„Wir haben niemanden überfallen“

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Sascha Mathy, Vorsitzender der fälschlich beschuldigten Münsterer Pfadfinder, hält die Fahne für seine Truppe hoch.

Münster - Da rannte unsere Zeitung bei der Münsterer Pfadfinderschaft gestern doch offene Türen ein, als sie nachfragte, was es denn mit den schlimmen Vorwürfen auf sich habe. Tags zuvor hatten die Pfadfinder nämlich negativ in den Schlagzeilen gestanden. Von Jasmin Frank

Mit 30 Mann hätten die Münsterer St. Georgs-Pfadfinder, Stamm St. Michael, das Zeltlager ihrer Urberacher Kollegen überfallen und dort gleich mehrere Delikte begangen, war dort zu lesen: Es werde wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch ermittelt. In vielen Medien weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus fand diese Meldung Verbreitung. Sie stimmt auch, bis auf den Namen der Gruppierung. Es waren nicht Münsters Pfadfinder, die böllernd und krakelend Leute verletzten.

„Wir sehen unseren guten Ruf von falschen Darstellungen bedroht“, wehrt sich Sascha Mathy, Vorsitzender der DPSG Sankt Michael, gestern auf Nachfrage und erläutert: „Wir wollten zwar an diesem Samstag einen Überfall machen und waren auch mit sieben Mann vor Ort, doch wir sind gar nicht erst dazu gekommen, weil uns eine andere Gruppe zuvor kam.“

„Überfälle“ unter Pfadfindern auf Zeltlager befreundeter Stämme sind regelmäßig stattfindende, zumeist verabredete Späße, die nach festen Ritualen ablaufen und mit denen die Lagerteilnehmer an den Wochenenden immer rechnen. „Als wir in diesen Ferien unser Zeltlager hatten, kamen auch unsere Urberacher Freunde und haben nachts für Trubel gesorgt“, erklärt Mathy. Ziel sei es immer, an das Banner der anderen zu gelangen. „Aber man kommt in kleinen Gruppen. Böller werden nur als Eröffnung des Angriffs weit weg vom Lager geschossen und im Lager selbst ist man als Angreifer nicht nur zahlenmäßig unterlegen, sondern es kommt auch nicht zu handgreiflichen Übergriffen, von denen hier berichtet wurde“, erläutert Mathy. Zwar könne es sein, dass bei der Jagd auf die Angreifer mal jemand hinfalle, ernsthafte Verletzungen habe es aber niemals gegeben.

Keine Stellungnahme der Urberacher Pfadfinder

Mathy selbst war bei dem Überfall auf die Urberacher im Bad Soden-Salmünster zwar nicht dabei, ein Münsterer Pfadfinder, der das Geschehen vom Waldrand aus beobachtet hat, habe ihm aber berichtet, dass es eine andere Gruppe war, die in großer Zahl auf das Lager gestürmt sei, keinesfalls jedoch die Münsterer Pfadfinder.

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Das bestätigt auch die Polizei. „Vom Urberacher Lagerleiter, der Anzeige erstattet hat, sind die Münsterer Pfadfinder mit keinem Wort erwähnt worden, es ging immer nur um die andere Gruppierung“, bestätigt Matthias Kessler, Leiter der Polizeistation in Bad Orb. Seine Kollegen könnten über den Tathergang noch keine genauen Auskünfte geben, denn als sie nach der Alarmierung eintrafen, sei der Überfall schon vorbei gewesen und sowohl von den Angreifern als auch von den Verteidigern hätten Leute am Lagerfeuer zusammen gesessen. Dass die Angelegenheit nicht intern unter den Beteiligten geklärt, sondern Anzeige erstattet worden sei, liege wohl an der Straftat der gefährlichen Körperverletzung. Urberachs Lagerleiter habe beobachtet, dass ein Böller direkt am Ohr eines Teilnehmers hochgegangen sei.

Die Urberacher Pfadfinder wollen derzeit keine Stellung zu dem Geschehen abgeben: „Wir wollen das Zeltlager nun erst einmal in Ruhe zu Ende bringen und uns erst nach dessen Abschluss äußern“, so Simon Knief vom Vorstand.

In Münster allerdings wäre man über eine Entlastung froh, ist doch die Empörung über die Beschuldigungen groß. „Wir sind mit den Urberacher Pfadfindern eng befreundet und planen im nächsten Jahr sogar ein gemeinsames Zeltlager, da würden wir uns doch niemals so rüde verhalten und uns Ärger einhandeln“, so Sascha Mathy, der hofft, dass bald eine Richtigstellung der Ereignisse stattfindet und sein Stamm von dem Verdacht, Menschen verletzt zu haben, wieder völlig frei wird.

Quelle: op-online.de

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