Wenn Müll nicht im Müll landet

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Eines seiner Lieblingsstücke ist der Banker. Manfred Minten fertigt vorzugsweise Skulpturen aus mehr als 300 Jahre altem Eichenholz, das vom bekannten Sprendlinger Schwedenhaus stammt.

Münster ‐ Ein T(h)üringer ist ein Mann, der mit einer Tür ringt. Gleich neben ihm steht der Türkai: Ein Mann namens Kai, der eine Tür hält. Die witzigen Holzfiguren stehen im Regal von Manfred Minten. Und genau darauf kommt es dem Münsterer Bildhauer an: Kunst mit Humor zu schaffen. Von Jasmin Frank

Auf meinen Ausstellungen bin ich immer der meist belachteste Künstler“, freut sich der 60-Jährige und erzählt stolz: „Zuerst gehen die Leute an meinen Skulpturen entlang und meinen: ‚Schön, schön!’ Aber irgendwann lesen sie die Titel und erkennen die Doppeldeutigkeit der Figuren. Dann drehen die Besucher um und schauen sich alles noch mal von vorne an.“ Minten will Kunstwerke schaffen, die es so noch nicht gibt. Ein Weg: Seit einigen Jahren verwendet er nur noch Eichenholz aus dem Jahr 1679. Einen riesigen Vorrat hat er in seinem Garten, denn an einen solchen Schatz kommt man nicht alle Tage.

Sein Holz stammt von dem bekannten Sprendlinger Schwedenhaus, das die skandinavischen Besatzer nach dem 30-jährigen Krieg für einen ihrer Generäle gebaut hatten. Als das Gebäude saniert wurde, gab der Architekt Minten das übrige Holz für dessen Ofen. „Ich habe gleich erkannt, wie gut sich das Holz zu Skulpturen verarbeiten lässt. Zum Verbrennen ist es viel zu schade, außerdem ist es unglaublich hart und würde höchstens ein bisschen kokeln“, erklärt der ehemalige Prüfmechaniker, der an der Opelteststrecke in Dudenhofen gearbeitet hat.

Müllverwertung auf künstlerischem Niveau

Die aktuelle Arbeit des Münsterer Künstlers heißt „Tür an Tür“.

Weil das Eichenholz so hart ist, greift Minten nicht zu herkömmlichen Schnitzwerkzeugen, sondern zu Teppichmessern. Derzeit arbeitet er an einer Skulptur mit dem Titel „Tür an Tür“: Ein Eingang ist für die durch den Hit der britischen Band Smokie bekannte Dame reserviert. Oft bezieht der ehemalige Hobbyrennfahrer eine Serie von Plastiken auf ein Thema: Vor den Türen waren es Boote. Sein beliebtestes Modell sind die „R(h)einschiffer“: Auf einem Schiff stehen Männer und erleichtern sich in Richtung Wasser. Doch nicht nur Witziges, auch Kritisches ist bei dem Münsterer zu finden, der sich im Naturschutzbund und bei der Dieburger Tafel engagiert. Zu Zeiten von Klonschaf Dolly schuf er eine Keramik, die aus zwei Schafen besteht, die am Hinterteil, das ein Clownsgesicht ziert, zusammengewachsen sind. Auch Seitenhiebe auf die kleinere Nachbargemeinde erlaubt sich der Münsterer Künstler und zeigt mit einem Augenzwinkern eine Tonfigur mit Kupferlasur: „In Eppertshausen steht ja ein Seiltänzer, der mit verbundenen Augen balanciert. Ich habe ein Münsterer Pendant geschaffen, das so schlau ist, mit einem Auge unter der Binde hindurchzulinsen.“

Mehr Informationen zum Künstler Manfred Minten gibt es auf seiner Internetseite.

Derzeit stehen Ton und Eisen zwar nicht auf seinem Programm, aber im Winter sucht er aus Platzgründen nach Alternativen zu den aufwändigen Holzskulpturen. Deshalb baut er bunte Vogelhäuser, die mit allen möglichen gebrauchten Gegenständen ausgestattet werden – vom Puppenkopf über Uhren bis zum Topfdeckel. Auch Teichschwimmer aus alten metallenen Wärmflaschen hat er im Sortiment. „Meine Bekannten heben schon alles Mögliche auf und bringen es mir vorbei, weil sie wissen, dass ich es für meine Werke gebrauchen kann“, erzählt Minten lachend. „Tja, so einfach in den Müll wandert bei uns nichts mehr. Ich muss Manfred erst einmal alles zeigen, damit er sehen kann, ob er es nicht doch irgendwie verwenden kann“, ergänzt Ehefrau Ursula schmunzelnd: „Ich finde sein Hobby aber trotzdem wunderbar. So hat jeder sein Steckenpferd, ich meinen Sport und er seine Kunst.“ Wer sich für die humorvollen Werke interessiert, kann sich auf der Homepage des Künstlers einen Einblick verschaffen oder die nächste Ausstellung von „Kunst zwischen der Kerb“ besuchen.

Quelle: op-online.de

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