Walisische Lebensfreude in Münster

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In der gemütlichen Atmosphäre des neuen britischen Cafés 212 fühlt sich Sängerin Melanie DeVall so wohl, dass sie dort nicht nur auftritt, sondern auch mitarbeitet.

Münster ‐ Nicht immer waren Engländer und Deutsche gut aufeinander zu sprechen – man denke nur an das Endspiel der Fußball-WM 1966 in Wembley. Dennoch fühlen sich einige Briten in Münster und Umgebung so wohl, dass sie den Menschen mehr vom „British way of life“ vermitteln wollen. Von Jasmin Frank

„Viele assoziieren mit England immer nur eines – Regenwetter“, schmunzelt Melanie DeVall. Die Waliserin mit der rauchigen Stimme ist eine gefragte Sängerin und tritt in der gesamten Region auf. Neben Coversongs von Joe Cocker, Cher und Tom Jones hat sie auch eigene Songs ihrer CD „Shine on“ im Repertoire, in dem sie Celtic Folk mit Soft Rock und Country vereint. „Ich bin das Jüngste von sechs Kindern und bei uns zu Hause haben einfach alle gesungen, das gehörte dazu“, erinnert sich die große, schlanke Frau mit dem frechen Kurzhaarschnitt, die mittlerweile selbst drei Söhne hat.

Vor über 20 Jahren ist sie der Liebe wegen nach Deutschland gekommen und wohnt seit dieser Zeit in Harreshausen. „Für mich war das eine ganz große Umstellung. Zum einen konnte ich überhaupt kein Deutsch, zum anderen sind die Waliser ganz anders als die Menschen hier. Bei mir zu Hause sind alle sehr offen und herzlich und lachen sehr viel. Hier sind alle viel zurückhaltender und halten Distanz. Hat man diese Barriere aber genommen, dann hat man Freunde fürs Leben gefunden“, erzählt sie.

Gersprenz kein Ersatz für das Meer

Am meisten vermisst sie aber eines: das Meer. „Mein Elternhaus steht direkt an der Atlantikküste und rundherum ist Natur pur. Die habe ich hier zwar auch, aber die Gersprenz ist doch kein Ersatz für das Meer“, lacht sie. Häufig ist sie jetzt in Münster zu sehen, denn im neuen britischen Café 212 hilft sie nicht nur mit, sondern tritt auch als Sängerin auf. Nachdem der letzte Abend mit ihren Liedern ein voller Erfolg war, ist sie am 14. Mai wieder zu hören. Doch die Powerfrau hat noch mehr zu bieten: Sie hat zwei Huskys, mit denen sie auch Rennen fährt. „Jetzt, wenn es warm ist, fahre ich mit einem Trainingswagen so etwa 15 Kilometer. Das mache ich gleich morgens früh um sechs, damit es den Hunden nicht zu warm wird“, erzählt sie.

Nun, da ihre Kinder weitestgehend groß sind und sie neben Singen, Haushalt und Training noch ein wenig freie Zeit hatte, wollte sie diese sofort gefüllt wissen. „Ich bin einfach zu unserem Seniorenheim gegangen und habe nachgefragt, ob sie noch Unterstützung brauchen. Jetzt fahre ich das Essen auf Rädern aus, das ist eine Aufgabe, die mich sehr erfüllt“, erzählt sie begeistert. Wenn sie von den alten Menschen berichtet, wird auch das Energiebünden DeVall ruhiger und meint: „Sie freuen sich immer, wenn ich komme, denn für manche bin ich der einzige Kontakt. Einige sind auch krank und liegen im Bett, da versuche ich schon ein bisschen Lebensfreude zu verbreiten.“

Café mit Kostümverleih

Das dürfte der aktiven Frau nicht schwer fallen, denn schon ist sie wieder auf den Beinen und zeigt noch eine Besonderheit des Münsterer Cafés 212: Im Nebenraum ist ein Kostüm- und Dekorationsverleih untergebracht. Will jemand eine Party feiern und indisches, italienisches oder amerikanisches Flair verbreiten – dort ist alles vorhanden, was man dazu braucht, von der amerikanischen Zapfsäule und einem Tankwartanzug bis hin zum indischen Palast auf Leinwand und einem Buddha. „Bei uns ist für alle Kulturen etwas vorhanden, zudem findet man einfach kuriose Dinge“, lacht DeVall über das Sammelsurium und hält einige Perücken hoch.

Schnell muss sie aber wieder zurück zu den Gästen im Café und wieder schmunzelt sie mit rauer Stimme: „Ich bin eben multitasking-fähig!“. Schon wird noch ein Tee ausgeschenkt und eine original englische Orangenmarmelade verpackt, da verschwindet sie in der Küche, um einen echten britischen Snack zuzubereiten: Scotch Eggs. „Dafür nehme ich ein gekochtes Ei, das ich mit gut gewürztem Hackfleisch ummantele, kurz anbrate und dann im Ofen gare. Dazu isst man Toast mit Senf“, verrät sie und dann singt sie vergnügt vor sich hin, als kleine Probe vor dem großen Auftritt.

Quelle: op-online.de

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