„Wären bald am Ende gewesen“

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Dirigent Georg Braun (links) und das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Altheim unterhielten die Besucher beim Brunnenfest.

Altheim - „Dieser Zulauf ist enorm. Es war von morgens bis zum späten Nachmittag immer voll“, freute sich die Vorsitzende des MGV Altheim, Sigrid Becker, am Sonntag über den Besucherzuspruch auf dem Brunnenfest. So seien die Gäste nach dem Zeltgottesdienst in großer Zahl geblieben und nicht - wie oft üblich - zwischendurch für ein paar Stunden nach Hause gegangen. Von Michael Just

Den Grund für die positive Resonanz sieht Becker, die seit zwei Jahren das Amt der Vorsitzenden inne hat, auch in dem neuen Standort. Feierte man sieben Jahre direkt am Brunnen auf der Hauptstraße, zog man 2008 vor das Gustav-Schoeltzke-Haus hinter der Feuerwehr. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mehr Platz, eine ruhige Lage und auch das aufwändige Absperren der Hauptstraße ist nicht mehr nötig. „Wir werden das in Zukunft nur noch hier machen. Die Leute sind von diesem Standort begeistert“, so die Altheimerin.

Dabei hat sie vor allem das nächste Jahr im Blick, wenn der MGV zum 10. Brunnenfest einlädt. Für das Jubiläum ist eine einschneidende Neuerung geplant: Das Fest wird über zwei Tage gehen, weil man mit einem Festtag kaum noch den Mühen des Aufbaus gerecht wird. „Ich sehe kein Problem darin, auch den Samstagabend mit einem interessanten Programm zu gestalten“, so Becker.

Die neunte Auflage am Wochenende war von einem kurzweiligen Ablauf geprägt. Der Zeltgottesdienst wurde von Pfarrerin Bettina von Bremen aus Groß-Umstadt gestaltet, da Pfarrer Ulrich Möbus derzeit ein Seminar besucht. Zum Brunnenfest-Singen traten mit dem Liederkranz Hergershausen und der Sängervereinigung Semd zusätzlich zum MGV zwei Gastchöre auf. Der späte Nachmittag gehörte dem Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Altheim, die ihrem Ruf als Stimmungsgaranten gerecht wurden. Unter der Leitung von Dirigent Georg Braun, boten die Musiker herzerfrischende Sangeseinlagen.

Auffrischung mit „Lemon Fis“

Mit großer Spannung wurde die Premiere von „Lemon Fis“ erwartet. Das Verjüngungsprojekt des MGV wurde erst im Juni diesen Jahres aus der Taufe gehoben und geht auf die Zeit zurück, als Pfarrer Ulrich Möbus Sänger für einen Valentinsauftritt suchte. „Da haben wir gesehen, dass ein dringender Bedarf für einen jungen Chor im Ort besteht. Bevor die sich nach Münster oder Dieburg orientieren, mussten wir handeln,“ konstatierte Becker.

„Lemon Fis“ soll den Einschnitt in punkto Verjüngung des MGV einläuten. Mit Sibel Demel hat man dafür eine junge Chorleiterin aus Michelstadt gefunden, die schon mehrere Chöre in dieser Form aufgebaut hat. Die Literatur reicht von Rock, Pop über Gospel bis hin zu Filmmusik. Viele Werke sind in englischer Sprache. Becker ist erstaunt, wie leicht vor allem die jüngeren Chormitglieder mit der englischen Sprache umgehen und ohne Textvorlage singen. „Die Älteren haben das mit viel Üben aber auch hingekriegt“, lacht die Vorsitzende.

Für den MGV ist „Lemon Fis“ die zweite große Veränderung in der Chorhistorie, nachdem man bereits den reinen Männerchor in einen gemischten Chor umwandelte.

Heute bestimmen vor allem Frauen das Bild des klassischen MGV-Chores. Gesungen wird bis ins höchste Alter. Davon zeugt die Altersspanne, die bis ins 80. Lebensjahr reicht. Mit „Lemon Fis“ hat man nun eine Plattform geschaffen, auf der sich vor allem jüngere Sängerinnen wohl fühlen sollen. Derzeit schwankt das Alter zwischen 15 und 50 Jahren. „Ein paar ältere Sängerinnen helfen noch beim Aufbau. Wenn der Chor auf festen Beinen steht, wollen sie sich aber zurückziehen“, erzählt Becker, die derzeit ebenfalls „auf zwei Hochzeiten tanzt“, beziehungsweise singt. Mit dem neuen Chor verfolgt die Vorsitzende ehrgeizige Ziele. In den nächsten Monaten soll der Mitgliederzahl von 27 auf 40 erweitert werden.

Für das Brunnenfest 2010 hofft Becker auf die gleiche Resonanz wie in diesem Jahr. „Das muss sich lohnen, sonst kann man heute nicht mehr überleben“, erinnert die Vorsitzende an die finanziellen Herausforderungen, mit der fast alle Vereine konfrontiert sind. Vor allem durch eine weitere Chorleiterstelle für „Lemon Fis“ habe sich eine neue Kostenstelle aufgetan. Für Becker stellt diese aber nicht nur eine sinnvolle, sondern auch eine notwendige Ausgabe dar: „Hätten wir diesen Schritt nicht gemacht, wäre der MGV in seiner vorherigen Form in wenigen Jahren am Ende gewesen.“

Quelle: op-online.de

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