Ermittlungen zu Unfall

Wer manipuliert Signalanlagen?

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Alles wieder korrekt eingestellt am Bahnübergang zwischen Münster und Eppertshausen.

Münster - Was da am vergangenen Freitag um kurz nach 11 Uhr auf der Bahnstrecke Offenbach-Dieburg am unbeschrankten Bahnübergang zwischen Münster und Eppertshausen beinahe zu einem kapitalen Unfall führte, hat mit einem Lausbubenstreich aber auch gar nichts gemein. Von Thomas Meier

Es ist vielmehr ein kaum nachvollziehbarer krimineller Akt. Ein 53-jähriger Münsterer Pick-up-Fahrer kam beinahe um 11. 04 Uhr unter die Stahlräder einer Regionalbahn, die aus Richtung Ober-Roden gen Dieburg fuhr. Am Bahnübergang auf dem Feldweg nahe des „Rotkäppchen“ habe er weder Andreaskreuz noch die Signalanlage sehen können, wie er beteuert. Und laut Bundespolizei-Ermittlern hätten in der Tat Unbekannte an der Signalanlage manipuliert (wir berichteten).

Spuren am Tatort gesichert

Der ramponierte Pick-up vor dem Bahnübergang auf dem Feld zwischen Münster und Eppertshausen. Sein Fahrer sagt, er habe kein Signal gesehen. Wer manipulierte die Anlage?

Letzteres sagt Sven Gellert, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Frankfurt. Seinen Aussagen zufolge seien „wohl alle vier Lichtsignale wie auch die Andreaskreuze am Übergang“ von den Manipulationen betroffen gewesen. Man habe umgehend nach dem Unfall die Reparaturen eingeleitet. Bei dem Crash musste nicht nur der Fahrer des Pick-ups mit Schock ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auch zehn Fahrgäste der Regionalbahn wurden bei der eingeleiteten Vollbremsung durchgeschüttelt und mussten später per Taxi weiter befördert werden. Die Bundespolizei habe Spuren am Tatort gesichert, deren Auswertung allerdings gestern bis Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen waren. „So etwas dauert erfahrungsgemäß länger als vier oder fünf Tage“, sagt Gellert. Was gefunden wurde oder welcher Natur die Manipulationen waren, dazu wollte er sich nicht äußern: „Das sind laufende Ermittlungen. Darüber sagen wir derzeit nichts.“

Nichts sagen will auch ein Sprecher der Deutschen Bundesbahn Netz. Letztere war am Freitag mit der Schadensbeseitigung und Reparatur beauftragt. „Es war ein eklatanter Eingriff in den Eisenbahnverkehr“, sagt Bahn-Sprecher Bischof, noch am Freitagnachmittag hätten Arbeiter „die Anlage in herkömmliche Ausgangslage zurückversetzt.“ Was dazu nötig gewesen sei? „Kein Kommentar, laufendes Verfahren“, so die kurze Antwort.

Sache der Bundespolizeiinspektion Frankfurt

Um die (wieder) sehr stabil wirkende Anlage manipulieren zu können, muss man schon erhebliche kriminelle und auch physische Energie aufwenden. Sowohl die Andreaskreuze als auch die Ampeln sind an den eingelassenen Stahl- und Betonpfeilern fest verschraubt. Mit einem Schweizermesser oder dem Fahrradreparaturwerkzeug käme man mit Manipulationsversuchen wohl nicht weit. Mit Vorsatz und Ausrüstung muss gekommen sein, wer hier ein Unglück heraufbeschwören wollte. Bislang gibt es laut Bahnpolizei keinerlei Hinweise auf etwaige Täter. Man hoffe auf die Spurenauswertung, so der Bundespolizeisprecher.

Das heimische Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt und Dieburg ist bei diesem ungeklärten Fall übrigens gänzlich außen vor. „Dies ist Sache der Bundespolizeiinspektion Frankfurt“, sagt Andrea Löb von der Pressestelle der Polizei in Darmstadt. Man habe im Kreis Darmstadt-Dieburg in der jüngsten Vergangenheit auch glücklicherweise keine gezielten Taten in Richtung Gefährdung der Verkehrssicherheit verzeichnet. Mal ein verbogenes Straßenschild im Ort, so etwas passiere immer mal. Doch dass jemand massiv einen Unfall durch derartige Manipulationen herbeiführen wolle, sei nicht bekannt.

Bleibt zu hoffen, dass die langwierigen Spurenauswertungen von Erfolg bei der Aufklärung gekrönt werden.

Quelle: op-online.de

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