Volltreffer zwischen Diebesgut?

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Ist das Bild identisch mit dem Schmuckstück in der Plastikhülle? Oberkommissar Torsten Bergdolt begutachtet die Abbildungen einer Besucherin, der nach einem Einbruch Wertsachen fehlen.

Darmstadt-Dieburg/ Münster  - Es funkelt und glitzert, hier schimmernde Perlen, dort goldene Broschen. Ein bisschen fühlt man sich wie beim Juwelier. Von Cora Werwitzke

Nur, dass jedes Schmuckstück in einer kleinen Plastiktüte steckt und das Ambiente in etwa so reizvoll ist, wie das eines kahlen Klassenzimmers.

Genau genommen hat die Ausstellung von Wertgegenständen nicht den aller erfreulichsten Hintergrund. Sämtliche Ketten, Uhren, Ohrringe, Armbänder, Kameras und Laptops liegen im Polizeipräsidium Südhessen aus – und warten dort auf ihre rechtmäßigen Besitzer. Gefunden wurden die rund 250 Beutestücke im Fundus einer Gaunerbande, die seit Herbst 2010 in den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Bergstraße und Groß-Gerau ihr Unwesen trieb. Mitte Juni ging die Bande der Polizei ins Netz. Geschätzt wird, dass wohl 80 Wohnungseinbrüche auf ihr Konto gehen. Doch genau wie beim tatsächlichen Aktionsradius der mutmaßlichen Täter, muss sich die Polizei derzeit noch auf Vermutungen stützen. „Das macht es auch so schwierig einzuschätzen, wohin die gefundenen Wertsachen gehören“, sagt Oberkommissar Torsten Bergdolt. Einige Wohnungseinbrüche könnten zwar mit der Bande in Verbindung gebracht werden, oftmals sei die Täterfrage bei Einbrüchen jedoch offen: „So kommt es, dass wir nur in 19 Fällen Betroffene direkt von der Ausstellung der Wertgegenstände benachrichtigen konnten, weil wir dank Spuren wussten, dass die Bande mutmaßlich für diese Einbrüche verantwortlich war“, erläutert der Oberkommissar. Das Diebesgut könne somit mehr oder weniger jedem gehören, bei dem in der Region seit Herbst eingebrochen wurde. Von der Ausstellungsaktion erhofft sich die Polizei laut Pressesprecher Marc Wuthe dann eben auch weitere Anhaltspunkte zum Aktionsradius der Tatverdächtigen.

Im Polizeipräsidium zeigt die Uhr kurz nach 11 an. Beate K. (Name geändert) beugt sich über die auf dem Tisch ausgebreiteten Wertsachen. Die Altheimerin vermisst unter anderem ihren Laptop, eine externe Festplatte und diversen Schmuck. „Sie hebelten um Weihnachten herum die Terrassentür auf“, sagt sie über die Täter. Wann genau, weiß sie nicht: „Ich kam erst Anfang Januar zurück.“

Die Hoffnung, wirklich etwas wiederzufinden, ist nicht völlig unbegründet: Ein Ring weckt Beate K.s Aufmerksamkeit. „Der könnte es sein“, murmelt sie. Oberkommissar Torsten Bergdolt kommt dazu. Er notiert sich Beate K.s Daten. Man werde nach Möglichkeit prüfen, ob es ihr Ring sei, meint er. Wirklich wichtig ist das Beate K. nicht. „Diesen Ring gab es bei Tchibo, also bin ich vielleicht nicht die Einzige, die solch einen hatte.“ Immerhin passt das Schmuckstück. Von ihren selbst kreierten Ringen, die die Frau aus Altheim wiederzufinden hoffte, fehlt jedoch weiterhin jede Spur.

Innerhalb einer halben Stunde passieren rund ein Dutzend Besucher den Ausstellungsraum. Die meisten brauchen nicht lange, um mehr oder weniger enttäuscht festzustellen, dass ihre Wertsachen nicht unter dem ausgestellten Diebesgut sind. „Bei uns sind auch Erbstücke weggekommen“, erzählt eine Frau aus dem Kreis Bergstraße. Ihre Augen wandern aufmerksam über die Tische - ohne Erfolg. Hoffnung habe sie sowieso kaum gehabt, bemerkt sie im Weggehen.

„Es ist natürlich Glückssache, hier seinen Besitz wiederzufinden“, räumt Oberkommissar Bergdolt ein. Dafür habe die Vorfelduntersuchung schon Erfolge gebracht: „Wenn Uhren zum Beispiel eine Seriennummer haben, lassen sie sich gut zuordnen.“ Insofern habe man schon das eine oder andere Beutestück wieder dem rechtmäßigen Besitzer aushändigen können.

Die Ausstellung im Darmstädter Präsidium, Klappacher Straße 145, läuft noch die ganze Woche bis einschließlich Freitag, 15. Juli, jeweils zwischen 11 und 15 Uhr. „Die Region um Münster liegt an und für sich nicht unbedingt in dem von uns kalkulierten Aktionsradius der Bande“, schränkt Torsten Bergdolt ein. Wer trotzdem sein Glück versuchen möchte, sollte - falls vorhanden - eine Bescheinigung der polizeilichen Anzeige oder einen Besitznachweis mitbringen. „Bei altem Familienschmuck können auch Fotos bei der Zuordnung helfen“, ergänzt Pressesprecher Wuthe.

Quelle: op-online.de

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