Spinnenbiss am Schildkrötengelege

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Wolfgang Schwarz präsentiert seine Bilder vom Naturschutz-Abenteuer in Costa Rica auf einem neu angeschafften Laptop. Freunde und Bekannte lud er auch schon zur Leinwand-Schau in Schoeltzke-Haus ein.

Altheim - Eigentlich ist Wolfgang Schwarz ja auf Vögel abonniert und für diese Leidenschaft weit über die Grenzen Altheims hinaus bekannt. Von Thomas Meier

Jedenfalls spätestens seit dem Vorfall mit dem bösen Nachbarn, der die Störche im April 2010 ausgerechnet in dem Moment mit der Fanfare vertrieb, als sie sich endlich auf der für teueres Geld auf dem Dach installierten Nisthilfe des Vogelschützers niederlassen wollten. Damals berichteten unsere Zeitung und der Hessische Rundfunk ausführlich über Schwarz, der sich kürzlich an Costa Ricas Küste Schildkröten angenommen hatte. Besser: dem Schutz ihrer Gelege. Und eigentlich wollte der Weltenbummler in Sachen Natur- und Umweltschutz auch noch weiter an und in den Regenwald und Touristen betreuen, hätte ihn nicht eine Spinne in den Finger gebissen und zur vorzeitigen Rückkehr gezwungen.

Doch der Reihe nach:

Der 49-jährige Altheimer, dessen Eltern aus der Slowakei vertrieben in der Richer Straße eine neue Heimat gefunden hatten, ist gelernter Maurer. Schon als Kind fand er durch die elterliche Landwirtschaft engen Bezug zur Scholle und der Natur. Und seit 1989 ist Schwarz, der über 20 Jahre bei der Fraport als Dokumentenfahrer arbeitet, engagierter Naturschützer. Damals trat er zunächst dem Naturschutzbund Münster bei, kurze Zeit später war er auch bei Greenpeace und dem World Wide Fund For Nature (WWF) eingeschrieben.

Gegen die Jagd auf Greifvögel

Doch in einem Verein „nur“ Mitglied sein, ist nicht Schwarz´ Sache: Im Frühjahr 1991 machte er sich auf gen Sizilien, um an der Straße von Messina nicht nur gegen die Jagd auf Greifvögel („24 Arten werden da heute noch bejagt, einfach unvorstellbar, dieser Frevel!“) sowie Weiß- und Schwarzstörche zu protestieren. Mit der Nabu-Jugend zog er aus, dort das bedrohte Gefieder auch zu zählen und mit der Forstbehörde gegen die Wilderer vorzugehen. Acht Mal war er auf dieser Mission unterwegs, im Jahr 2000 zog er im Herbst gegen die Greifvogeljagd zu Felde.

Ein Jahr später war Schottland Ziel des Altheimers. Dort arbeitete er in einem Fischadlerzentrum mit, informierte in der angegliederten Beobachtungsstätte Touristen über die Arbeit. Und auch bei der Zugvögel-Zählung in Tunesien wirkte der Freizeit-Vogelkundler mit.

Eier einer ganz anderen Tierart

Nun sollten es Eier einer ganz anderen Tierart sein, denen er sich widmete. „Ich wollte schon immer mal nach Costa Rica“, verrät der Vielleser Schwarz, der sich schon als Kind immer vom Urwald magisch angezogen fühlte. Er hörte von einem neuen Schildkrötenprojekt an der Pazifikküste und informierte sich näher. Über entsprechende Literatur fand er zur „Asociación de Voluntarios para el Servicio en Áreas Protegidas (ASVO)“, einer weltweit Helfer rekrutierenden Naturschutzgesellschaft. „Im Frühjahr habe ich mich dort beworben und umgehend eine Zusage bekommen“, erzählt Wolfgang Schwarz. Ganz kostenfrei ist solch „Volontariat“ freilich nicht: 900 Euro kostete ihn der Flug, 22 US-Dollar nimmt die Gesellschaft pro Tag für Unterkunft und Verpflegung von ihren Helfern im „Turtle-Camp“.

Doch am Strand von Buena Vista fühlte sich Schwarz sofort in seinem Element. Zwei zehn mal 20 Quadratmeter große Gehege am Strand galt es zu betreuen, in die die zuvor am Strand eingesammelten Kröten-Gelege gebracht wurden. „Rund um die Uhr musste alle Viertelstunde kontrolliert werden, ob was geschlüpft ist“, so der Hüter des gepanzerten Nachwuchses. Kamen dann die eingebuddelten Babys der Bastard-Schildkröte aus dem Sand, wurden sie gewogen, vermessen und am Strand wieder ausgesetzt. Gelege und Nachwuchs wurden bewacht, denn nicht nur Waschbären delektieren sich gern an den Leckerbissen, auch die heimische Bevölkerung weiß sie zu schätzen.

Muttertiere, die an den Strand kamen, wurden sogleich verfolgt. „Bei einigen Schildkröten, die ihre Löcher buddelten, brauchte ich hinten nur die Hand aufzuhalten, schon fiel mir die Brut entgegen“, erzählt Schwarz.

Drei Wochen Babykröten-Betreuung

Wiegen, vermessen, notieren und freilassen: Wolfgang Schwarz liebt seinen Job.

Nach drei Wochen Babykröten-Betreuung sollten es eigentlich Touristen im Regenwald bei Corconavo nahe der Grenze zu Panama sein, denen Schwarz sich in seinem Abenteuerurlaub widmen wollte, wäre da nicht die widerliche Spinne gewesen, die ihm mit ihrem Gift eine dicken Strich durch die Urlaubsplanung machte. „Zu Ende der zweiten Woche wurde mein rechter Zeigefinger plötzlich dick“, erinnert sich Schwarz, an ein ursächliches Ereignis allerdings keine Erinnerung habend. Der Finger begann schnell zu schmerzen, Schwarz‘ Kreislauf tanzte Samba. „Es half nichts, ich musste in die Hauptstadt San Jose ins Krankenhaus.“ Dort wurde erst einmal die in Finger und Hand angesammelte Eiterflüssigkeit abgelassen. Doch mehr passierte zunächst nicht, „obwohl der Finger nun höllisch brannte.“ Die Ärzte glaubten zunächst an einen entzündeten Splitter als Ursache und hofften auf die Selbstheilungskräfte. Als sie ausblieben und der Altheimer mehr und effektivere Behandlung einklagte, gaben sie ihm zu verstehen, sie würden nicht operieren, das geschehe besser in der Heimat.

Und in die verzog sich so der heimische Vogelschützer auch alsbald. Über ein Vierteljahr laborierte er mit Fachärzten und bei zahlreichen notwendigen Spülungen im Dieburger St. Rochus-Krankenhaus an seinem „Andenken“ aus Costa Rica herum. Hier bekam er auch die Diagnose Spinnenbiss für sein toxisches Trauma. Doch letzteres hindert den Altheimer nicht, schon längst wieder Pläne für weitere globale Expeditionen zu schmieden. „Zunächst geht es im Frühjahr in den Nationalpark in Costa Rica, dort gibt es Landschildkröten, die geschützt werden müssen.“ Ja und dann sind da noch die Berggorillas in Afrika - aber das ist eine andere Geschichte...

Quelle: op-online.de

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