„Wir wurden gar nicht zugetextet“

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Vollbepackt mit neuster Literatur-Werbung: Anja Christ und Jasmin Frank kamen voller Impressionen und Ideen von der Buchmesse ins Storchenschulhaus zurück.

Münster - Nein, Arnie und sein „Total Recall“ haben Jasmin Frank und Anja Christ nicht zu Gesicht bekommen auf der Frankfurter Buchmesse. Dafür aber tausenderlei Anregungen vom Eröffnungstag mitgebracht für Neuanschaffungen für die öffentliche Bücherei im Storchenschulhaus. Von Thomas Meier

Die Büchereileiterin und ihre Mitarbeiterin standen am Eröffnungstag Punkt 9 Uhr vor den Messetoren, um mit hunderten von im Literaturbetrieb Beschäftigten die Schriftgut-Tempel auf Zeit zu erobern.

Allerdings mit Sinn und Zielvorgaben, denn die beiden Lesebeflissenen haben sich bestens für die Fortbildung im Messetaumel vorbereitet. „Unsere Sachbuchabteilung wird umstrukturiert. Viele alte Schmöker, die unausgeliehen ein längeres Schattendasein in den Ecken fristeten, wurden aussortiert, um Platz für Neuerungen zu schaffen“, sagt Jasmin Frank, seit März als Leiterin der Gemeindebücherei tätig. Im Vorfeld habe man in den Ausleihlisten auch geschaut, was nachgefragt wird, was weniger. Und da gelangte das Team schnell zur Erkenntnis, dass Politik, Zeitgeschehen oder Naturwissenschaften eher schleppend nachgefragt würden, hingegen man an nachgefragter aktueller Reiseliteratur längst nicht den Bedarf befriedigen könne. Hier liegt ein Schwerpunkt, der ausgebaut werden soll und über den man sich in Frankfurt kundig machte.

Bilder von der Frankfurter Buchmesse

Startschuss für Frankfurter Buchmesse

Und freilich schnell fündig wurde. Wandern, Radeln und Aktivurlaub für Familien sind die gefragtesten Themen. Hierzu packten die Suchenden Tüten voll mit Infomaterial. Dabei auch über neue Publikationen stoßend, die sicher beim Leihpublikum ankommen. So etwa eine Buchreihe mit dem Slogan: „Eine Stadt in Biografien“. Auf den Spuren berühmter Persönlichkeiten kann man hierin bekannte, zumeist allerdings auch große Städte entdecken. Mit Napoléon, Honoré de Balzac, Victor Hugo oder Claude Monet etwa durch die Seine-Metropole Paris streifen.

Geachtet haben die Münsterer in Frankfurt bei der Reiseliteratur nicht nur auf die Erreichbarkeit der Ziele, sondern auch der Leserschaft. Waren etwa in Reiseführern die Lettern für die Tipps zu klein gewählt, fiel diese Literatur für ihre Liste gleich durch. Lesbar sollte es schon auch für die älteren Semester sein.

Weg wie warme Semmeln gehen in Münsters Ausleihe bei der Jugend Comics, darunter besonders die japanische Variante namens Manga. Zehn Stände der Sprechblasen-Literatur klapperten die Damen ab. Keinen Einzug ins Storchenschulhaus halten werden viel gezeigte asiatische, oftmals sehr sexistische oder auch Gewalt verherrlichenden Bildchen. Doch stießen die Bilderguckerinnen auch auf urdeutsche Zeichnungen in „Mosaik“. Die wohl langlebigste deutsche Comic-Zeitschrift kannten weder Frank noch Christ, doch beide griffen bei den Freiexemplaren der ununterbrochen seit 1955 erscheinenden Heftchen zu. Statt Tick, Trick und Track aus der Disney-Kollektion halten nun die Digedags (Dig, Dag und Digedag) Einzug in die Münsterer Schmökerräume.

Vier Tüten voller Infomaterial

Vier Tüten voller Infomaterial nahmen die vielprobelesenden Bücherwürmer mit, einige (kostenlose) Abos wurden geschlossen. So etwa mit der Bundeszentrale für politische Bildung, die künftig ihre drei Magazine „Fluter“ (für die Jugend), „Informationen zur politischen Bildung“ und das „bpb-Magazin“ zur Ausleihe frei liefert.

Die Exkursion in die Welt der gebundenen Lettern empfanden Frank und Christ als sehr angenehm. Weder waren ihre zuvor ausgesuchten Anlaufstellen übermäßig belagert, noch „wurden wir von irgendjemandem ungefragt zugetextet“, sagt Frank. Bei Bedarf sei die Beratung an jedem Stand exzellent gewesen, doch das fachkundige Personal habe sich nie aufgedrängt.

Etwas „irritierend“ empfand Frank, dass es an jedem zweiten Stand verführerisch nach Kaffee und Gebäck duftete, das delikat zubereitete Schnittchen lockten und auch allenthalben Sekt ausgeschenkt wurde. All dies jedoch nur für „geladene Gäste“, wie stets an den gedeckten Tischchen gar nicht undiskret zu lesen war...

Quelle: op-online.de

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