Weltmeisterlich Rohre verbiegen

Fachbereichsleiter Herbert Hitzel kennt sich in der Ausbildung junger Leute bestens aus.

Münster - Wo werden Weltmeister gemacht? Offenbar in Münster. Denn nicht nur im Sport sorgt Tischtennis-Ass Jörg Roßkopf oder der Verein Radsport mit seinen Einradfahrern für höchste Titel (wir berichteten), auch im Handwerk geht es voran. Von Jasmin Frank

Der Münsterer Herbert Hitzel trainiert zwei junge Männer, die bei der Weltmeisterschaft für Gas-, Wasser- und Heizungsinstallationen in London antreten werden. „Die Austragung ist zwar erst im Oktober, doch schon jetzt muss alles vorbereitet werden. Ich überlege mir genau, wie ich die beiden coachen werde, denn es muss alles bis auf das i-Tüpfelchen genau stimmen“, erzählt Hitzel.

Er ist in Sachen Ausbildung routiniert, da er für die Handwerkskammer Rhein-Main nicht nur Auszubildende zu Gesellen macht, sondern diese auch zu Meistern qualifiziert. Zudem ist der „Fachbereichsleiter der Anlagenmechaniker Sanitär–Heizung–Klima“ auch für Fortbildungen und Umschulungen zuständig. Im September werden deshalb Timo Bartow aus Hamburg und Stefan Ebner aus Schweinfurt in seine Werkstatt nach Weiterstadt kommen, um dort alles zu lernen, was sie für ihre viertägige Spezialaufgabe brauchen. „Die beiden Gesellen haben sich qualifiziert, weil sie beim Bundesentscheid gewonnen haben. Das bedeutet, dass sie auch schon Innungsbeste und Landessieger waren“, berichtet Hitzel. Natürlich könnten sie dementsprechend auch schon vieles und seien motiviert. „Aber die Aufgabe ist so komplex, dass mancher Meister wegen der vielen Details ins Schwitzen kommen würde“, schmunzelt der Fachmann.

Abläufe müssen klar sein - jeder Handgriff muss sitzen

Errichtet werden muss unter Einhaltung der Zeitvorgabe je eine Hausinstallation im sanitär- und heizungstechnischen Bereich aus verschiedenen Materialien. Dabei ist lediglich eine Abweichung von zwei Millimetern von der gezeichneten Vorlage erlaubt. Im Großen und Ganzen ist die Aufgabe zwar bekannt, sie wird aber dennoch vor Ort um etwa 30 Prozent variiert, so dass vieles spontan entschieden werden muss. „Ich hoffe den beiden noch den letzten Schliff in ihrer handwerklichen Fertigkeit und in Materialkunde geben zu können, damit sie so versiert sind, dass ihnen keine Veränderung der Aufgabe mehr etwas anhaben kann“, versichert der Familienvater.

Die Gesellen haben unter anderem alle Rohre selbst anzufertigen, dazu müssen sie zum Beispiel wissen, dass ein Kupferrohr kalt, ein Stahlrohr jedoch warm verbogen wird. Letztlich seien dies Standards, die in der Ausbildung vermittelt werden, meint Hitzel und fügt hinzu: „Wichtig ist, dass die Abläufe klar sind und jeder Handgriff sitzt.“ Deshalb müsse auch das Werkzeug schon entsprechend bereit liegen. Dafür sorge er derzeit vor Ort.

Wettbewerb ist Aushängeschild für das Handwerk

Timo Bartow und Stefan Ebner treten gegen eine harte Konkurrenz aus aller Herren Länder an, so wird in der Schweiz und in Österreich ein ganzes Jahr lang auf den Wettbewerb hintrainiert. Der Münsterer muss diese Vorbereitung mit seinen Schützlingen innerhalb von 14 Tagen leisten. Für das Handwerk ist der Wettbewerb ein Aushängeschild, denn durch ihn wird schnell deutlich, auf welchem Stand die heimische Ausbildung im weltweiten Vergleich rangiert.

Getragen wird die Weltmeisterschaft im Wesentlichen von dem Trägerverein „WorldSkills“, der Jugendberufswettbewerbe in verschiedenen Kategorien veranstaltet und von sich sagt: „Unsere Mission ist die ständige Aufwertung des Ansehens handwerklicher Berufe und der Berufsbildung weltweit – auf innovative und zukunftsorientierte Art und Weise.“

Ob diese Mission von deutscher Seite erfüllt werden kann, wird sich im Oktober zeigen. Herbert Hitzel und seine zwei Teilnehmer werden bis dahin jedenfalls trainieren, was das Zeug hält.

Quelle: op-online.de

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