Union winkt Spielplatzverkauf durch

Münster - Reichlich Betrieb herrschte auf den Besucherstühlen im Münsterer Rathaussaal, als sich die Parlamentarier am Montagabend dem umstrittenen Thema des Spielplatzes in der Robert-Koch-Straße annahmen. Von Alexander Klug

Die Nachbarn, die den Platz behalten wollen, waren gekommen; MGV-Chef Werner Ellermann hatte eine Schülerschar von seiner Offenbacher Schule im Schlepptau. Für Münsterer Verhältnisse bekamen sie einigen Unterhaltungswert geboten – wenn auch mit gewohntem Münsterer Ausgang: Die CDU-Mehrheit beschloss, dem Areal im Bebauungsplan künftig andere Nutzungen zuzuweisen.

Gestern waren wir noch eine reiche Kommune, heute verkaufen wir Spielplätze und erhöhen Gebühren“, kritisierte SPD-Mann Edmund Galli. Dabei gebe es eine Reihe von Baulücken, die zu Geld gemacht werden könnten, und Stellen in Münster, an denen gemeindeeigene Grundstücke überhaupt nur schwer zu verkaufen seien. Etwa am Mäusberg, dort herrsche noch „viel Brache“, führte Edmund Galli aus.

Auch die Argumente der Anwohner, die diese gegen den Verkauf ins Feld führen (OFFENBACH-POST vom 25. Juni), griff der SPD-Mann auf: So sei das Neubaugebiet auf dem ehemaligen TÜV-Gelände ganz in der Nähe, wo sicher auch Familien mit Kindern einziehen werden. Auch um den 30 Jahre alten Baumbestand sei es schade, „der hat viele junge Eltern zum Verweilen eingeladen“, weiß Galli. Man unterstütze die Bürgerinitiative, die die Anwohner zum Erhalt von Schaukeln und Kastanienbäumen ins Leben gerufen haben.

Ins selbe Horn stieß der Sprecher der Alma-Fraktion, Gerhard Bonifer-Dörr. Die Gemeinde sei auf dem Weg, das „Tafelsilber“ zu verkaufen. Keine gute Idee, wie Bonifer-Dörr kritisierte: „Das kann man nur einmal verscherbeln, dann ist es weg“, moniert er – und das für einen einmaligen Erlös ohne dauerhafte Einnahmequelle. „Das ist nicht die ‚seriöse Haushaltsführung’, von der Sie immer reden“, sagte er mit Blick auf die CDU-Reihen.

Die Aussagen von CDU-Fraktionschef Matthias Wagner, ihm seien keine Interessenten bekannt, nehme er ihm nicht ab: „So plötzlich, wie der Verkaufsplan aufgetaucht sei, liegt der Verdacht nahe, dass es bereits einen Interessenten gibt“, meint Gerhard Bonifer-Dörr.

Das Argument der zu geringen Nutzung des Areals durch den Nachwuchs kann er nicht nachvollziehen, es sei gar „unsinnig“: Beispielsweise im Münsterer Ortskern gebe es keinen Spielplatz und man habe wegen der Altersstruktur der Bewohner auch lange gemeint, keinen zu brauchen – heute gebe es wieder viele Kinder. „Das lässt jede Vernunft vermissen“, stellte Bonifer-Dörr fest. Ein Antrag seiner Fraktion, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen, fand keine Mehrheit.

Natürlich nicht die laut Baugesetzbuch maximal mögliche Bebauung will CDU-Fraktionschef Matthias Wagner auf dem 900-Quadratmeter-Areal errichtet sehen. Ihm und seiner Fraktion schweben zwei Grundstücke mit Häusern darauf vor, die sich in ihrer Größe „am Maß der baulichen Nutzung der umliegenden Häuser orientieren“, wie der Unions-Mann den Anwohnern zusicherte. Doch fand er auch kritische Worte: Der eine oder andere wolle, so seine Einschätzung, „schlicht davon ablenken, dass die angestoßene Diskussion auch der Verfolgung eigener Interessen dient.“

Finanzielle Erwägungen dominieren die CDU-Argumentation – sie hält einen Verkaufserlös von 250 000 bis 280 000 Euro für möglich. „Der aktuelle Haushalt der Gemeinde ist angespannt, und die nächsten werden es auch sein“, gab ihr Fraktionschef zu bedenken. Vor allem, um das Budget für soziale Aufgaben wie Kinderbetreuung und Feuerwehr auf „hohem Niveau“ (Wagner) halten zu können, müsse der Spielplatz verkauft werden. „Es ist eben eine gewisse Kreativität gefragt.“

Rund 20 kleinere und größere Spielplätze gebe es auf Münsterer Gebiet, deswegen sehe es die CDU-Fraktion „als geboten und verkraftbar“ an, den Spielplatz in Bauplätze zur Wohnbebauung umzuwidmen.

Quelle: op-online.de

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