Wenn der Knoten im Taschentuch nicht mehr ausreicht

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Nicht „Hände hoch“, sondern rhythmische Koordination lautete die Devise beim Gedächtnistraining des AWO-Seniorentreffs.

Münster ‐ „Ich bin zwar noch nicht so alt, habe aber plötzlich gemerkt, dass mir Namen nicht mehr so gut einfallen. Da habe ich sofort etwas unternommen und mache seitdem Gedächtnistraining“, erzählt Agnes Heuer, die ihre Erfahrungen aus der Volkshochschule den Senioren des Treffs im Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt zur Verfügung stellte. Von Jasmin Frank

Was sich für manche nach einem anstrengenden Nachmittag anhört, machte den anwesenden Teilnehmerinnen an der Konzentrationsspielen aber viel Spaß und so wurde viel gelacht. Los ging es mit einer Aufmerksamkeitsübung: Jede der Frauen sollte sich zu dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamens einen Geburtsort und einen Beruf ausdenken.

So kam die Lotti aus Lübeck und war Liedermacherin und die Ria stammte als Reinemachefrau aus Richen. In der nächsten Runde wurde es kniffliger, ein passendes Getränk wurde gesucht und schließlich noch ein Lieblingsessen. Lotti wählte Limonade und herzhaften Leberkäse, während Ria den guten Rheinwein und eine Roulade bevorzugte.

Lustig wurde es dann bei den Koordinationsübungen. Zu dem Gedicht „Ein Huhn, das fraß, man glaubt es kaum, die Blätter von dem Gummibaum. Dann lief es in den Hühnerstall und legte einen Gummiball“, mussten die Seniorinnen rhythmisch klatschen, die Hände heben und etliche andere Bewegungen machen.

War das schon, auch wenn es lustig anmutete, alles andere als einfach, wurde es danach erst richtig schwierig: Auf einer Tafel waren die Namen von Farben notiert, allerdings waren sie immer in einer anderen Farbe als der benannten aufgeschrieben worden. Nun galt es zunächst, die Namen vorzulesen, danach aber die Farben zu benennen. „Das ist schon knifflig, da muss ich mich ganz schön besinnen“, meint Regina Bonifer und fügt hinzu, „dass ist aber auch der Sinn der Sache.“

Gymnastik für dne Körper und Gehirnjogging

Die rüstige Dame, die in der nächsten Woche 85 Jahre alt wird, weiß ganz genau, warum sie an solchen Projekten der AWO Münster teilnimmt. „Langsam merke ich einfach das Alter, da lässt man Stück für Stück ein wenig nach. Aber ich koche noch selbst und komme soweit noch gut zurecht“, betont die aktive Frau lächelnd.

Ein paar Plätze weiter grübelt die wesentlich jüngere Hildegard Köhl. Auch sie hat besondere Gründe, ihr Gehirn fit zu halten: „Meine Mutter hatte Alzheimer und erkannte mich zuletzt überhaupt nicht mehr. Das mit ansehen zu müssen, war für mich sehr schlimm. Deshalb mache ich auch regelmäßig Kreuzworträtsel“, erzählt die Münstererin. Alle treibt die Sorge vor dem Thema Demenz um, viele halten den geistigen Abbau für schlimmer als den körperlichen.

„Am besten ist es, Gymnastik für den Körper und Gehirnjogging für den Kopf zu machen“, lacht Agnes Heuer und trainiert eifrig mit den Seniorinnen der Arbeiterwohlfahrt weiter. Das nächste Gedächtnistraining findet zwar erst am 17. August statt, aber vorher trifft sich der Seniorenkreis zu anderen Veranstaltungen und Unternehmungen jeden zweiten Donnerstag um 17 Uhr. Zu den Treffen ist jeder herzlich eingeladen, das Programm gibt es bei der Arbeiterwohlfahrt, Ortsverein Münster.

Quelle: op-online.de

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