Nach Absprache mit Denkmalschutz Westfront Hessischen Hofs verschindelt

Von Wetter und Verkehr zerzaust

Die westliche Fassade des ehemaligen Hessischen Hofs wird nun von traditionell hergestellten Schindeln vor Wettereinflüssen geschützt. Fotos: Th. Meier

Altheim – Der altehrwürdige Hessische Hof in Altheim, einst mit großem Saal versehen Treffpunkt und Feierstätte im Ort, er ist schon lange nicht mehr. VON THOMAS MEIER

Doch der schmucke Fachwerkbau, errichtet vom Adelsgeschlecht der hessischen Linie derer von Gaylings in den Jahren 1802 bis 1804, der steht noch an der Ecke der Hauptstraße/Kirchstraße. Doch litt die Fassade in jüngster Zeit arg, vor allem auf der Westseite. Doch nicht nur das Wetter machte dem zuletzt immer stärker bröckelnden Putz zu schaffen, auch die Erschütterungen durch einen immer größer werdenden Lkw-Verkehr setzte dem alten Bau wohl zu. Weshalb sich die Fassade zur Kirchstraße hin nun auch in frisch verschindeltem Erscheinungsbild zeigt. Alles in Absprache mit dem Denkmalschutz und mit neuen Holzplättchen nach traditioneller Machart aus dem Vogelsberg verwirklicht von seinem Besitzer Roger Rigorth.

2009 kaufte der 1965 in der Schweiz gebürtige Künstler, der im Südhessischen aufwuchs und nach vielen Auslandsaufenthalten auch immer wieder dorthin zurückfindet, das Anwesen mit seinen 500 Quadratmetern Grundstück. Familie Müller, die es zuvor bis zuletzt als Gaststätte verpachtet hatte, scheute anfallende Investitionen und veräußerte den Bau.

Und wohl auch Rigorth wäre am ehemaligen Gehöft mit Stallungen verzweifelt, hätte er als gelernter Holzbildhauer mit viel Verständnis für die Materie nicht zahlreiche notwendige Sanierungen und Ausbauten in Eigenleistung und mit Hilfe zahlreicher Freunde und Bekannte stemmen können.

Als eine der ersten Maßnahmen musste der ehemalige Tanzsaal, heute Wohnloft des Künstlers, in seiner Statik gesichert werden. Die Bohlen unterm durchgeschwoften Parkett bogen sich bedrohlich.

Dies war nicht die erste Aufgabe, die zum Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes dringend notwendig war, und das Verkleiden wird ganz sicher nicht die letzte gewesen sein. „Mit solch einem Haus hat man immer zu tun“, weiß Rigorth.

Leidvolle Erfahrungen musste er auch in den vergangenen Wochen bei den Arbeiten an den nun nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzten Gefachen an der Westseite des Gebäudes machen. Vor dem Verschalen mit Vogelsberger Schindeln wollten Teile der Außenfassade ersetzt und zu rund 25 Prozent neu ausgefüllt sein. Den alten, zwischen den Balken verbauten Lehm verwendete der Kreative – fachgerecht aufbereitet – dabei wieder. Auch die alten, handgestrichenen Tonziegel wanderten nicht etwa auf den Müll, sondern in die Gefache zurück, bevor die neuen, ölgestrichenen Schindeln aus Eichenholz aufgebracht wurden.

Selbst einige Deckenbalkenköpfe mussten fachgerecht restauriert und aufgearbeitet werden. Auch sie hatten hinterm Putz gelitten, waren verfault bis in die Decke hinein. „Gut, dass dies jetzt aufgefallen ist. Auch hier war es höchste Zeit, dass etwas geschieht“, sagt der Besitzer des Gehöfts.

Bevor er sich ans Werk machte, kontaktierte er die Untere Denkmalschutzbehörde. Eine ganze Liste von Auflagen waren zu erfüllen. Das Fachwerk mit Schindeln zu überdecken, war schnell genehmigt, schließlich war es Jahrhunderte lang die angewandte Technik, derer man sich bediente, wenn die Fassade zu sehr unterm äußeren Einfluss litt. Die Seite zur Hauptstraße hin bleibt als Fachwerkfassade erhalten, hier halten sich die Schäden noch in Grenzen.

" Randnotiz

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Quelle: op-online.de

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