Neuer Urwald gedeiht am Erlenbach

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Überdachte Informationstafeln geben farbig illustriert Auskunft über das neue „Urwald-Biotop“ Münsters.

Münster - Hier sagen sich Gelbbauchunke und Feuersalamander gern gute Nacht: in der renaturierten Erlenbachaue im Gemeindewald Münster. Von Thomas Meier

Und auch Fuchs und Hase sind hier relativ ungestört, denn westlich des Ortsteiles Breitefeld im Auenbereich des Bächleins entstand in den vergangenen sechs Jahren ein sehr naturnaher Waldbereich, der auch von Spaziergängern weitgehend verschont bleibt, so weit abgelegen von bebauter Ortslage ist das rund zehn Hektar große Areal.

Am Dienstagnachmittag stellten die Gemeinde und die Gruppe Münster im Naturschutzbund Deutschland (NABU) ihr „Projekt Urwald“ vor, das dank einer Investition von rund 100.000 Euro, dem Verzicht der Gemeinde auf rund 125.000 Euro aus dem Walderlös, einiger Spenden und ungezählten Stunden ehrenamtlicher Arbeit als sehr gelungen bezeichnet werden muss. Die gesamte Biotopaufwertung beträgt über eine Million Ökopunkte, die der Gemeinde auf das Ökokonto bei der Unteren Naturschutzbehörde gutgeschrieben werden und die in barer Münze rund 300.000 Euro wert sein dürften, wie Dr. Wolfgang Heimer, Chef der Kreisbehörde, betonte.

Renaturierung der Auenlandschaft

Die Renaturierung der Auenlandschaft gliederte sich in drei Teilprojekte. Auf einer Länge von 2,5 Kilometern wurde der als Entwässerungsgraben ausgebaute Bachlauf renaturiert. Wie Projektverantwortlicher Matthias Kisling vom NABU Münster erklärt, gestaltet der Erlenbach sein Gewässerbett wieder selbst. Was bedeutet: Bei starken Niederschlägen überflutet Hochwasser den Erlenbruchwald. Zudem wurden kleine Tümpel angelegt, die zahlreichen Amphibien auch in dürren Sommermonaten einen Lebensraum bieten.

Das Forstamt ließ an vielen Stellen nicht standortgerechte Fichten fällen, die vor Jahrzehnten hier angepflanzt wurden. „Nun ziehen wir uns zurück und schauen, was ohne menschliches Einwirken geschieht“, freuten sich Stefan Rickert vom Hessischen Forstamt Dieburg und Münsters Revierförster Peter Sturm.

Bilder vom Urwald in Münster

Neuer Urwald am Erlenbach

Drei Infotafeln veranschaulichen denjenigen, die trotz der Abgeschiedenheit in die Aue finden, die Besonderheiten dieses Urwaldes und geben Hinweise auf die typischen Tier- und Pflanzenarten der Auwälder sowie die Entwicklungsgeschichte. Seinen Anfang nahm der noch junge „Urwald“ mit dem Beschluss der Gemeindevertretung im Juli 2007, auf die künftige forstwirtschaftliche Nutzung des zehn Hektar großen Bereiches zu verzichten. Das sind bei einem Gemeindewaldbestand von rund 500 Hektar gerade einmal zwei Prozent.

Der Erlenbach darf sich sein Bett selbst gestalten und auch schon mal Tümpel in Eigenregie fluten.

Die Bäume – vor allem Schwarzerlen und Eschen – sind etwa 125 Jahre alt. Sie werden nun nicht mehr zum vorgesehenen Hiebreifezeitpunkt eingeschlagen und wirtschaftlich von der Gemeinde verwertet, wie Münsters Bauamts-Abteilungsleiter Michael Mierzowski erläuterte, sondern dürfen wesentlich älter werden und in vielen Jahren als alte Baumriesen auf natürliche Weise absterben. Nicht nur, dass sie dann neuen Bäumen Platz machen. Der Urwald am Auenbach wird sich in den kommenden Jahren im Wesentlichen durch hohes Bestandsalter und den großen Totholzanteil vom umgebenden Wirtschaftswald unterscheiden. Schon jetzt zeugen zahlreiche Löcher in (noch wenigen) abgestorbenen Baumstämmen von den Vogelarten, die vom unbewirtschafteten Wald profitieren. Spechte finden hier reichlich Nahrung. Denn viele Insektenarten, die das Totholz zersetzen, sind riesiger Nahrungsquell. Es freuen sich zudem Singvögel und Fledermäuse übers Altholz.

Matthias Kisling erläutert vor Vertretern des Gemeindevorstandes, des Naturschutzes und Förstern das Urwaldprojekt.

Die Adamsteiche am Urwald wurden 1968 angelegt. Nach über 40 Jahren hatte sich in ihnen eine Menge Faulschlamm gebildet. Die Wasserqualität sank, 2008 kam es zu einem Fischsterben. „Eine Renaturierung war dringend geboten“, erinnerte Kisling. Nach der Kampfmittelräumung im der Muna nahen Gebiet wurden große Flachufer angelegt sowie Zu- und Abfluss der Teiche saniert. Jetzt können zum Beispiel die Rehe wieder bis ans Wasser kommen und rutschen beim Trinken nicht mehr über eine steile Böschung ins Wasser hinein.

Quelle: op-online.de

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