Münsterer Bildhauer Löbig schafft Sandstein-Relief

Wilhelm Herz schmückt Kreisel

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Diese Zeichnung von Rennfahrer Wilhelm Herz, die Richard Löbig (l.) angefertigt hat, deutet an, wie das Sandstein-Relief in etwa aussehen wird, das in einigen Monaten den „Spieß-Kreisel“ zieren soll.

Dieburg/Münster - Befahrbar ist er inzwischen, der Kreisverkehr an der evangelischen Kirche in Dieburg. Inoffiziell getauft ist er auch, im Volksmund heißt er wegen der dortigen Autohaus-Vergangenheit bei vielen schlicht „Spieß-Kreisel“. Von Jens Dörr 

Der Münsterer Bildhauer Richard Löbig schafft derzeit ein großes Sandstein-Relief, das der Dieburger Internist Norbert Gottlieb seiner Stadt schenkt. Das Geheimnis, was genau an jener Stelle entstehen wird, haben nun der Dieburger Norbert Gottlieb und der Münsterer Richard Löbig bei einem Treffen mit der Presse gelüftet: Ein Sandstein-Relief des einstigen Rennfahrers Wilhelm Herz wird in einigen Monaten den „Spieß-Kreisel“ schmücken.

Wilhelm Herz, geboren 1912 in Lampertheim und 1995 gestorben, zählte in den 30ern, 40ern und 50ern zu Deutschlands bekanntesten Motorradfahrern. 1938 und 1948 wurde er Deutscher Meister, stellte 1951 zudem den damaligen Geschwindigkeits-Weltrekord auf: Auf seiner Maschine raste er mit 278 Stundenkilometern über die Autobahn zwischen München und Ingolstadt.

Bildhauer Löbig kreiert jenes Relief, das Norbert Gottlieb den Dieburgern für den „Spieß-Kreisel“ spendiert. Das Foto zeigt beide im Keller von Gottliebs Haus, wo der ehemalige Internist mit hunderten Blechmodellen die gesamte Automobilgeschichte nachvollzogen hat.

Noch wichtiger für den Dieburg-Bezug aber: 1948 gewann er in der 350er-NSU-Kompressor-Klasse das legendäre Dieburger Dreiecksrennen. Es war die erste Auflage des Motorsport-Spektakels, das von 1948 bis 1955 achtmal auf einer Strecke, die innerorts die Aschaffenburger und die Groß-Umstädter Straße erfasste und außerorts die den Forst durchschneidende heutige Kreisstraße, stattfand. Zudem lebte das Rennen in bislang drei Revivals (2005, 2009 und 2014) wieder auf.
Als Herz 1948 das Rennen in Dieburg mit haushohem Vorsprung gewann, war Norbert Gottlieb gerade einmal zehn Jahre alt. Spätestens da war er vom Motorsport fasziniert: „Mit zehn Jahren habe ich mir das Motorradfahren selbst beigebracht, mit elf konnte ich Autofahren“, erzählt er, der sich auch bei den bisherigen Revivals einbrachte und dort das Pacecar (Sicherungsfahrzeug) fuhr. In seinem Keller hat Gottlieb eine riesige Sammlung an Blechfahrzeug-Modellen, mit denen er die gesamte Automobilgeschichte nachvollzogen hat – ein Auto- und Motorsportbegeisterter durch und durch.

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Mindestens ebenso am Herzen liegt Gottlieb allerdings „sein“ Dieburg, wo er (wie auch sein Vater) drei Jahrzehnte lang als Internist praktizierte. „Ich möchte meiner Stadt etwas zurückgeben“, sagt der 79-Jährige. Und gebar schon vor vier Jahren die Idee, einen der Dieburger Kreisel, die an der ehemaligen Strecke des Dreiecksrennens liegen, mit einem thematisch passenden Relief bestücken zu lassen.

Vor vier Jahren also nahm Gottlieb seinen ersten Anlauf. Das Vorhaben, es am „Polizei-Kreisel“ umzusetzen, scheiterte noch. In Dieburgs Mitte wird das Relief nun in Bälde Wirklichkeit. Gottlieb betont unterdessen, dass er von seinem Vorhaben schon vor vier Jahren nicht nur den Bürgermeister und den Magistrat, sondern alle Fraktionen im Dieburger Stadtparlament schriftlich über sein Angebot, die Dekoration eines Kreisels mit einem Dreiecksrennen-Motiv zu finanzieren, informiert habe. Dieser Plan sei also schon wesentlich länger verbrieft als Gedankenspiele von evangelischer Kirchengemeinde und Karnevalverein, den Kreisel mit einer von ihnen ersonnenen Gestaltung zu versehen. „Die Sache war also schon längst entschieden, ehe diese weiteren Ideen aufkamen“, sagt Gottlieb.

Dreiecksrennen in Dieburg

Inzwischen ist die Sache nicht nur vom Magistrat beschlossen, sondern auch operativ im Fluss. Mit dem Münsterer Richard Löbig wurde jener Bildhauer beauftragt, der das Relief schaffen soll. Im Gegensatz zu einer vollplastischen und freistehenden Skulptur wird das Werk aus Sandstein auf dem „Spieß-Kreisel“ vor allem von einer Seite aus gut zu erkennen sein: Wenn man aus der Aschaffenburger Straße auf den Kreisel zufährt, wird man Wilhelm Herz besonders gut dabei sehen können, wie er sich in die Linkskurve gen Groß-Umstädter Straße legt.

Die Arbeiten am Sandstein, der aus Miltenberg stammt und optisch zu jenem Stein passen soll, aus dem die evangelische Kirche gebaut ist, hat Löbig bereits begonnen. Auf einen genauen Fertigstellungstermin will sich der Künstler noch nicht festlegen lassen: „Einige Monate“ werde es aber noch dauern, bis das 1,6 Tonnen schwere Relief per Kranwagen an seinen Platz auf den Kreisel gesetzt werden könne. Die ersten Sandsteinquader liegen indes seit wenigen Tagen auf dem Kreiselareal.

Norbert Gottlieb spendiert „seinem“ Dieburg dabei nicht nur die fünfstellige Summe für das Kunstwerk, sondern übernimmt auch die Kosten für die Bepflanzung des Kreisels. Hierbei stand er in den vergangenen Tagen intensiv mit Dirk George vom Dieburger Gartenamt im Austausch. Mit der Bepflanzung soll in Kürze begonnen werden. Eine Beleuchtung erhält die Mitte des Kreisels ebenfalls.

Quelle: op-online.de

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