Der Verödung des Ortskerns begegnen

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Zum neuen Edeka im Fachmärktezentrum im Süden Münsters führte Bürgermeister Walter Blank Gespräche mit dem Betreiber. Die Eröffnung sei für den 30. Juni geplant, sagte Blank. Inklusive aller Aushilfen entstünden dort insgesamt 60 Arbeitsplätze auf rund 1600 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Münster ‐ Der Verödung des Ortszentrums entgegen zu wirken galt ein Antrag der SPD-Fraktion zur jüngsten Gemeindevertretersitzung am Montagabend im Rathaus. Und obwohl alle Parlamentarier in der Sache zustimmten, verlief die Diskussion vor rund zehn Zuhörern sehr kontrovers. Von Thomas Meier

Der Antrag wurde von der CDU-Mehrheit gegen die Stimmen von SPD und der Alternativen Liste Münster und Altheim (ALMA) letztlich abgelehnt, nachdem Bürgermeister Walter Blank eine ausführliche Stellungnahme zum Thema abgegeben hatte. SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Rainer Bulang erläuterte den SPD-Antrag, der die Vorlage eines Konzeptes zur wirtschaftlichen Stärkung des Gemeindezentrums sowie der Einkaufsmöglichkeiten in der zentralen Ortslage einforderte. Auf dem Tengelmann-Gelände in der Hauptstraße solle in jedem Fall ein Discounter angesiedelt bleiben, auch wenn sich der derzeitige Supermarktbetreiber demnächst aus Münster und der Region verabschiede, meinte Bulang, sofortige Verhandlungen mit möglichen Betreibern seitens der Gemeindeverwaltung fordernd. Wöchentlich, so der Sozialdemokrat, sollten Gemeindevorstand und Fraktionen über den Stand der Verhandlungen informiert werden.

Bulang untermauerte seinen Antrag: Nicht nur Tengelmann ziehe sich zurück. Auch der Norma-Markt sei mit seinem Standort in der Darmstädter Straße nicht zufrieden und der Penny-Markt verlagere seinen Standort in Richtung Fachmarktzentrum an den Ortsausgang gen Dieburg. „Wegen der dann fehlenden Laufkundschaft im Elli-Center wird sich wohl auch die Metzgerei Reitzel verabschieden. Da auch die Firma Schlecker ein neues Marketingkonzept verfolgt, sieht die Zukunft des Getränkehandels ebenfalls nicht sehr rosig aus“, prognostizierte Bulang. Er zitierte aus der Bestandsanalyse des Einzelhandels des Landkreises von 2008, die da bereits gewarnt habe, dass sich die Ansiedlung zweier Discounter im südlichen Ortsbereich von Münster auf eine mögliche Verschiebung des Ortszentrums auswirke.

Auf den Antrag der Genossen ging zunächst Bürgermeister Walter Blank ausführlich ein. Ein von der SPD beantragtes Konzept könne durch die Verwaltung nicht erarbeitet werden und müsse extern vergeben werden, was Kosten von rund 25 000 Euro verursache. Viel mehr Geld verschlinge dann dessen Umsetzung, so Blank, der bezweifelte, ob ein solches Konzept wirklich zur Stärkung der Ortsmitte beitragen und den generellen Trend der Verlagerung an den Ortsrand aufhalten könne. Der Bürgermeister verwies auf das für Münster erstellte Perspektivkonzept von Prof. Bert Rürup, das leider aus Kostengründen im Bereich der Umgestaltung der Hauptstraße habe nur teilweise umgesetzt werden können.

Auch ohne den Antrag der SPD sei die Gemeindeverwaltung hinsichtlich der Einkaufssituation in der Ortsmitte schon lange tätig, unterstrich Blank. Er berichtete von diversen Gesprächen mit Norma, Tengelmann, dem Getränkemarkt, dem Penny-Betreiber und anderen. Und zur beabsichtigten Schließung Tengelmanns hielt Blank fest, dass der Wegzug nicht etwa auf einen unattraktiven Standort zurückzuführen sei, sondern auf den generellen Entschluss der Betreiber, alle Filialen im Rhein-Main-Gebiet aufzugeben. „Seit Anfang Februar steht die Verwaltung in fast wöchentlichem Kontakt mit Norma und Tengelmann“, sagt Blank. Anfragen bei Rewe und Tegut seien gelaufen. Sachstand sei, dass die Normakette starkes Interesse am Tengelmann-Standort habe und in Verhandlungen stehe. Schließlich beschied Blank der SPD, die Verwaltung könne bei all diesen Gesprächen nur als Vermittler auftreten.

Christian Ries unterstrich für die CDU, sie sehe sich durch den Bürgermeister und die Verwaltung bestens informiert. Es brauche den SPD-Antrag nicht, das Thema sei gut besetzt. Dies sah Gerhard Bonifer-Dörr, Fraktionsvorsitzender der ALMA, freilich nicht so. Seine Fraktion werde die SPD unterstützen, ein fundiert angelegtes Konzept für die Erhaltung der Ortsmitte sei nötig. Eine Verschiebung des Zentrums an den Rand gehe zu Lasten der weniger mobilen Bevölkerung in den Wohngebieten, das dürfe nicht sein, griff er Bedenken von Bulang auf.

Quelle: op-online.de

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