Ungenutzte Kabel für flinkes Netz

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Thorsten Leyh von der Bürgerbreitbandinitiative Altheim erläutert den interessierten Bürgern die Vorteile der schnellen Datenübertragung.

Altheim ‐ Freie Fahrt auf der Datenautobahn – darauf können sich Altheimer Bürger demnächst freuen, zumindest einige von ihnen: Die Bewohner in der Kirch- und Gartenstraße sowie dem Amsel-, Finken- und Meisenweg haben nämlich das Glück, dass vor ihrer Haustüre, verborgen unter dem Asphalt, ungenutzte Koaxialkabel der Deutschen Telekom liegen. Von Ellen Jöckel

Herausgefunden hat dies ein findiger Bürger aus dem Amselweg: Thorsten Leyh arbeitet von zu Hause aus und hat daher reges Interesse an einer schnelleren Internetverbindung.

Auch privat möchte er die Möglichkeiten des WorldWideWeb gerne umfangreicher nutzen: Über „Cloud Computing“ (Softeware aus der Wolke) ist es möglich, Programme zu nutzen, die nicht mehr auf dem eigenen Rechner installiert sind. Zudem kann er private Dateien wie Fotos, Filme oder Dokumente darüber extern sichern, was in Falle eines Hausbrandes oder Einbruchs wirklich lohnend sein kann.

Für dieses Vorhaben benötigt Leyh jedoch eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit. „Mein Server bräuchte derzeit ein Jahr, um alle Dateien von mir zu senden“, berichtete der zweifache Vater bei der von ihm organisierten Informationsveranstaltung. Bereits im Vorfeld hatte Leyh bei den Nachbarn ein Interesse an einer verbesserten Internetversorgung abgefragt und eine Bürgerinitative gegründet. Daraufhin stellte der Altheimer Kontakt zu Unitymedia her, einem Anbieter von Medien- und Kommunikationsdiensten via Breitbandkabel. Dieser zeigte sich bereit, bei einer Mindestanzahl von 20 Neukunden das Projekt zu realisieren. Die ungenutzten Kabel müssten dabei an das aktive Netz angeschlossen werden.

Die Bemühungen Leyhs zeigten Früchte: Am Informationsabend erschienen über 40 ernsthaft interessierte Bürger in den Räumlichkeiten der Freiwilligen Feuerwehr Altheim. Um die letzten Zweifel zu beseitigen, stellte Leyh die Vorteile eines „Highspeed Internets“ heraus: Schnelleres Laden von Dateien, Videotelefonie („Skype“), Fernsehen auf Abruf (on demand), Video-Überwachung vom Urlaubsort aus und Online-Spiele waren die wichtigsten Argumente. Unitymedia-Verkaufleiter Winfried Utikal klärte die anwesenden Bürger im Anschluss darüber auf, bei welchen Bewohnern bereits ein Kabel direkt zum Haus führt, bei wem noch gegraben werden muss und mit welchen Kosten das verbunden ist.

Einen besonderen Vorteil der Unity-Verbindung im Vergleich zu bisher vorhandenen Leitungen hob Utikal hervor: „Bei uns bleibt die Geschwindigkeit gleich bis in den letzten Haushalt. Wir haben eine Bandbreite von etwa 50.000 Kilobit, die wir entfernungsunabhängig liefern können. Beim Telekomnetz lässt die Geschwindigkeit nach, je weiter man vom Verstärkerknotenpunkt entfernt ist.“ Nachdem der Unity-Vertreter verschiedene Angebote rund um Telefonie, Internet und Fernsehen vorgestellt hatte und alle Fragen weitestgehend geklärt waren, gingen bei der Abstimmung für eine Vertragsunterzeichnung ausreichend viele Arme nach oben. Somit konnte Utikal versichern, dass nach Erhalt der Tiefbaugenehmigung das Vorhaben innerhalb von zwei bis drei Monaten durchgeführt werden könne. Im Vergleich zu der Veranstaltung des Anbieters Vodafone, der Anfang März über Internet per Funk informierte (wir berichteten), zeigten sich die Organisatoren Leyh und Utikal mit dem positiven Verlauf des Informationsabends zufrieden. Das Angebot von Vodafone schien viele Bürger nicht überzeugt zu haben. Einige Besucher verließen vorzeitig die Veranstaltung. „Von der Datenübertragung über UMTS halte ich nichts“, meint Thorsten Leyh. „Hier teilen sich alle Teilnehmer einer Funkzelle die Bandbreite. Das heißt, je mehr gleichzeitig ins Internet wollen, desto langsamer wird die Geschwindigkeit“, erklärt der Altheimer.

Doch was ist mit den Bürgern aus dem Münsterer Ortsteil, die keinen Anschluss an ein brauchbares Kabel haben? Günter Willmann, Vorsitzender der Gemeindevertretung, wohnhaft im Altheimer Finkenweg, war aus privatem Interesse zur Veranstaltung gekommen: „Der Landkreis Darmstadt-Dieburg ist gerade dabei, eine Initiative zu starten, die sich um den Ausbau der DSL-Netze bemüht. Derzeit werden in Altheim über Funk bessere Leistungen erzielt als über das Netz“, weiß Willmann.

Die Anlieger des „Vogelviertels“ jedenfalls können sich bald darauf freuen, nicht mehr im Schneckentempo auf der Datenautobahn unterwegs zu sein.

Quelle: op-online.de

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