Mit Wachs und Eisen

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Die Münsterer Künstlerin Regina Gärtner beim Aufpolieren eines älteren Wachsbilds.

Münster ‐ Wachsmalerei ist eine Kunst, unter der sich nur wenige etwas vorstellen können. Vielleicht erinnert sich manch einer an die bunten, flächigen Werke seiner Kinder oder Enkel, die aus dem Kindergarten mit nach Hause gebracht worden sind. Aber ist das auch ein Hobby für Erwachsene? Von Jasmine Frank

Davon ist die Münsterin Regina Gärtner überzeugt. Dabei zeigt sie mit ihren vielseitigen Bildern, was mit den heißen Farben alles möglich ist.

Von feinen chinesischen Zeichnungen, über großflächige Blütendarstellungen bis hin zu fantasievollen Landschaftsbildern ist alles machbar. Dabei beeindrucken vor allem die kräftigen Farben mit ihrer Intensität und Leuchtkraft“, sagt die Künstlerin, die seit dem Jahr 1996 nicht den Pinsel, sondern das Bügeleisen schwingt.

Die sogenannte „Encaustic-Malerei“ wurde bereits in der Antike angewandt und ist damit über 3 000 Jahre alt. Musste das Wachs damals noch mühsam mit glühenden Kohlen erhitzt werden, übernimmt das heute ein Maleisen, das an ein Reisebügeleisen erinnert – aber rundum gegen eindringenden Wachs abgedichtet ist. Ansonsten wird nur noch ein „Pen“ benötigt, der ähnlich wie ein Lötkolben funktioniert und mehrere Aufsätze hat – und schon kann es losgehen.

Ich verwende Wachsfarben aus Bienenwachs, die riechen unheimlich gut“, berichtet Gärtner und fährt fort: „Ideal ist ein Papier, das nicht so stark aufsaugt, damit die Farben verlaufen können und tolle Effekte ergeben. Man kann aber auch auf Seiden- oder Pergamentpapier malen, je nachdem, wie das Bild nachher aussehen soll.“

Die gelernte Schneiderin hat schon immer gern kreativ gearbeitet. Auf ihre jetzige Leidenschaft wurde sie aber von einer Freundin aufmerksam gemacht: „Ich wusste damals gar nicht, was Encaustic ist. Jetzt male ich nichts anderes mehr und habe eine ganze Vielfalt an Techniken entwickelt“, fasst die zweifache Mutter und Großmutter ihre künstlerische Entwicklung zusammen. So lassen sich mit dem Maleisen auch große Flächen grundieren, durch auftupfen der Spitze und durch entlangziehen derselben entstehen vielfältige Effekte, die an Hügel, Blätter und Grashalme erinnern.

Von Reisen, die Gärtner gemeinsam mit ihrem Mann unternimmt, lässt sie sich zu neuen Werken inspirieren, so finden sich die Küsten Neuseelands ebenso in Wachs dargestellt wie die Lavendelfelder Südfrankreichs. Am liebsten mag die Münstererin, die auch eine begeisterte Fastnachterin ist, aber Abstraktes: Farben und Formen ziehen sie an. „Mit Wachs zu arbeiten bleibt immer spannend, da man vorher zwar eine ungefähre Vorstellung hat, was man machen will, aber nie genau weiß, wie sich die heiße Farbe verhält. Während man noch malt, entwickelt sich das Bild, und es ergeben sich ganz wunderbare Nuancen“, schwärmt die Malerin, die auch bei Kunst zwischen der Kerb immer wieder gern mit von der Partie ist. „Nächstes Jahr haben wir zehnjähriges Jubiläum, da lasse ich mir etwas ganz besonderes einfallen“, verrät Gärtner und macht sich sogleich an die Arbeit.

Quelle: op-online.de

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