Walderkundung der Jugendgruppen

Lurchi versteckt sich im Unterholz

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Ein Rosenkäfer ist nicht rot.

Münster - Mit technischen Geräten haben die Jugendgruppen des Nabu Münster und Schaafheim den Wald erkundet. Von Fabian Sell

„Man muss kein Programm haben, man schaut einfach, was die Natur zu bieten hat“, sagt Yvonne Lücke. Federnden Schrittes durchschreitet die Biologin einen Waldweg nahe Schaafheim. Ihre unter einer beigen Schildkappe verborgenen Augen wandern zuweilen über Bäume, Sträucher und Pfade, um sich dann wieder auf die neben und hinter ihr laufenden Kinder zu konzentrieren.

Es ist der Nabu-Nachwuchs aus Münster und Schaafheim, den sie gerade anführt. Seit gestern zelten die zwölf jungen Menschen sowie einige Eltern nahe des Freibads in Schaafheim. Mit dem Mond als Straßenlaterne waren sie gestern Nacht bereits drei Stunden wandern. Heute suchen sie Lurchi, den Feuersalamander – mit GPS-Geräten. Multicache lautet der Fachausdruck für diese elektronische Schnitzeljagd. Auf mehr als 1,7 Kilometer und sieben Stationen durchstreifen die Naturfreunde den Wald. Stets müssen die Jungen und Mädchen dabei kindgerecht präsentierte Rätsel lösen. Die lesen die Teilnehmer abwechselnd aus dem Begleitheft vor.

Ameisenhaufen in der Nähe

„An dieser dicken Eiche haben früher meine Vorfahren gelebt. Das ist aber sehr viele Jahre her. Was glaubt ihr, welchen Umfang diese dicke Eiche hat?“, lautet etwa ein solches Rätsel. Einer liest die Aufgabe vor. Dann spurten die Kinder los. Es gilt, die Messleine hinter einem Baum zu finden. Die Leine ist schnell entdeckt, der Baum in Gruppenarbeit rasch umspannt. Zirka drei Meter fünfzig heißt das Messergebnis, das die Koordinaten der nächsten Station liefert.

Ein Rosenkäfer ist nicht rot.

„Wer hatte die GPS-Geräte noch nicht?“, ist eine häufige Frage, die Yvonne Lücke stellt. Dann verteilt sie die beiden Geräte: Eines zeigt mithilfe eines Pfeiles die Himmelsrichtung an, die zur nächsten Station führt, das andere die Koordinatenwerte. Bereits am Vortag haben die Kinder gelernt, was GPS ist, und wie es funktioniert. So finden sie zwar rasch von einem Punkt zum nächsten – die eigentliche Route unterbrechen sie gleichwohl häufig.

Der Grund: Die Vielfalt der Natur fasziniert den Nabu-Nachwuchs ebenso wie deren Eltern. „Ein Ameisenhaufen ist hier in der Nähe“, kündigt Yvonne Lücke etwa einmal eine kurze Exkursion ins Unterholz an. Den genauen Standort kenne sie zwar nicht, gibt aber den Tipp, einfach den Ameisen hinterherzulaufen, sobald welche auftauchen.

Später, wieder auf festem Weg, bleibt zunächst einer, dann schließlich alle Kinder stehen. Die Köpfe beugen sich, denn auf dem Boden sitzt ein Rosenkäfer. Aufgrund seines grünlich glänzenden Körpers fällt er sofort ins Auge. „Der klebt überall an der Hand“, meint Yannic, als er das Insekt in die Hand nimmt. Die Art des Rosenkäfers kennt der Zehnjährige. Yannic ist bereits seit zwei bis drei Jahren bei Nabu.

In dieser Zeit hat er schon einiges erfahren – hat Biotope erkundet, Holz gesammelt oder sogar Igel ausgewildert. Das entspricht auch dem Ziel, das die Biologin Yvonne Lück für das Multicache im Wald ausspricht: „Die Kinder sollen im Wald sein und die Natur erleben.“ Nach etwa zwei Stunden kommt die Gruppe zur letzten Station. Hier ist Feuersalamander Lurchi versteckt. „Welchen Specht gibt es wirklich? Den Clown-, Schluck- oder Schwarzspecht“, war das Rätsel, das sie dorthin geführt hat. Yannic hat ihn im Unterholz schnell entdeckt – doch es ist nur eine Plastikattrappe.

Bei der späteren Nachtwanderung haben die Kinder den Feuersalamander allerdings in natura entdeckt. „Das war genial“, betont Yvonne Lücke. „Wir sind fünf Schritte gelaufen und da war schon der erste.“ Alsbald folgten weitere – kleine wie große. Letztlich kamen die Naturfreunde auf die stolze Summe von 18 Feuersalamander.

Quelle: op-online.de

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