Vernetzte Brieffreundschaft

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Die elfjährige Zoe hat gut lachen, denn sie hat in ihrer Wiener Altersgenossin Emma eine echte Freundin gefunden.

Münster ‐ Die moderne Welt hält überall Einzug, sowohl im Bereich der schriftlichen Kommunikation als auch in den Schulen. Wo früher handbeschriebene Briefe aus Papier in die Ferne reisten, gehen nunmehr E-Mails, per Tastatur ins Netz gestellt, in die weite Welt hinaus. Von Jasmin Frank

Diesen Trend hat auch die Münsterer Schule auf der Aue erkannt und im Rahmen eines Musikprojekts multimediale Freundschaften gestiftet. „An unserer Schule wurde schon vor einiger Zeit ein Hörspiel über Mozart erarbeitet und nach dessen Erfolg planten wir ein Stück mit dem Titel „Hallo Herr Haydn“. Dazu fehlten uns aber zahlreiche Informationen aus Wien.

Deshalb haben wir dort Schulen angeschrieben, ob sie uns nicht helfen wollen, und das Piaristen-Gymnasium war sofort begeistert“, erzählt Musiklehrerin Cornelia Krones. Das Haydn-Stück wurde dann gemeinsam mit den Wiener Schülern gestaltet und in beiden Orten aufgeführt. Dadurch sind natürlich viele Kontakte entstanden. „Manche Bekanntschaften lösen sich schnell wieder auf, andere werden zu festen Freundschaften. Wir hatten zum Beispiel zwei Jungs aus der 8. Klasse, die tatsächlich Tränen in den Augen hatten, als einer der beiden wieder nach Wien reisen musste,“ berichtet Krones.

Schüler erzählen über Erlebtes

Auch in den aktuellen Musikklassen der Jahrgangsstufe sechs gibt es wieder einige feste E-Mail-Kontakte. „Ich maile meiner Freundin Emma ganz oft. Wir tauschen uns über alles aus und sind auch häufig einer Meinung, zum Beispiel darüber, dass die meistens Jungs ziemlich blöd sind“, erzählt die elfjährige Zoe lachend und fügt hinzu, „aber wir reden auch über ernstere Sachen. Wegen des Vulkanausbruchs konnte mein Vater länger nicht nach Hause kommen, das hat mich schon beschäftigt.“

Auch musikalisch haben die meisten der Kinder einiges gemeinsam, so spielen Zoe und Emma jeweils ein Instrument. Während Zoe noch an dem neuen Stück, das vom Wiener Musikverein handeln soll, erstmals mitplant und noch nie in Wien war, ist ihre Freundin Laura schon eine richtige Globetrotterin: „Ich war mit dem Orchester da, obwohl ich erst in der fünften Klasse bin. Aber ich spiele schon mehrere Jahre Geige und konnte mithalten.“ Wien hat sie routiniert wahrgenommen: „Ich war schon in vielen Großstädten. Aber Wien ist schon besonders schön. Und auch die Kinder sind anders. Nicht nur der Aussprache, auch ihres Benehmens wegen. Sie sind viel besser erzogen und immer sehr höflich.“ Sie muss es wissen, hatte sie doch gleich zwei Piaristen-Schüler während des Austauschs bei sich in Münster einquartiert.

„Dort spielen sonst die Wiener Philharmoniker.“

So haben die musikalischen Kinder mit ihrer engagierten Lehrerin schon jede Menge schöne Erfahrungen gemacht, es bleibt aber auch noch Platz für Träume: Einmal im goldenen Saal zu spielen. „In diesem Saal des Wiener Musikvereins zu musizieren wäre eine absolute Sensation. Dort spielen normaler Weise nur die Wiener Philharmoniker.

Der Saal ist nicht nur einer der schönsten, sondern auch der weltweit akustisch besten Säle überhaupt“, schwärmt Lehrerin Krones. Da bleibt nur noch, den Kindern und ihrer Pädagogin die Daumen zu drücken, damit sich dieser Wunsch erfüllt.

Quelle: op-online.de

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