Münster

Weltreligionen in Bildern kennen lernen

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Spirituelle Kunst bei „Darmadi Arts“

Hülya Lehrs Lebenslauf klingt wie der vieler Deutsch-Türken, deren Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind: Schon in ihrer Kindheit pendelte sie ständig zwischen der Türkei und Deutschland hin und her.

Münster (kj) -  In der Grundschule sprach sie kein Wort Deutsch; deshalb musste sie zur Hauptschule gehen. Erst mit 19 Jahren konnte sie die Sprache ihrer neuen Heimat und hatte die Chance, auf dem Gymnasium und im Studium zu zeigen, was in ihr steckte. Was sie wirklich im Leben wollte, entdeckte sie erst später – und auf dem fernen Bali. Heute handelt und verkauft sie kulturell-religiöse Bilder und Skulpturen am Münsterer Rathausplatz.

Die Kunst bedeutet für sie, einen Beitrag zu mehr Verständnis zu schaffen, denn „Bilder sagen mehr als Worte“, wie Hülya Lehr meint. Dieses Motto ihres Kunstgeschäfts kommt gut an. „Die Münsterer sind sehr offen, fragen nach und interessieren sich plötzlich für islamische Kunst, die sich doch sehr von der europäischen unterscheidet.“

Außer ihrem Kunstladen „Darmadi Arts“ liegt Hülya Lehr die Arbeit mit zugewanderten Kindern am Herzen. In Märchenstunden für die Kleinen und Bewerbungstraining für Jugendliche gibt sie ihre Erfahrungen weiter. So erhofft sie sich eine bessere Zukunft mit mehr Selbstbewusstsein für die Jugendlichen. „Diese Kinder und ich haben eine gemeinsame Geschichte. Sie haben eine Chance verdient“, ist sie sich sicher.

Seit Jahren beschäftigte sich Hülya Lehr mit der Frage „Was würdest du machen, wenn du keine Angst hättest?“ – ein Buch hatte sie inspiriert. Damals arbeitete sie im Rechenzentrum einer Bank und managte Projekte. Oft ein 18-Stunden-Job. Mit einem Kind noch zu bewältigen, wurde es nach der Geburt des zweiten zu viel. „Im Mutterschutz ist mir das Dach auf den Kopf gefallen“, erzählt Hülya Lehr. Es sei eine nachdenkliche Zeit gewesen, in der sie nicht gewusst habe, wohin der Lebenswandel sie führen würde.

Dann kam Bali: Dort, im Familienurlaub, lernte sie einen Einheimischen kennen, der ihr bei einem Spaziergang am Strand über den Hinduismus erzählte. Es war ihr balinesischer Tauchlehrer Darmadi. Von Vorurteilen geprägt, wie sie heute einräumt, habe sie ihm trotzdem zugehört. „Ich dachte früher, dass der Hinduismus eine frauenfeindliche Religion ist. Immerhin haben Hindus Jahrhunderte lang Frauen bei lebendigem Leib verbrannt, wenn ihr Mann gestorben war“, führt Hülya Lehr aus. „Er hat mir auch erklärt, dass diese Tradition nicht mit dem Hinduismus zusammenhängt.“ Vielmehr habe ein Guru diese Regel einmal erfunden. Tauchlehrer Darmadi ist mittlerweile ein Freund der Familie.

Das Gespräch am Strand von Bali prägte ihr weiteres Leben. „Alle Religionen haben im Grunde ein gemeinsames Ziel vor Augen: Frieden für die Menschen.“ Das wollte sie von nun an jedem zeigen; auch in Form der Kunst in ihrem Geschäft am Münsterer Rathausplatz.

Sie selbst ist gläubige Muslimin und lebt nach islamischem Vorbild. Das bedeutet für sie jedoch nicht, dass sie ein Kopftuch tragen muss. „Tugend und Frömmigkeit kann man nicht durch ein Stück Stoff bekommen. Das Herz muss rein sein“, meint Hülya Lehr. Kopftücher gehören für sie in Gebetshäuser. Trotzdem versteht sie diejenigen, die das Kopftuch im Alltag tragen. Im Islam habe das Kopftuch keinen symbolischen Charakter, erläutert sie. Es spiegelt lediglich Gehorsam gegenüber Gott wider, wie andere Dinge in anderen Religionen auch.

Quelle: op-online.de

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