Wider die Leerstandstristesse

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Hotelier Jörg Schäfer und Praktikantin Linda Wisker dekorierten das Schaufenster des ehemaligen Cetral-Kaufhauses am Münsterer Rathausplatz. Ein Test ergab: sehr gemütlich und beschaulich, das adventliche Ambiente.

Münster ‐ „Ich glaub mich knutscht ein Elch!“ Dies dürfte manchem in den Sinn kommen, der am ehemaligen Central-Kaufhaus vorbei gen Rathausplatz fährt. Von Thomas Meier

Denn dort in den riesigen Schaufenstern, die jahrelang durch gähnende Leere und verschmutzte Scheiben eher unangenehm auffielen, tut sich endlich mal etwas. Und dies tageszeitbedingt mal mehr, mal weniger: Weihnachtlich geschmückt präsentiert sich ein gemütliches Wohnzimmer mit loderndem Kaminfeuer, Christbaum und -bäumchen, einem Kantenhocker-Nikolaus auf der Couch, Plätzchenbackbuch auf dem Tisch neben dem Weihnachtskonfekt und der aufgebauten Carrera-Kinderrennbahn auf dem Fußboden. Damit nicht genug: Mit der dräuenden Novemberdunkelheit kommt noch viel mehr Leben in die vielgescholtene, weil sich sonst so trostlos präsentierende Kaufhausbude: Auf einer vier Meter breiten Leinwand erscheinen farbenprächtige Winterlandschaften, eine Rotte Wildschweine stapft durch die verschneite Kulisse und schließlich rollen gar riesige Trucks in Christmas-Outfit heran, um für eine coffeinhaltige Limonade Werbung zu machen.

Die Idee zu dieser schmucken Verwandlung von der Leerstandstristesse zum adventlichen Winterwunderland hatten Bärbel und Jörg Schäfer, die das Hotel und Restaurant am Rathaus in der Leibnizstraße 6 betreiben. „So wie das die ganze Zeit ausschaut, ist es schon fast geschäftsschädigend“, sagt Jörg Schäfer mit einem zwinkernden Auge. Er weiß: Ein schöneres Umfeld nutzt dem gesamten Rathausplatz und seinen Anliegern. Allen voran das Rathaus, aber freilich auch den noch wenigen, verbliebenen Geschäften und Gastronomiebetrieben.

Das Central-Kaufhaus am Rathausplatz in Münster ist seit rund 13 Jahren geschlossen. Die Kunden blieben aus. Und auch ein Aktionskaufhaus, das im Mai 2007 seine Pforten öffnete, musste nach wenigen Monaten wieder schließen. Da nutzte es auch nichts, Ende 2007 einen Schnäppchenmarkt daraus zu machen: Die Kundschaft nahm den Laden auf drei Stockwerken einfach nicht an.

Seit etwa einem Jahr kümmert sich die eigens gegründete Interessengemeinschaft Rathausplatz Münster um eine Wiederbelebung der einst, wenn auch künstlich geschaffenen, florierenden „Ortsmitte“. Auf ihrer jüngsten Sitzung zog sie eine positive Bilanz zur bislang geleisteten Arbeit.

„Der Rathausplatz ist mit seinen Problemen in die Öffentlichkeit gerückt“, konstatiert Sprecherin Enke Kaufhold, langjährige Vorsitzende des Münsterer Gewerbevereins, dem sie bis 1993 vorstand. Wenn auch das erste Lichterfest im Sommer kein so großer Erfolg gewesen sei, so solle es „unbedingt wiederholt“ werden, eventuell im Juni in Verbindung mit einem Markt für „Kitsch, Kunst und Krempel“.

Die Ankündigung der Gemeinde, im kommenden Jahr 200 000 Euro für lange fällige Arbeiten am Rathausplatz und eine Veränderung der Parkmöglichkeiten bereitzustellen, wurde in der IG begrüßt. Große Enttäuschung und Unverständnis jedoch kam bei dem immer wieder im Mittelpunkt stehenden Problem Kaufhaus auf.

Nicole Uhrich vom Amt für Wirtschaftsförderung der Gemeinde Münster hatte mit viel Mühe und Engagement einen Besichtigungstermin mit den verantwortlichen Gremien (Regional-Management und Standortmarketing) und den Besitzern des Kaufhauses vereinbart, um zu überprüfen, ob sich die Immobilie für einen CAP-Supermarkt eignen würde. Kaufhold: „Dieser Termin wurde von den Eigentümern kurzfristig abgesagt mit der Begründung, die neu beauftragte Immobilienfirma habe kein Interesse an solch einem Projekt.“

Eine Belebung habe der Rathausplatz durch die Eröffnung der Vinothek Chianti Toscana in den Räumen der ehemaligen Apotheke erfahren. Zusammen mit dem Hotel, dem Restaurant Ratsstuben und dem geplanten Café in der ehemaligen Immobilie Oestreicher könne der Platz wieder zum Leben erweckt werden, so die IG.

Auf dem Weihnachtsmarkt am 27./28. November wird die IG mit einem Stand vertreten sein, an dem Kartoffellocken angeboten werden. Zudem soll auch mit einem kleinen Fragebogen die Meinung und Vorschläge der Bürger zum Rathausplatz erkundet werden.

Quelle: op-online.de

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