier Nick Vujicic vorne auf der Leinwand von seinem bewegenden Schicksal erzählte, sahen die Schüler einen besonderen Menschen. Nick, der Mann ohne Gliedmaßen, nur knapp einen Meter groß, der in der Schule von den anderen gehänselt wurde und sich dennoch – oder gerade deshalb – zu einem selbstbewussten, sympathischen jungen Mann entwickelte, sorgte bei den Schülern für Tränen der Rührung. Und ließ die Jugendlichen darüber nachdenken, ob das sich gegenseitige Messen oder Überbetonen äußerlicher Merkmale, typische Kennzeichen des pubertären Miteinanders, wirklich Sinn macht.

Am späten Mittag verließen zufriedene Schüler die Halle. „Ich bin total begeistert“, meinte Sechstklässler Jacques. „Das hat mich tief bewegt“, bekannte Achtklässlerin Jacqueline. Gabriele Schubert, Vorsitzende des Schulelternbeirates, auf dessen Einladung Bischoff nach Münster kam, freute sich: „Das war gelungen. Ich hoffe auf ein wenig Nachhaltigkeit bei den Zuhörern.“ Ausdrücklich bedankte sie sich bei den Hausmeistern der Aueschule und der Technik-AG von Patrick Braun, die mit ihrem emsigen Arbeitseinsatz den Auftritt des Motivationstrainers erst möglich machten.

Quelle: op-online.de

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