Wenn das „Altenglück“ in Eppertshausen droht...

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Der Bauernschwank „Alles bestens geregelt“ der Theatergruppe des Eintracht-Fanclubs sorgte in der Münsterer Kulturhalle für kurzweilige Abende.

Münster - Wenn ein verirrter Sachse versucht, einen Ochsen zu melken, ein pathologischer Frauenhasser leidenschaftliche Leserbriefe in einer Frauenpostille beantwortet und ein Fanclub nicht im Stadion sitzt, um die Frankfurter Eintracht anzufeuern, sondern über Textbüchern brütet... Von Ursula Friedrich

...dann hat die Stunde der Theatergruppe des Eintracht Fanclubs Münster-Altheim (EFC) geschlagen. Mit ihrem Schwank „Alles bestens geregelt“ sorgte das Ensemble an drei Abenden in der Kulturhalle für kurzweilige Unterhaltung und ein ordentliches Training der Lachmuskeln. In ihrer 26. Inszenierung blieben die theaterbegeisterten Fußballfans ihrem Genre treu: Mit Komödien, diesmal dem Bauernschwank von Bernd Gombold, punkten sie seit zwei Jahrzehnten bei ihrem treuen Publikum.

Das Stück wurde, leicht modifiziert, an die lokalen Gegebenheiten angepasst, sodass zahlreiche Gags mit Lokalkolorit im Publikum für Vergnügen sorgten. So wurde Opa Anton (Roland Weihert) mit dem Seniorenheim „Altenglück“ in Eppertshausen gedroht. Der bauernschlaue Senior musste sich einer Reinigungsprozedur durch Schwiegertochter Rosi (Edith Damm) und „Oberfeldwebel“ Klara (Helga Bürger-Lehr) unterziehen.

„Man fühlt sich wie ein kastrierter Stallhase auf Diät“, klagte der frischgeschrubbte Opa – dessen Figur für Darsteller Roland Weihert maßgeschneidert war. Überhaupt war es gut geglückt, den einzelnen Darstellern passende Charaktere zuzuteilen. Monika Schwamm brillierte als missgünstige Nachbarin Brunhilde, deren Geiz nicht einmal vor Opas bräunlichem Badewasser inne hielt (die Badebrühe wurde ein weiteres Mal zum Fußbad verwendet). Kein Halten gab es im Publikum, wenn Reinhard, ein Doktor der Chemie, mit sächsischem Slang und frei von jeder Begabung als Tierhebamme über die Bühne schlappste. Sascha Diehl begeisterte in der Rolle der klischeetriefenden, pomadengestylten Figur. Ihr Debüt feierte Christina Weihert, die als naive Postbotin in Reinhard endlich ihren Traumprinzen fand.

„Sind auf dem Adlerhof denn alle ballaballa?“ mit dieser rhetorischen Frage traf Hajo (Klaus Damm) absolut ins Schwarze. „Das Stück macht soviel Spaß, dass wir uns zusammenreißen müssen, um nicht selbst dauernd loszulachen“, erklärte der Darsteller in der Pause schmunzelnd. Dabei hatten die vergangenen Wochen fast täglichen Probens und Herstellens eines aufwendigen Bühnenbilds viel Energie verzehrt. In den beiden Pausen ging es hinter den Kulissen noch einmal mit unterschiedlichen Mitteln einem Erzfeind zu Leibe: Dem Lampenfieber. Während Brunhilde über dem Textbuch brütete, saugten andere an einer Zigarette oder versuchten es mit spirituellen Übungen.

Mit Angela Weihert als Edelzicke Sonja und dem ewigen Junggesellen Gustav alias Werner Lehr war das Ensemble komplett. Als Souffleuse war Miriam Weihert und in der Maske Petra Ahlheim dabei. Eine Crew, von 17 bis 62 Jahren, die neben der Liebe für die Eintracht eine zweite Passion verbindet. „Wir sind der einzige Fanclub mit Theatergruppe“, sagte Opa Anton.

Quelle: op-online.de

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